Vier Tore in 14:32 Minuten

dpa

Von dpa

Do, 28. November 2019

Fussball International

Bayern München besiegt Belgrad mit 6:0 und imponiert mit seiner dominanten Spielweise.

BELGRAD (dpa). Robert Lewandowski nippte nach seiner Rekord-Torshow genüsslich an einem Glas Rotwein. Beim nächtlichen Bankett des FC Bayern ließ sich der Supertorjäger gerne für den schnellsten Viererpack der Champions-League-Geschichte feiern. Mit dem Spielball in einer weißen Plastiktüte verpackt verließ Lewandowski den Steh-Empfang im Teamhotel – etwa genauso lange hatte er beim 6:0 gegen Roter Stern Belgrad für seine vier Tore gebraucht.

14:32 Minuten wurden für die kurze Zeitspanne gestoppt, in der Lewandowski seine Königsklassentore 60 bis 63 erzielte, in der Saison steht er bei zehn Treffern in fünf Champions-League-Spielen. Der Eiltempo-Torschütze untermauerte seinen Ruf als aktuell weltbester Mittelstürmer. "Das sieht nach einem Rekordjahr aus", sagte Kapitän Manuel Neuer. "Es ist fantastisch, wie er für uns trifft und Tore vorbereitet. Er hat im Moment einen Lauf, nicht nur der FC Bayern."

27 Tore in 20 Pflichtspielen lautet die Bilanz von Lewandowski, der in der Bundesliga vor vier Jahren gegen Wolfsburg schonmal fünf Tore in 8:59 Minuten erzielte. "Das Wichtigste ist, dass wir Spaß haben", sagte der 31-Jährige. "Wir haben super Spieler und können super Fußball zeigen. Früher hat ein bisschen gefehlt, jetzt läuft es einfach."

Das "früher" ist allerdings nur dreieinhalb Wochen her. Nach der Trennung von Trainer Niko Kovac funktioniert es unter Hansi Flick wieder so gut, als hätte es nie eine Münchner Herbstkrise gegeben. Vier Siege und 16:0-Tore lautet die Erfolgsausbeute von Flick, bei dem Lewandowski und Neuer schon Ähnlichkeiten mit Triple-Trainer Heynckes ausmachen.

Bis Weihnachten gilt die Beförderung des früheren Weltmeister-Assistenten von Joachim Löw. Erst einmal. Mit reichlich Fürsprechern im Team wirbt der 54-Jährige ohne Worte, aber mit Resultaten fortwährend für eine Verlängerung des Engagements. "Es ist eine Serie, die langsam ungeheuerlich wird", staunte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im rötlich beleuchteten Festsaal. Vor allem imponiert die Art und Weise, die Gegner werden wieder bayern-like dominiert. "Das ist etwas Unglaubliches. Neben den Ergebnissen ist die Spielqualität das Wichtigste. Alle, die hier sind, haben Spaß an dem Spiel unserer Mannschaft, und dazu möchte ich dir, lieber Hansi, herzlich gratulieren", lobte Rummenigge. Vor einem Monat hatte der Vorstandschef nach dem 3:2 bei Olympiakos Piräus noch eine alarmierende Rede gehalten, jetzt sieht die rot-weiße Bayern-Welt wieder schöner aus. Der Gruppensieg und damit die Aussicht auf leichtere Achtelfinalgegner steht schon vor dem letzten Spieltag in zwei Wochen gegen Tottenham fest. "Wir haben von A bis Z ein Topspiel gemacht", sagte Führungskraft Thomas Müller.

Flick genoss am Tisch der Club-Vorstände und von Neu-Präsident Herbert Hainer Fingerfood und auch ein Glas Wein. "Wir wollten nichts zulassen und den Gruppensieg perfekt machen, das ist uns eindrucksvoll gelungen", sagte Flick. Das 6:0 war zugleich der höchste Auswärtssieg der Münchner neben dem 7:1 bei AS Rom.

Neuigkeiten für die Zukunft auf der Bayern-Bank, für die der ehemalige Tottenham-Coach Mauricio Pochettino oder Amsterdams Cheftrainer Erik ten Hag als Kandidaten gelten, gab es in der Nacht zum Mittwoch keine. Flick will sich selbst nicht in das Zentrum der Diskussionen stellen, die Bosse verweisen auf die Bis-Weihnachten-Absprache.