Erst am Ende noch deutlich

Jochen Dippel

Von Jochen Dippel

Mo, 02. Dezember 2019

Handball 2. Bundesliga

Handball-Zweitligist HSG Freiburg unterliegt Favorit Halle 23:33.

FREIBURG. Auch ein entspannter Gang über den Freiburger Weihnachtsmarkt taugt offenbar nicht unbedingt dafür, um Geist und Glieder für sportliche Großtaten zu lockern. Die Zweitliga-Handballerinnen des SV Union Halle-Neustadt erlangten bei der HSG Freiburg jedenfalls mit erheblicher Verzögerung die nötige Betriebstemperatur. Erst am Ende lief der Motor des ungeschlagenen Tabellenführers, ähnlich einem Dieselfahrzeug im Winterbetrieb, auf vollen Touren, sodass noch ein klarer 33:23 (13:11)-Sieg beim Neuling heraussprang. Standesgemäß.

Es war der zehnte Sieg im zehnten Spiel der Gäste aus Sachsen-Anhalt. Trainerin Tanja Logvin war jedoch wenig begeistert von der langen Anlaufzeit ihrer Mannschaft: "Es war ein ganz schwaches Spiel von uns", sagte die frühere zweimalige Champions-League-Siegerin. Indes hätten die Red Sparrows es ihrem Team "in der ersten Halbzeit sehr schwer gemacht", unterstützt von "einem großartigen Publikum" in der mit 320 Fans erneut prall gefüllten Gerhard-Graf-Halle. Auch die "lange Fahrt" und der "fehlende Rhythmus" nach zwei Wochen ohne Spiel hätten dazu beigetragen.

Dabei waren die Wildcats, die vehement auf den direkten Wiederaufstieg in die nationale Eliteliga drängen, eigens einen Tag früher angereist, verzichteten dann aber auf das geplante morgendliche Training in der Halle, das ihnen die HSG mit großzügiger Geste eingeräumt hatte. Der zeitliche Abstand zum Abendspiel schien ihnen etwas lang, erklärte Saskia Lang, mit sieben Treffern beste Schützin. Die in Grenzach aufgewachsene 77-malige Nationalspielerin war wesentlich verantwortlich für den Aufschwung. Nach der Pause nahm die 33-Jährige das Heft in die Hand, lenkte mit klugen Pässen das Spiel ihres Teams und war mit knallharten Würfen stets selbst gefährlich. "Es hat Spaß gemacht, wieder in der Heimat zu spielen, zumal vor meiner Familie und vielen Freunden", freute sich Lang.

Äußerst zwiespältige Gefühle beschlichen hingegen den Freiburger Übungsleiter. Ralf Wiggenhauser schwankte zwischen Freude und Frust. Freude darüber, dass sein personell arg gebeuteltes Team dem spielerisch und physisch überlegenen Topfavoriten lange Zeit Paroli geboten hatte. Zumal neben den Verletzten Nadine Czok und Angelika Makelko auch Stammtorfrau Lena Fischer erkrankt ausgefallen war. "Richtig verärgert" war Wiggenhauser aber über 16 technische Fehler seines Teams in Hälfte zwei nach zuvor nur fünf, zumal weitgehend ohne Not.

Gleiches galt für zwei ungeschickte Zweikämpfe binnen 30 Sekunden bei 6:4-Überzahl, als erst Leonie Hartl und dann Kathrin Schilling ihre Gegenspielerinnen von hinten umklammerten und im Ringerstil zu Boden rissen. Statt den 16:20-Rückstand zu verkürzen, zog Halle auf sechs Tore davon. Am Ende wurden die roten Spatzen, bei denen Rebecca Dürr, Christiane Baum, Alica Burgert und die bei Strafwürfen nervenstarke Simone Falk überzeugten, durch fixe Konter deutlich unter Wert geschlagen. "Die Freude über den Mut und die gute Leistung überwiegen aber", befand Wiggenhauser.

Tore HSG: Falk 6/6, Burgert 5, Baum 4, Lipps 3/1, Schilling 1, Schwaiger 1, Peter 1, Dürr1, Spinner 1. Spielfilm: 1:0, 1:2, 3:2 (5.), 4:4 (8.), 8:5 (18.), 9:6, 9:9 (25.), 11:11 (28.), 11:13 – 11:16 (35.), 14:18, 16:20 (43.), 16:22 (45.), 21:26 (52.), 21:30 (57.), 23:33.