In der öffentlichen Wahrnehmung abgetaucht

dpa

Von dpa

Fr, 12. Juli 2019

Schwimmsport

Viele Medaillen für das deutsche Team verspricht die Schwimm-WM in Südkorea nicht / Ereignis im deutschen TV nur Randsport.

GWANGJU (dpa). Ein Jahr vor Olympia in Tokio stecken die krisengeplagten deutschen Schwimmer bei der Weltmeisterschaft im Neuaufbau. Nach turbulenten Verbandstagen mit dem Rücktritt der Präsidentin und des Chefbundestrainers will das umformierte Team um Europameister Florian Wellbrock als großem Hoffnungsträger von diesem Freitag an in Südkorea das nächste WM-Frusterlebnis vermeiden. Medaillenziele verkündet der Deutsche Schwimm-Verband auf dem Weg zu den Sommerspielen in einem Jahr keine. Ein Aufbruchssignal sollen die bis zum 28. Juli dauernden Titelkämpfe im zunächst regnerischen und trüben Gwangju aber auch ohne Aussichten auf viel Edelmetall werden.

Bei der WM mit rund 2600 Athleten aus 194 Ländern bringen sich besonders die großen Schwimmsport-Nationen wie die USA, Australien und China schon in Stellung für das Mega-Sportereignis in einem Jahr in Japan. Im Wasserspringen, Freiwasser und bei den Staffeln heizt der Kampf um Olympia-Tickets die Konkurrenz weiter an.

"Die Athleten sollten die WM in Südkorea als Grundstein für eine erfolgreiche Olympiaqualifikation verlassen", formulierte es der deutsche Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen zurückhaltend. Die aus deutscher Sicht erfreuliche EM vor einem Jahr in Glasgow, als es allein acht Beckenmedaillen gab, sind kein Maßstab für das Kräftemessen in Korea.

Auf die Stimmung schlug das mäßige Wetter bei Topathlet Patrick Hausding nicht. "Die Leute hier sind höflich und sehr hilfsbereit", sagte Deutschlands bester Wasserspringer. Wie bei Olympischen Spielen sind die Sportler nicht in verschiedenen Hotels, sondern in einem Athletendorf untergebracht.

Zehn Jahre nach der goldenen WM von Rom, als vor allem Britta Steffen, Paul Biedermann im Becken und Thomas Lurz im Freiwasser für Erfolge sorgten, sind deren Nachfolger in der öffentlichen Wahrnehmung abgetaucht. Live sind die Titelkämpfe in Deutschland praktisch nicht im Fernsehen zu verfolgen. Ohne Erfolge, keine Quote – und allzu viele Podestplätze wird es auch in den Tagen von Gwangju nicht geben. "Es gibt schon einige, die eine Medaillenchance haben. Ich drücke da die Daumen, aber es sind halt zwei, drei Namen, die da wirklich eine Chance haben", sagte Doppel-Olympiasiegerin Steffen. Aber Erfolge seien schwierig.

Wellbrock zählt über die langen Strecken in den Becken-Wettbewerben und im Freiwasser zu den Medaillenanwärtern. Seine Freundin Sarah Köhler will im Becken an die guten EM-Auftritte anknüpfen. Dahinter wollen allen voran Routiniers wie der 2015er Weltmeister Marco Koch oder die WM-Zweite von Budapest, Franziska Hentke, auf dem Weg zu Olympia einen guten Eindruck hinterlassen. Synchronschwimmerinnen und Wasserballer möchten sich beim Kampf um die Olympia-Tickets, die im kommenden Jahr vergeben werden, positionieren.
Die Wasserspringer und Freiwasser-Asse sind am ersten Wochenende gefordert, die Männer starten über fünf, die Frauen über zehn Kilometer. "Unsere Hauptdistanz sind die zehn Kilometer, denn neben den WM-Medaillen geht es auch um die Olympia-Qualifikation", sagte Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz. Die Frauen schwimmen ihr Rennen über die olympische Distanz an diesem Sonntag, die Männer um Wellbrock am Dienstag.