Der Abwehrchef fällt lange aus

dpa

Von dpa

Mo, 21. Oktober 2019

1. Bundesliga

Niklas Süle erleidet einen Kreuzbandriss und fehlt nun nicht nur dem FC Bayern München, sondern auch der Fußball-Nationalelf.

MÜNCHEN (dpa). Der Schmerzensschrei von Niklas Süle löste nicht nur bei den Bayern sofort arge Befürchtungen aus – auch für Joachim Löw waren die Bilder und die folgende Diagnose Kreuzbandriss ein Schock. "Das ist eine ganz bittere Nachricht", äußerte der Bundestrainer in einer DFB-Mitteilung. Die Genesungswünsche im Namen "aller" beim Nationalteam verband Löw am Sonntag mit einer klaren Einschätzung der Lage: "Sein Ausfall ist auch für uns schmerzlich und beeinträchtigt die Entwicklung unserer im Umbruch befindlichen jungen Mannschaft."

Der monatelange Ausfall des Abwehrchefs trifft Löw acht Monate vor der EM-Endrunde noch heftiger als den FC Bayern, der auch ohne den 24-jährigen Süle im Abwehrzentrum qualitativ und quantitativ ausreichend bestückt ist. Und die DFB-Auswahl? Da heißen die besten Innenverteidiger nach Löws Radikalumbruch Matthias Ginter, Antonio Rüdiger, Jonathan Tah, Niklas Stark und Robin Koch vom SC Freiburg, den Löw gerade erst zum Nationalspieler beförderte. "Niklas ist ein Gesicht der jungen Spieler-Generation, der wir im Rahmen des Neuaufbaus viel Raum geben, er war ein Fixpunkt in unseren Planungen und hatte sowohl im Club als auch bei uns seine regelmäßigen Einsätze", erklärte Löw.

Niko Kovac hatte seine bösen Vorahnungen direkt nach dem 2:2 in Augsburg artikuliert. Den Bayern-Coach trieb am Samstagabend in Augsburg eher die Sorge um, inwieweit über das Kreuzband hinaus "noch andere Bereiche im Knie in Mitleidenschaft gezogen worden sind". Ein Totalschaden im linken Knie musste im ärztlichen Bulletin des FC Bayern am Sonntag zumindest nicht bestätigt werden. Die Diagnose war aber schlimm genug: Kreuzbandriss und sofortige Operation. Schon in seiner Hoffenheimer Zeit hatte Süle vor fünf Jahren einen Kreuzbandriss im nun wieder betroffenen Knie erlitten. Damals dauerte es 203 Tage bis zum Comeback.

Die neue Ruptur versetzt Löw in eine Notlage. Sie dürfte ihn zwingen, ein DFB-Comeback des im März ausgemusterten 2014-Weltmeisters Mats Hummels zumindest zu erwägen. Einer neuen öffentlichen Debatte um den 30 Jahre alten Abwehrchef von Borussia Dortmund wird sich Löw auf jeden Fall stellen müssen. Hummels wäre sicherlich bereit zur Rückkehr. "Wenn ich irgendwann noch einmal das Trikot für Deutschland anziehen darf, würde ich mich nicht dagegen wehren", sagte er jüngst und fügte hinzu: "Bisher habe ich in meinem Leben immer abgehoben, wenn Jogi Löw angerufen hat."

Unabhängig von Hummels: In Löws EM-Puzzle klafft ohne Süle die nächste große Lücke. Schließlich fällt in Leroy Sané bereits ein zweiter Topspieler wegen eines Kreuzbandrisses seit Saisonbeginn aus. Der 23 Jahre alte Außenstürmer von Manchester City wird womöglich erst im Frühjahr zurückkehren, wenige Monate vor der EM 2020. Ob Sané bis zum Turnierstart Mitte Juni in Topform kommt, ist ungewiss. Für Süle wird der Wettlauf mit der Zeit noch kniffliger. "Ich bin sicher, dass er sich wieder herankämpfen wird", sagte Löw: "Aber jetzt werden wir überhaupt keinen Druck aufbauen."