So tickt Romantik: Sebastian Wohlfarth und Roglit Ishay in Freiburg

Johannes Adam

Von Johannes Adam

Mo, 18. März 2019 um 12:54 Uhr

Klassik

"Ich habe mich ganz auf die Bratsche geworfen und geige nur noch in Fällen dringender Not", bekannte Paul Hindemith, der sein Instrument gewechselt hatte.

Im Frühjahr 1919 komponierte er die Sonate für Viola und Klavier op. 11 Nr. 4. Jetzt, beim Rezital im Tuniberghaus in Freiburg-Tiengen war dieses Werk des 23-Jährigen Höhepunkt des Abends. Kantabel und expressiv ging der Bratscher Sebastian Wohlfarth den mit der Vortragsanweisung "Ruhig" überschriebenen Kopfsatz an. Sensibel gestaltete die Freiburger Klavierkammermusik-Professorin Roglit Ishay den Tastenpart, der nach wenigen Takten mit der Notiz "zart" versehen ist.

Doch haben auch Energie, Leidenschaft und Emphase ihren Ort bei diesem Werk, in welchem die drei Sätze nahtlos ineinanderfließen. Eine der Variation huldigende Musik, bei der Hindemith noch mit (mindestens) einem Bein in der Romantik steht. Fugiertes hatte jetzt Transparenz und Gewicht. Das Virtuose nahm für sich ein. Die beiden Akteure brachten diese Tonkunst zum Glühen – das muss man, zumal bei Hindemith, ja erst mal können. Es klang jedenfalls wunderbar.

Man hörte Interpreten, die wissen, wie Romantik tickt. Bei Robert Schumanns Opus "Märchenbilder", von dem der Abend sein Motto bezogen hatte, bildeten die lyrischen Rahmenteile und die burschikose Mitte einen hübschen Kontrast. "Kol Nidrei" von Max Bruch nach jüdischen Melodien: Da durfte die Bratsche singen. Hier und bei Zoltán Kodálys Adagio war er wieder: Wohlfarths dunkler Bratschenton, der so viel Noblesse und Ausdruck verströmt. Himmlisch das Streichermelos im E-Dur-Adagio von Schuberts Arpeggione-Sonate!

Gerade die einleitende Schubert-Deutung zeigte die Instrumentalpartner noch nicht am Idealziel der interpretatorischen Gemeinsamkeit. Mitunter hätte die Pianistin der Bratsche mehr Raum gewähren müssen. Einen Soloauftritt hatte Roglit Ishay mit Schumanns "Kinderszenen". Man genoss feinste Agogik ("Von fremden Ländern und Menschen"), konstatierte ein Faible fürs Melos. Schwebend kam die "Träumerei" daher. Man stieß aber auch auf donnernde Akzente und offensive Pianistik. Ob derlei bei diesen Miniaturen am Platze ist?