Eishockey

Marvin Neher will mit dem EHC Freiburg in die Playoffs

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

Mi, 09. Oktober 2019 um 18:30 Uhr

EHC Freiburg

Marvin Neher, Verteidiger beim Eishockey-Zweitligisten EHC Freiburg, wähnt die Wölfe auf einem vielversprechenden Weg. Das Erreichen der Playoffs hält er für realistisch.

Nach dem 4:1-Heimsieg gegen die Eispiraten Crimmitschau ließ es sich der Trainer des EHC Freiburg, Peter Russell, nicht nehmen, ein Sonderlob für Verteidiger Marvin Neher auszusprechen. Der 22-jährige Torschütze interpretierte dieses artig als "stellvertretend für die gesamte Mannschaft". Denn die Wölfe sieht er auf einem guten Weg: "Wir können in diesem Jahr Unerwartetes erreichen."

Unter der Woche auf die anerkennenden Worte des Wölfe-Coaches noch einmal angesprochen, antwortete Marvin Neher mit einer gesunden Portion schwäbischem Humor: "Es hat mich schon gefreut und motiviert mich. So ein Lob will ich wieder absahnen."

Warum nicht schon im nächsten Heimspiel am Sonntag? Da tritt der EHC von 18.30 Uhr an der Ensisheimer Straße gegen die Löwen Frankfurt an. Der Gegner ist von größerem Kaliber als die Crimmitschauer Piraten, und Marvin Neher ist überzeugt, dass er und seine Mannschaftskollegen sich nochmals steigern müssen, um den hessischen Kontrahenten in die Knie zu zwingen: "Denn noch sind wir nicht bei hundert Prozent. Aber auf dem Weg dahin. Und gegen Crimmitschau haben wir gezeigt, dass wir in der Lage sind, Spiel und Gegner zu dominieren."

Der gebürtige Ravensburger hat viel Selbstvertrauen getankt seit Saisonbeginn. Von neun Spielen beendete der EHC fünf siegreich, auf dem sechsten Tabellenplatz fühlen sich die Wölfe wohl. Aber ausruhen gilt nicht, auch wenn diese Woche das planmäßige Freitag-Auswärtsspiel beim EV Landshut vertagt wurde. Erst recht nicht für Marvin Neher, der sich nach einer ersten "durchwachsenen" Saison in Freiburg während dieser Spielzeit entscheidend weiterentwickeln will. "Marvin hat einen guten Schuss und verfügt über eine Spielintelligenz, die ihm erlaubt, auf dem Eis rasch richtige Lösungen zu finden", lobt auch EHC-Manager Daniel Heinrizi, um im gleichen Atemzug anzumahnen: "Er muss aber noch mehr Konstanz entwickeln und mental stärker werden."

"Marvin wird seinen Weg gehen, denn er ist für sein Alter schon sehr weit und er besitzt als Verteidiger großes Offensivpotenzial", sagt EHC-Routinier Philip Rießle, der mit Neher bereits in der vergangenen Saison ein Verteidigerpaar gebildet hatte: "Wir ergänzen uns auf dem Eis gut, wir kommunizieren viel, der eine weiß immer besser, was der andere vorhat oder tun wird", erzählt der Wölfe-Kapitän.

Dass Marvin Neher seine Fähigkeiten ausbauen kann, davon ist EHC-Trainer Peter Russell überzeugt. Als der Schotte am Sonntag den Verteidiger aus dem Freiburger Team hervorhob, wollte er andeuten, für wie entwicklungsfähig er seine Mannschaft hält. Dafür stehe repräsentativ eben Marvin Neher, der schon während seiner Juniorenzeit auf dem Notizzettel mehrerer deutscher Eishockey-Clubs aufgelistet war. Nach den Anfängen in Ravensburg war der veranlagte Nachwuchsspieler bald nach Füssen gewechselt: "Dort hatte ich das Privileg, sehr viel Eiszeit zu bekommen", erinnert sich der mit 1,86 Meter groß gewachsene Spieler. Folglich fiel er den Scouts aus Mannheim auf, Marvin Neher kam ins Internat der Jungadler, "der besten Eishockey-Nachwuchsabteilung in Deutschland", wie der Linkshänder die Mannheimer Talentschmiede würdigt.

Internationales Management im Fernstudium

In Mannheim wurde Marvin Neher drei Mal deutscher Juniorenmeister, dort baute er auch das Abitur. Derzeit studiert er im zweiten Semester Internationales Management. Eine Tätigkeit im Sportmanagement will er im späteren Berufsleben keineswegs ausschließen. Doch derzeit hat Eishockey den exklusiven Vorrang, Marvin Neher verfolgt ehrgeizige Ziele: "Irgendwann möchte ich in der DEL spielen."

Bei den Mannheimer Adlern vor mehr als drei Jahren war dies noch nicht möglich, Neher entschied sich damals bei mehreren Angeboten – darunter auch eines von den Freiburger Wölfen – für die Bayreuth Tigers: "Das habe ich nicht bereut, denn dort konnte ich zwei Saisons viel spielen."

Dennoch ließ er sich 2018 vom ehemaligen EHC-Coach Leos Sulak überreden, nach Freiburg zu kommen. Hier erlebte Neher eine erste Spielzeit mit Höhen und Tiefen. Doch seit an der Ensisheimer Straße Heinrizi und Russell das Sagen haben, sei "der Zusammenhalt in der Mannschaft sehr gut und alles professioneller". Deshalb glaubt Neher, dass der Erfolgshunger der Wölfe in dieser Spielzeit letztendlich auch gestillt werden wird: "Das Erreichen der Playoffs ist für uns kein unrealistisches Ziel, wenn wir weiterhin so gut arbeiten und uns noch steigern."