Wirtschaft

Worauf der Reichtum der Schweiz wirklich gründet

René Zipperlen (Der Sonntag)

Von René Zipperlen (Der Sonntag)

Mo, 12. Oktober 2015 um 17:03 Uhr

Schweiz

Pillen, Uhren, Schwarzmilliarden. Um den heutigen Reichtum der Schweiz ranken sich viele Mythen. In 90 Jahren vom Armenhaus Europas zum Weltkrösus – was ist dran an dieser Behauptung?

Ein totaler Mythos, kompletter Blödsinn, aber nicht ausrottbar. Ich habe das sogar mit Ökonomen der Schweizer Nationalbank diskutieren müssen." Der Basler Historiker Tobias Straumann ärgert sich. Es gibt Geschichten, die sind so haltbar wie falsch. So auch diese über die Schweiz: in 90 Jahren vom Armenhaus Europas zum reichsten Land der Welt. Das liest man so noch immer, selbst in der Schweiz, wo etwa die Handelszeitung 2013 schrieb: "Das einstige Armenhaus Europas schien durch nichts prädestiniert, dereinst zu den reichsten Ländern der Welt zu zählen." Doch das Alpenwunder sei weder schlicht auf Nazigold noch aus dem Nichts gewachsen, sagt Straumann. "Offenbar hat man nicht genügend Zutrauen in die eigenen Kapazitäten."

Nun sind zwei Dinge richtig. Erstens: Die Schweiz jenseits des Gürtels Genf-Basel-Zürich-St. Gallen war arm. Es gab große Hungersnöte um 1846 und 1875, bis zu 20 Prozent der Landbevölkerung waren von Unterstützung abhängig, Wohlstand und Arbeit ungerecht verteilt. 200.000 Menschen verließen zwischen 1850 und 1890 ihr Elend in Richtung Übersee. Da war die Schweiz freilich schon "eines der am stärksten industrialisierten Länder Europas", so die Historikerin Regina Wecker.

Zweitens: Die Schweiz ist sehr reich. 2014 lagen die Schweizer Privatvermögen mit 581.000 Dollar pro Kopf an der Weltspitze (Deutschland: 211.000). Die Löhne in Zürich sind doppelt so hoch wie in München und Frankfurt. Die Wohnungsmieten zwar auch. Dennoch liegt die Kaufkraft der Zürcher noch um fast 40 ...

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