Seelbach

Inventar der evangelischen Kirche wird am Samstag verkauft

Karl Kovacs

Von Karl Kovacs

Mi, 16. Januar 2019 um 12:05 Uhr

Seelbach

Alles muss raus: Die evangelische Kirche in Seelbach wird modernisiert. Um Platz für Neues zu schaffen, wird fast das komplette Inventar verkauft. Im Angebot ist auch das große Eichenkreuz.

Aus dem evangelischen Gotteshaus in Seelbach soll eine "Kirche des Lichts" werden. Dafür wird das fast 65 Jahre alte Gebäude von Februar an etwa zwölf Monate lang umfangreich saniert. Am kommenden Samstag können Teile des Inventars gegen Spenden erworben werden.

Wenn Pfarrerin Anke Doleschal über das Kirchengebäude spricht, schwingt Wehmut mit. "Die Kirche wird uns fehlen. Obwohl sie so dunkel ist und die Umgebung nicht sonderlich erquicklich, hat die Gemeinde sehr viel Schönes hier erlebt. Sie hat alles mitgemacht. Sie wird uns wirklich fehlen." Noch mehr aber freut sich die Pfarrerin auf die renovierte, lichtdurchflutete Kirche. "Wenn sie fertig ist, wird sie anders sein. Und schöner."

Auch das Eichenkreuz kann erworben werden

Bevor die Arbeiten beginnen, heißt es am Samstag, 19. Januar: "Alles muss raus". Von 10 bis 14 Uhr können Teile des Inventars gegen eine Spende erstanden werden. Etwa Tische, Polsterstühle, die Kanzel, Weingläser und Kirchenbänke. "Auch das große Eichenkreuz und die Mosaiksteine, auf denen es aufgebaut ist, werden veräußert", so die Pfarrerin. Das sei besonders für Künstler interessant, die daraus etwas Neues schaffen können. Die Kirche erhält im Zuge der Renovierung ein Lichtkreuz. An Menschen mit einem persönlichen Bezug dazu sind bereits der Altar und das Taufbecken vergeben. Wichtig sei am Samstag, dass die Menschen nicht einfach etwas mitnehmen, sondern zuerst fragen. Die Kerzenständer etwa werden noch benötigt.

Das Abschiedswochenende geht am Samstag weiter mit einem Saxofonkonzert um 19.30 Uhr. Anschließend wird im Gemeindesaal die neue Tücher-Kollektion aus Jordanien angeboten. Daneben gibt es Häkelwaren, Tees und Gewürze.

Pfarrerin Doleschal erwartet die eine oder andere Träne

Emotional wird es beim Gottesdienst am Sonntag um 9.30 Uhr. "Ich habe den Gemeindemitgliedern gesagt, sie sollten ihre Taschentücher nicht vergessen", sagt die Pfarrerin. Sie selbst wird das eine oder andere wohl selbst benötigen – schließlich hält sie ihre vorerst letzte Predigt im Gotteshaus. "Das ist natürlich nicht einfach", gesteht sie. Künftig wird sie nicht mehr von einer Kanzel aus Predigen. Dafür gibt es in der sanierten Kirche keinen Platz. Stattdessen soll ein Ambo aufgestellt werden.

Zum letzten Mal erklingt am Sonntag die Orgel in Seelbach. Sie wird am Montag abgebaut und nach Salzburg in eine Kirche gebracht. Das allerletzte Lied, das in Seelbach gespielt wird, verrät Doleschal, ist "Großer Gott, wir loben Dich". In der Seelbacher Kirche wird nach dem Umbau eine neue, gebrauchte Orgel vom Badischen Konservatorium eingebaut. Dabei handelt es sich um ein mechanisches Instrument, an dem Nachwuchsorganisten ausgebildet wurden. In Gedenken an die Erbauer der Kirche vor mehr als 60 Jahren wird auch das "Ostpreußenlied" gesungen.

Arbeitseinsätze sind geplant

Die Kosten der Sanierung kann Anke Doleschal nicht genau beziffern. Mitte 2018 ging die Gemeinde von etwa 800.000 Euro aus. Beim Bau im Bestand wisse man aber nie, was auf einen zukommt. Etwa 600.000 Euro erhält die Gemeinde von der Landeskirche. Um die eigenen Kosten zu reduzieren, setzt die Pfarrerin auf Eigenleistung. Daher sind am Freitag und Samstag, 25. und 26. Januar, Arbeitseinsätze geplant.

Doleschal: "Engagierte Menschen mit handwerklichen Kenntnissen sind herzlich willkommen." Unter anderem müssen Böden herausgerissen und Toilettenanlagen abmontiert werden. Doleschal hofft auf Eigenleistungen im Wert von 10.000 Euro. Als Dank gibt es Eintopf und Wurstbrote. Die Sanierungsarbeiten selbst beginnen kurz darauf. Wer mithelfen möchte, kann sich unter Tel.  07823/96550 melden.

Gottesdienste werden in katholischen Kirchen abgehalten

Ein Jahr Bauzeit ist vorgesehen. In dieser Zeit wird die Gemeinde ihre Gottesdienste in katholischen Kirchen abhalten. Dabei wird von den Gläubigen Reisebereitschaft abverlangt: Je nach Belegung finden die Feiern in Seelbach, Wittelbach, Kuhbach oder Reichenbach statt. Auch Vorabendgottesdienste an Samstagen sind vorgesehen. Die Termine werden jeweils bekanntgegeben.