2. Liga

Axel Kahn, der Bruder von Oliver Kahn, will KSC-Präsident werden

dpa

Von dpa

Fr, 24. Juli 2020 um 07:36 Uhr

2. Bundesliga

Falls er gewählt wird, würde Axel Kahn mit seiner weißen Vespa mit KSC-Logo zum Stadion fahren. Der Bruder der Torwartlegende ist einer von fünf Bewerbern für die freigewordene KSC-Präsidentschaft.

Seinen ersten Tag als möglicher neuer Präsident des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC hat sich Axel Kahn schon genau ausgemalt. "Die erste Situation wird sein, dass ich auf meiner weißen Vespa mit dem KSC-Logo zum Wildpark fahre und sie auf dem Präsidentenparkplatz abstelle", sagt der Bruder von Torwart-Legende Oliver Kahn: "Und dann werde ich das Schild abschrauben." Das Statussymbol, der explizite Hinweis auf den Parkplatz des Clubchefs, soll weg. Kahn legt Wert auf Augenhöhe. "Ich möchte ein Präsident sein, der nahbar und zum Anfassen ist", sagt er.

Kahn hatte sich als erster von insgesamt fünf Kandidaten auf die Nachfolge des Mitte Mai zurückgetretenen Ex-KSC-Präsidenten Ingo Wellenreuther beworben. Bei der Wahl am 30. Juli tritt der 54 Jahre alte Buchautor und Inhaber einer Werbeagentur gegen den amtierenden Vize-Präsidenten Holger Siegmund-Schultze, Ex-Sportdirektor Rolf Dohmen, Kai Gruber und Dorotheé Springmann an.

Der Bruder sagte: "Mach’ es"

Als Spieler bestritt er für den KSC unter dessen früherem Erfolgstrainer Winfried Schäfer in der Saison 1986/1987 fünf Zweitliga-Partien. Danach ging’s beim VfB Gaggenau in der Oberliga weiter – und für den jüngeren Bruder mit dem FC Bayern und dem Nationalteam noch Jahre später steil bergauf. Axel habe damals nicht den gleichen Ehrgeiz wie Oliver gehabt, erinnert sich Schäfer: "Ich habe ihn 30 Jahre nicht mehr gesehen. Aber wichtig für den KSC ist, dass Leute zum KSC kommen, die nicht den KSC brauchen. Es müssen Leute kommen, die der KSC braucht, um sich wieder zu erholen."

Anders als früher empfindet Axel Kahn den omnipräsenten Oliver heute nicht mehr als Belastung. Fast täglich stehen die beiden in Kontakt. Der künftige Vorstandsvorsitzende des FC Bayern habe ihn unlängst direkt auf seine Kandidatur angesprochen, habe alles über das "wie, wann und wieso" wissen wollen, sagt der ältere der beiden Kahn-Brüder. Und nachdem er sich seine Beweggründe angehört hatte, habe der dreimalige Welttorhüter zu ihm gesagt: "Mach’ es".

Sollte er gewählt werden, wartet auf Kahn keine einfache Aufgabe. Im Juni vermied der von der Corona-Krise zusätzlich gebeutelte KSC nur durch einen sechs Millionen Euro schweren Aktienkauf einer Unternehmergruppierung eine Planinsolvenz. Die finanzielle Lage des Clubs ist extrem angespannt. Kahn hat nach eigenen Angaben aber mehrere Konzepte in der Tasche. "Ich möchte eine Marke KSC bauen, auf die die Fans und die Leute, die sich KSC’ler nennen, wirklich wieder stolz sein können", sagt er.

Nach Bekanntwerden seiner Kandidatur hatten einige Kritiker ironisch angemerkt, im Falle seiner Wahl habe der KSC einen Präsidenten, der sich mit Insolvenzen auskenne. Kahn ficht das nicht an. "Die Insolvenz mit meinem Unternehmen hatte ich mit Ende zwanzig. Das ist jetzt 24 Jahre her", sagt er. Sicher habe er damals auch Fehler begangen. "Aber ich habe mir meine Reputation und mein Leben selbst wieder zurückerarbeitet", sagt er. Die Zeit in der Insolvenz habe ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. "Sie hat mich auch als Mensch gewandelt", sagt Kahn.