Blockbuster mit Fortsetzung

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Sa, 15. Februar 2020

EHC Freiburg

EHC Freiburg verliert nach 2:4 gegen Frankfurt Tabellenführung / Am Sonntag geht’s nach Hessen.

FREIBURG. Für einen Moment scheint es, als hätte sich der Oscar-prämierte Filmkomponist Hans Zimmer in die Echte-Helden-Arena verirrt. Als würde jede Sekunde Hollywood-Star Russell Crowe in der Freiburger Eishalle um die Ecke biegen, um sich nochmal in die Gladiator-Rolle zu werfen. Die tiefe, fast schon mythische Bläsermusik unmittelbar vor dem ersten Bully erinnert an einen der ganz großen Blockbluster. Und diesem Anspruch wird das DEL-2-Topspiel zwischen Spitzenreiter EHC Freiburg und dem Tabellendritten Löwen Frankfurt gerecht. Mit 2:4 (1:2, 1:1, 0:1) verliert Freiburg die Partie – und die Tabellenführung an Kassel. Zweiter ist nun Frankfurt.

Der Freiburger Eishockey-Kinosaal ist mit 3135 Zuschauern gefüllt, und schon mit der ersten Aktion ist klar, wie dieser Blockbuster ablaufen wird: EHC-Sturmtank Scott Allen checkt seinen Gegenspieler krachend in die alte Bande, die nachgebende Plexiglasscheibe lässt erahnen, welche Kräfte in diesem Moment wirken. Es ist der Auftakt für ein Spitzenspiel, das körperbetont, spielerisch anspruchsvoll, dynamisch und vor allem eines ist: schnell. Derart schnell, dass man irgendwann nicht mehr weiß, ob es im ersten Drittel überhaupt das obligatorische Powerbreak gab, sich keine Gelegenheit dafür bot oder ob des hohen Tempos und fesselnden Eishockeys schlichtweg vergessen wurde.

An Torchancen mangelt es nicht, dreimal trifft der EHC den Pfosten, zweimal die Gäste. Es sind die Löwen, die im gesamten Spiel als effizienteres Team auftreten und eine 2:0-Führung vorlegen. Doch hat das Drehbuch erst ein Solo von Marc Wittfoth zum 1:2 (19.) und dann den 2:2-Ausgleich durch Luke Pither (26.) vorgesehen. Auch dank mehrerer Frankfurter Strafen steht die Freiburger Offensive im zweiten Abschnitt im Rampenlicht. Nur vereinzelt wird sichtbar, dass in Patrick Kurz und Marvin Neher zwei angeschlagene EHC-Verteidiger an diesem Wochenende geschont werden.

Die Freiburger scheinen auf bestem Wege, sich die Führung zu erarbeiten, als der doppelte Bruch folgt. Erst das 3:2 für die Gäste durch einen Konter über David Suvanto (30.), eine Minute später das 90-sekündige Powerbreak. Auf einmal fühlt man sich in alte Zeiten versetzt, als im Kinosaal während des Films das Licht anging und ein mehr oder weniger motivierter Mitarbeiter rief: "Will jemand ein Eis?" Dezent schlechtes Timing und ein kurzer Stimmungskiller, ehe die Partie wieder Fahrt aufnimmt.

Allerdings wirken die Frankfurter reifer, vor allem im Abschluss. Nach Adam Mitchells Kontertor zum 4:2 für die Löwen (48.) müht sich der EHC um den Anschluss, doch lässt sich bald das Ende des Films erahnen: ein Sieg der Frankfurter, die Freiburg von der Spitze auf Rang drei stürzen.

Als nach 60 Spielminuten der Blockbuster zu Ende ist, brennt einem indes nur eine Frage unter den Nägeln: Kommt die Fortsetzung? Und wann? Die Antworten: ja – bereits am Sonntag, 18.30 Uhr, in Frankfurt.

Tore: 0:1 Lewandowski (6.), 0:2 Buchwieser (12.), 1:2 Wittfoth (19.), 2:2 Pither (26.), 2:3 Suvanto (31.), 2:4 Mitchell (48.). Strafen: Freiburg 6 - Frankfurt 16. Zuschauer: 3135.