Tönnies-Abgang und die Bürgschaftsfrage

dpa

Von dpa

Mi, 01. Juli 2020

1. Bundesliga

Aufsichtsratschef des FC Schalke 04 tritt nach massiver Kritik zurück / Hilft NRW dem verschuldeten Fußball-Bundesligisten?.

Clemens Tönnies blickt mit blau-weißem Schal um den Hals entschlossen in die Kamera, im Hintergrund sitzen Zuschauer in der Arena. Das Foto, das der schwer angeschlagene FC Schalke 04 am Dienstag zum unfreiwilligen Abschied des mächtigen Aufsichtsratschefs veröffentlichte, kam aus besseren Zeiten – und ging meilenweit an der Realität vorbei. Tönnies’ Rücktritt folgte auf massive Proteste der eigenen Fans und den Corona-Skandal in seinem Fleisch-Unternehmen. Die Nachricht platzte zudem mitten in die Diskussion über eine vermeintliche Landesbürgschaft für den finanziell am Boden liegenden Revierclub.

"Wir haben den FC Schalke 04 mit Herzblut und hohem persönlichen Engagement erfolgreich durch viele Krisen geführt", schrieb Tönnies in einem Rücktrittsschreiben, "aus denen wir immer gestärkt hervorgegangen sind." Das erneut zu schaffen, wird zur Herkules-Aufgabe – für die Schalker, die den bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Jens Buchta zum neuen Aufsichtsratschef wählten, und auch für Tönnies persönlich.

Der Corona-Ausbruch im Tönnies-Fleischwerk in Rheda-Wiedenbrück hatte bundesweit für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Er wolle seinen Beitrag leisten, die deutsche Fleischwirtschaft insgesamt neu aufzustellen, schrieb der Unternehmer, der seit 1994 Mitglied im Kontrollgremium des Clubs war und diesem seit 2001 vorstand. Bei den Schalker Anhängern war Tönnies allerdings auch schon vorher wegen seiner als rassistisch ausgelegten Äußerungen über Afrika im vergangenen Jahr höchst umstritten.

Erst am Samstag hatten parallel zum letzten Saisonspiel beim SC Freiburg (0:4) rund 1000 Fans auf dem Vereinsgelände gegen den mächtigen Schalke-Boss demonstriert. Am Eingang der alten Schalker Glückaufkampfbahn prangte zuletzt ein Banner mit der Aufschrift: "Keine Ausbeuter bei S04 – Tönnies Raus!"

Ein Konzept zur zukunftsorientierten Neuaufstellung des Vereins sei ausgearbeitet und geschrieben, verkündete Tönnies. Dieses ist auch dringend nötig.

Die abgelaufene Saison hatte die Mannschaft nach 16 sieglosen Spielen zum Abschluss nur auf Platz zwölf beendet. Schon vor der Corona-Krise waren die Verbindlichkeiten auf fast 200 Millionen Euro angewachsen. Um den Fortbestand zu sichern, soll der Club nun eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen zur Absicherung von Bankkrediten in Höhe von bis zu 40 Millionen Euro beantragt haben. Bestätigen wollten dies weder NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) noch der Club selbst. "Es gibt keine Entscheidung in irgendeiner Bürgschaftsfrage", beschwichtigte Laschet.