Entwicklungsdrang

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 24. November 2019

USC Eisvögel

Der Sonntag Bei Freiburgs Basketballerinnen läuft’s noch nicht ganz rund.

Die Basketballerinnen des USC Freiburg sind etwas schwächer gestartet als im Vorjahr. Für Panik aber sorgt das nicht. Der Erstligist setzt auf die Kraft der Entwicklung.

Einen Mangel an Erklärungen für die aktuelle Lage kann man ihnen beim USC Freiburg nicht vorwerfen. Nach gut einem Viertel der Spielzeit stehen die Bundesliga-Basketballerinnen auf dem achten Platz. Drei Siege und fünf Niederlagen – so lautet die bisherige Ausbeute. Lauscht man den Protagonistinnen, wird rasch klar, ganz zufrieden sind sie damit nicht.

"Die vergangene Saison hat hohe Erwartungshaltungen geschürt", findet Trainerin Hanna Ballhaus. Damals stürmte der Aufsteiger regelrecht durch die Liga, verzückte mit rasanten, überfallartigen Offensivstafetten sein Publikum und wurde am Ende starker Fünfter. "Im Vergleich dazu sind wir dieses Jahr schwächer gestartet", so Ballhaus.

"Die Stimmung im Leistungssport ist ein wankelmütiges Weib", ergänzt Harald Janson. Wobei der sportlicher Leiter der Eisvögel wie immer differenziert: "Wir sind in einem Findungsprozess, deswegen geht das alles in Ordnung, aber wir hätten uns ein wenig bessere Zwischenergebnisse gewünscht." Das größte Manko derzeit: In der Crunchtime, also der entscheidenden Phase kurz vor Spielschluss, fehlt bisweilen der letzte Punch.

Will heißen, wird es eng, können die Wurfkünstlerinnen noch nicht konstant ihr bestes Basketball abrufen. 67:71 gegen Hannover, 69:72 gegen Wasserburg, 76:79 in Osnabrück, – und das nach Verlängerung. Immerhin, zuletzt zeigte der Trend nach oben. Gegen Göttingen gewann der USC vor zwei Wochen mit Glück sein Heimspiel (69:66).

Den Schwung wollen sie mitnehmen. An diesem Sonntag (17 Uhr) die Eisvögel auswärts auf den BC Marburg. Kommenden Samstag (19.30 Uhr) empfangen sie im Pokal-Achtelfinale den deutschen Meister und Pokalsieger Herne.

"In knappen Situation greift man auf Bewährtes zurück, auf Dinge, die in der Vergangenheit funktioniert haben", erklärt Sportwissenschaftler Janson. Selbstredend hilft es dabei, wenn das Personal sich durch Konstanz auszeichnet. Diesen Sommer aber war der Umbruch groß. Samantha Fuehring, Cassandra Breen, Jessica Genco, Alexa Hart, Paula Kohl: Gleich fünf Neuzugänge, vier davon auf den wichtigen Ausländerpositionen, musste der USC einbauen. Breen und Hart stießen erst kurz vor Rundenbeginn zum Team. Und zu guter Letzt wäre da noch Isabel Fernandez, die alle nur Moses rufen. Seit diesem Sommer teilt sich die 47-Jährige mit Ballhaus die Trainerposition. Eine Doppelspitze zur Bewältigung des Umbruchs.

"Wir mussten vier neue auf den Profipositionen integrieren", betont Kapitänin Luana Rodefeld. Wobei die beiden Hochveranlagten Fuehring (Center) und Genco (Point Guard) direkt aus dem College an den Schwarzwaldrand gestoßen sind. "Da ist die Umstellung dann meist sehr groß", wie Trainerin Ballhaus betont. Die Dreierlinie hat eine andere Entfernung, für einen Angriff hat man sechs Sekunden weniger Zeit, die Schiedsrichter pfeifen kleinlicher. Sich anzupassen, kann da dann schon einmal dauern.

"Das ist ein Entwicklungsprozess", weiß Janson. Ballhaus: "Viele kommen aus funktionierenden Teams und müssen sich dann von Rollenspielerinnen zu Leistungsträgerinnen entwickeln." Entwickeln: Das Lieblingswort der Eisvögel. Wobei das mehr ist als eine hohle Phrase. "In unserem Programm steht das ganz oben, wir arbeiten inhaltlich, nicht ergebnisorientiert", sagt der sportliche Leiter.

Und in Sachen Entwicklungsschüben müssen sie sich dieses Jahr nicht verstecken. Pauline Mayer, Emily Kapitza, Luisa Nufer, Lea Ouedraogo: Die Liste der Spielerinnen aus dem eigenen Stall ist lang. Und so verwundert es kaum, dass die sportliche Leitung für den Rest der Spielzeit guter Dinge ist. Janson: "Wir sind schließlich ein Playoff-Sport." Was heißt: Am Ende zählt’s. Das wiederum würde zur Entwicklung passen. Das Beste kommt schließlich meist zum Schluss.