"Solche Worte rutschen nicht einfach raus"

Lynn Sigel

Von Lynn Sigel

Do, 05. August 2021

Mountainbike

Daniel Berhe, Chef des Lexware-Mountainbiketeams, kritisiert Patrick Moster, den Sportdirektor des BDR, scharf.

. Zur olympischen Idee gehört das Ideal der Freundschaft und Völkerverständigung sowie der Fairplay-Gedanke. Der Manager des Kirchzartener Lexware-Mountainbiketeams, Daniel Berhe, der in Feldberg-Bärental wohnt, lebt dieses Ideal in seiner täglichen Arbeit mit Nachwuchstalenten des Radsports. Entsprechend groß war die Freude, dass sich gleich zwei seiner Sportler für die Olympischen Spiele qualifizieren konnten. Martin Vidaurre wurde vom chilenischen Verband nominiert und wurde Olympia-16., Max Brandl vom deutschen Verband, dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR), kam beim Cross-Country-Rennen in Tokio auf Rang 21.

Der BDR sorgte aufgrund der inakzeptablen Äußerung seines hochrangigen Funktionärs Patrick Moster für negative Schlagzeilen. In seiner Funktion als Sportdirektor profitierte Moster auch von der Nachwuchsarbeit, die Daniel Berhe mit dem Lexware-Mountainbiketeam leistet. Als Sohn von Einwanderern aus Eritrea ist Daniel Berhe ein Paradebeispiel für gelungene Integration. Die integrative Kraft des Sports wird von Verbandsfunktionären gerne angeführt, wenn es um die Bereitstellung öffentlicher Fördermittel geht. Umso schwerer wiege das Verhalten der obersten Verbandsfunktionäre im aktuellen Fall, so Berhe. Einem Fall, über den global berichtet wird (Times, Al Jazeera, Washington Post) und zu dem zwischenzeitlich auch die Vereinten Nationen Stellung bezogen haben. Für Daniel Berhe ist dieser Fall eine mehrfache Enttäuschung: Erstens ist es persönlich enttäuscht vom BDR-Sportdirektor, mit dem er seit Jahren zusammenarbeitet. Die diskriminierende Bezeichnung der Radsportler Amanuel Ghebreigzabhier und Azzedine Lagab als "Kameltreiber" hat Berhe besonders schwer getroffen, weil Ghebreigzabhier für Eritrea startet.

Wenn der Präsident des BDR in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland betont, dass Moster sich bisher niemals rassistisch geäußert habe, sei das ein schwacher Trost, so Berhe. Vielmehr zeige dies, dass Rassismus und Diskriminierung nach wie vor in der Mitte der Gesellschaft existierten – eine zweite Enttäuschung, die für Berhe allerdings nicht neu ist, sondern mehrfach persönlich erlebt wurde. Diese Enttäuschung ist eng verbunden mit der dritten Enttäuschung für Berhe: der sportpolitischen Reaktion auf den Fall Moster. Sowohl der DOSB mit Deutschlands oberstem Sportfunktionär Alfons Hörmann als auch der BDR und sein Präsident Rudolf Scharping reagierten nur zögerlich. Während zahlreiche Sportler in den sozialen Medien klare Statements setzten, akzeptierte Alfons Hörmann zunächst die lapidare Entschuldigung Mosters mit der Stresssituation im Wettkampf. Berhe sagt: "Solche Worte rutschen nicht einfach raus". In Stresssituationen kämen die wahren und tieferen Überzeugungen zum Vorschein. Die spätere Suspendierung Mosters durch den DOSB sei richtig und könnte dem BDR durchaus als Vorbild dienen.

Toleranz und Fairness lassen sich nach Auffassung von Berhe nicht "von oben" verordnen. Vielversprechender ist für ihn der unermüdliche Einsatz im Kleinen, an der sogenannten Basis. Diese erreicht Berhe auch durch die Kooperation des Lexware-Mountainbike-Teams mit dem Verein SV Kirchzarten, also durch die Verbindung von Leistungs- und Breitensport. Hier möchte er weiterhin ein Vorbild sein und die Menschen für Diskriminierung im Alltag sensibilisieren.