Auswärts noch zu schwach

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 12. Mai 2019

Handball Allgemein

Der Sonntag Bei den Handballern der SG Köndringen/Teningen wird an der neuen Saison gebastelt.

Die Handballer des Oberligisten SG Köndringen/Teningen haben nach dem Abstieg und einem absoluten Fehlstart doch noch eine ordentliche Runde gespielt. Eine Woche nach dem letzten Saisonspiel stehen in der Ludwig-Jahn-Halle die Zeichen bereits auf Zukunft. Ein Rückblick mit Ausblick.

Es war der Moment der Saison. Mit dem Rücken zur Wand, im freien Fall. Die Bildgewalt, die die Wurfkünstler der SG Köndringen/Teningen ob ihrer schwierigen Situation im Spätherbst heraufbeschworen, war nachvollziehbar. Nach über einem Jahrzehnt am Stück in der dritten Liga hatte die Spielgemeinschaft wenige Monate zuvor als Absteiger den schmerzhaften Weg in die Oberliga antreten müssen. In der tieferen Spielklasse, so viel stand fest, sollte ein Neustart gelingen.

Mit dem klaren Ziel Wiederaufstieg fing der Umbruch gut an. "Die Vorbereitung lief ja sehr gut", erinnert sich der sportliche Leiter Reinhold Kopfmann, gut sechs Monate nach dem entscheidenden Moment der Spielzeit. Denn der Saisonstart missglückte komplett. Nach fünf Spielen stand der ambitionierte Absteiger mit vier Niederlagen da. "Da hatten wir schon auch Angst, durchgereicht zu werden", gesteht Kopfmann. Das Schreckgespenst vom Abstieg nach dem Abstieg spukte in der Ludwig-Jahn-Halle.

Dass es am Ende anders gekommen ist, hat auch mit der Reflexionsfähigkeit der SG-Handballer zu tun. "In dieser Situation", findet Kopfmann, "hat sich das Team sehr erwachsen verhalten und sich selbst an den Haaren aus dem eigenen Schlamassel gezogen." Was er meint: Am Krisenhöhepunkt setzte sich das Team zusammen, besprach die Situation und versprach Besserung. "Danach ist es eine relativ gute Saison geworden", betont Kapitän und Kreisläufer Axel Simak.

Am letzten Arbeitstag dieser Woche genießt der Azubi zum Industriekaufmann die spielfreie Zeit. Für Trainer Ole Andersen verkörpert der Kreisläufer die Tugenden seines Teams: "Vor drei Jahren hat er in der gesamten Drittliga-Saison nur zwölf Minuten gespielt", erinnert sich der ehemalige dänische Nationaltrainer. "Jetzt gehört er zu den besten Kreisläufern der Oberliga." Und nicht weil der bullige Athlet mit einer außergewöhnlichen Veranlagung gesegnet ist. "Sondern weil er unglaublich fleißig arbeitet", wie der Trainer findet. Simak selbst sagt: "Klar ist, ich bin nicht so weit gekommen, weil ich besonders viel Talent hatte."

Im Herbst also fassten sich Simak und seine Kollegen ein Herz. Der Zug im Training war wieder da. Neu zum Team stieß zudem Co-Trainer Aurelijus Steponavicius, dessen Engagement in Kenzingen kurz zuvor sein Ende gefunden hatte. "Dass er in dieser Situation zu uns gekommen ist, rechnen wir ihm hoch an", sagt der sportliche Leiter. Steponavicius kommt im Team gut an, ist Verbindungsglied zwischen Staff und Spielern und sorgt für die nötige Lockerheit.

"Wir mussten von einem Verlierer- zu einem Gewinnerteam werden", gibt Andersen einen weiteren Grund für den misslungenen Saisonstart an. "So etwas braucht Zeit." Als sich die Mechanismen und Rädchen dann aber eingespielt hatten, lief der Handball. Im Angriffsspiel wirbelte das Team um das große Aufbautalent Alexander Velz sowie Neuzugang und Goalgetter Jan-Philipp Valda. In der Verteidigung glänzte das Team um seinen polnischen Torwartfelsen Sebastian Kicki und den vorgezogenen Abwehrblock Lukas Zank. "Wir haben eine ganz gute Mischung gefunden", sagt Andersen.

Alexander Velz geht

Die Mixtur war derart erfolgreich, dass die SG sich zur Winterpause ernsthaft mit dem Thema Aufstieg beschäftigen musste. Zu Hause verloren die Handballer keine Partie mehr. Am Ende war es die Auswärtsschwäche, die den Traum von der Rückkehr in die dritte Liga platzen ließ. Der vierte Rang kann sich dennoch sehen lassen.

Nun befassen sich die SG-Verantwortlichen intensiv mit der kommenden Spielzeit. Die wichtigste Nachricht stand früh fest: Andersen wird in seine neunte Saison gehen. "Der Kader wird etwas schlanker, vom Niveau her aber sind wir ähnlich stark ", findet der Coach. Aufbauspieler Velz wird das Team in Richtung Schweiz (TV Möhlin) verlassen. Auf der wichtigen Position kann Kopfmann noch keinen Ersatz vermelden. Außerdem werden Johannes Silberer (Schuttern), Eimantas Mukucionis (Kenzingen) und Patrick Schuhmacher (HU Freiburg) das Team verlassen. Einziger Neuzugang bis dato ist Dominik Merz aus Pforzheim. Fest steht aber, dass Jan-Lennart Beering, der vergangene Saison verletzt ausfiel, wieder durchstarten soll. Ebenso wie der zweite Linkshänder im Team, Maurice Bührer. "Dann sind wir auch auf dieser Seite wieder gefährlicher", prognostiziert Andersen.

Vorerst aber genießen die Handballer einen freien Monat, in dem sie lediglich individuell an ihrer Fitness feilen müssen. Ab Juni beginnt ein intensives Athletiktraining, bevor Andersen mit seinen Männern ab Mitte Juli wieder ins Balltraining einsteigt. Damit sind die Handballer der SG Köndringen/Teningen früh dran. Verständlich. Schließlich wollen sie kommendes Jahr wieder oben mitspielen. Einen Fehlstart wie vergangene Saison wollen sie sich nicht noch einmal erlauben.