SoldatIn, stillgestanden!

Sa, 20. Januar 2001

Deutschland

Sie sollen ausdauernder sein und in Konfliktsituationen besonnener handeln können: Seit Anfang des Jahres sind die ersten Frauen bei der Bundeswehr. Unsere Autorin hat sich beworben und die Eignungstests mitgemacht / Von Kerstin Humberg.

m 2. Januar beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Bundeswehr. Erstmals rücken Frauen zum Truppendienst an. Wie bei den Männern steht vor dem Griff zur Maschinenpistole die Musterung. Was das für die weiblichen Bewerber bedeutet, schildert die 23-jährige Studentin Kerstin Humberg. Zwei Tage hat sie im "Zentrum für Nachwuchsgewinnung Nord" in Hannover verbracht.

A

Hannover. Was für ein Überraschungsmanöver am frühen Morgen: Beim Öffnen meiner Zimmertür, auf dem Weg zur Etagendusche, steht er plötzlich vor mir: der junge Gefreite. Er im olivgrünen Tarnanzug, ich in Unterwäsche. "Oh, schon wach?", stammelt der Weckdienst. Doch noch ehe ich irgendein Wort über die Lippen bringen kann, ist er auch schon verschwunden. Hinaus zur Tür mit der Aufschrift: "Unterkunftsbereich Damen - kein Durchgang".

Sechs Uhr morgens im "Zentrum für Nachwuchsgewinnung Nord" der Bundeswehr in Hannover. Das kann ja heiter werden, schießt es mir durch den Kopf. Männer an der Pforte, Männer in der Kantine und Männer im Damenflur. Hier ist man wirklich nirgends sicher. Was erwartet mich dann nur bei der ärztlichen Untersuchung? In Gedanken sehe ich meinen Mitbewohner Daniel grinsen, der mir seine eigene Musterung schon mehrmals zum Besten gegeben hat. Und beim Sporttest? Ob ich da wohl genauso viele Liegestützen schaffen muss wie meine männlichen Mitbewerber? Gut möglich. Aber warum auch nicht: Wenn schon Gleichberechtigung, dann auch richtig.

Für mich steht fest: Ich will in den militärgeographischen Dienst. Die Laufbahn der Unteroffiziere einschlagen, mich sechs Jahre verpflichten lassen - und dafür auch das Auswahlverfahren packen. Ohne Kompromisse! Das Geographie-Studium an der Hamburger Universität ist mir viel zu theoretisch. Die ersten beiden Hürden im Auswahlverfahren der Bundeswehr habe ich problemlos genommen: Das Informationsgespräch mit dem Wehrdienstberater beim Kreiswehr-Ersatzamt in Hamburg genauso wie die schriftliche Bewerbung mit ausführlichem Lebenslauf, beglaubigter Geburtsurkunde und Brillenpass.

Und schlimmer als das Kreuzverhör in Hamburg kann auch das Psychologen-Gespräch hier in Hannover nicht werden. Die Atmosphäre in der Hamburger Kaserne war so ungewohnt, so fremd für mich: Überall Männer in Uniformen, Deutschlandflaggen an der Wand und Bilder von Tornados. Noch bedrückender aber ...

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