Wolfgang Klein ist Ehrenbürger

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

Di, 29. Januar 2019

Schwörstadt

Erster Neujahrsempfang kommt in Schwörstadt gut an.

SCHWÖRSTADT. Erstmals fand am Sonntag in der Gemeinde ein Neujahrsempfang statt und erstmals wurde dabei auch die Ehrenbürgerschaft vergeben. Wolfgang Klein, Historiker und seit über 50 Jahren im Ort lebend, erhielt sie. Zudem gab’s Musik und interessante Gespräche.

Der mittlerweile fast 97-jährige Wissenschaftler stammt aus Königsberg, der Hauptstadt des früheren Ostpreußen. Nach der Vertreibung führte sein Weg zunächst nach Westfalen, er studierte in Münster Naturwissenschaften und gelangte schließlich nach Schwörstadt. Von hier aus führte er seine umfangreichen historischen Betrachtungen über seine Geburtsstadt fort. Bis in die Gegenwart erschließt er Quellen und dokumentiert Entwicklungen aus Wirtschaft und Gesellschaft. Selbst heute noch steht er mit den Behörden der jetzigen Stadt Kaliningrad in Kontakt, um alte Bebauungen und Nutzungen der Stadtflächen nachzuweisen, was für heutige Planungen bedeutend ist.

Doch sehr intensiv wandte sich Wolfgang Klein seinem neuen Wohnort zu. So besuchte er jedes Gebäude im Ort und belegte Entstehung und Veränderungen. Dieses 280 Seiten umfassende Werk erschien bereits 1990. Ebenfalls Anfang der 90er Jahr griff er die Geschichte der freiwilligen Feuerwehren in Schwörstadt und Dossenbach auf. Einen allgemeinen Geschichtsüberblick beider Orte legte er etwas später vor. Als Bürgermeisterin Christine Trautwein-Domschat den Historiker auf die Bühne bat, um ihm die Urkunde zu überreichen, kam er nicht mit leeren Händen. Klein brachte sein neueste Werk mit, die Dokumentation über Siegel und Wappen der Gemeinde.

Vor diesem Höhepunkt des Neujahrsempfangs hatte die Bürgermeisterin einen Überblick über die Kommunalpolitik im vorigen Jahr und einen Ausblick für 2019 gegeben. 33 Kinder wurden im Vorjahr in der Gemeinde geboren, allein dies zeige, dass die Kinderbetreuung als eine der wichtigsten Aufgaben in diesem Jahr weiterhin große Bedeutung habe. "Im Frühjahr können wir im Kindergarten Schwörstadt eine weitere Ü-3 Gruppe einrichten, in der Ortsverwaltung Dossenbach werden wir eine Übergangslösung für eine Kindergartengruppe schaffen," beschrieb sie. "Aber die endgültigen Lösungen erfordern von Verwaltung und Gemeinderat noch viele Überlegungen." Mit Blick auf die Kommunalwahlen rief sie dazu auf, für den Gemeinderat zu kandidieren, gerade im 100. Jahr des Frauenwahlrechts sollten sich viele Frauen zu diesem Schritt entschließen. Die weitere Arbeit am Gemeindeentwicklungskonzept bis 2035 bleibe ebenso eine Aufgabe, an deren Umsetzung möglichst viele Einwohner mitwirken sollten. Auch Landrätin Marion Dammann begrüßte die Schwörstädter Einwohner.

Aus vielen Begegnungen im Vorjahr komme sie immer stärker zur Überlegung, "wie wir eigentlich miteinander umgehen". Die richtige Form der notwendigen Auseinandersetzung werde leider oft nicht gefunden. "Ich stehe zum evangelischen Jahresmotto 'Suche Frieden und jage ihm nach'," sagte sie. "Das gilt im kleinen wie im großen." Schließlich hänge auch der soziale Frieden sehr viel vom Umgang miteinander ab. Mit Blick auf den Wahltag im Mai verstehe Dammann nicht, warum Europa oftmals gering geschätzt werde, wo doch gerade diese Zusammenarbeit jahrzehntelang den Frieden gesichert habe.

Mehr als 200 Bürger waren zum ersten Neujahrsempfang gekommen. Das Harmonikaorchester Schwörstadt sorgte für eine gelungene musikalische Umrahmung. Gast war auch eine Delegation aus der französischen Partnergemeinde Aillevillers-et-Lyaumont.