Handball

Ungläubige Freude: Der TuS Schutterwald ist Meister

Wolfgang Künstle

Von Wolfgang Künstle

Mo, 06. Mai 2019 um 09:30 Uhr

Südbadenliga

Dramatik im Endspurt der Südbadenliga: Der TuS Schutterwald sichert sich überraschend den Meistertitel, weil der HGW Hofweier patzt.

TuS Altenheim – TuS Schutterwald 25:40 (9:18). Fassungslose Freude herrschte bei den Schutterwäldern, als sie von der Niederlage des HGW Hofweier in Steinbach erfuhren, welche ihnen die Meisterschaft bescherte. Das Liga-Finale bot nochmal besondere Dramatik mit einem unerwarteten Ende.

21.28 Uhr, Herbert-Adam-Halle Altenheim. Hallensprecher Thomas Heuken verkündet das Ergebnis aus Steinbach. In den Reihen des TuS Schutterwald bricht der Jubel los. Tatsächlich haben die Roten Teufel den HGW am letzten Spieltag noch abgefangen und sich Meisterschaft und Aufstieg gesichert. In die grenzenlose Freude mischen sich anfangs Zweifel an der Richtigkeit der Nachricht aus Baden-Baden. "Unglaublich", sagte einer. "Ich kann es noch gar nicht glauben" ein anderer.

Auf dem Papier und dem Platz stand der TuS Altenheim als Gegner der Schutterwälder. Doch das Team von Trainer Timo Heuberger personell erneut stark dezimiert und in dieser Verfassung nicht konkurrenzfähig. So elektrisierte das Fernduell des TuS Schutterwald mit dem bisherigen Tabellenführer, der bei der SG Kappelwindeck/Steinbach antrat, die Besucher, die per Handy gespannt den Liveticker aus Baden-Baden im Internet verfolgten.

Tim Heuberger stand fassungslos inmitten seiner jubelnden Clubkameraden. "Wir können gar nicht feiern, wir haben überhaupt nichts dabei", sagt der Rückraumschütze der Schutterwälder. Sein Blick wirkt freudig, ratlos und fragend zugleich, angekommen, das sieht man, ist die frohe Botschaft noch nicht. "Ich kann es noch gar nicht glauben." Neun Jahre lang, so Heuberger, spiele er nun in der Männermannschaft des TuS Schutterwald. "Die schlechteste Platzierung seither war Platz vier, zuletzt ja dreimal Platz zwei. Erst heute habe ich noch zu meinen Kollegen gesagt, ich hab keinen Bock mehr auf die Südbadenliga. Dass wir es jetzt wirklich geschafft haben... unglaublich."

Auch Regisseur Christoph Baumann rang um Fassung: "Ich bin sprachlos. Dadurch, dass der Hallensprecher den Zwischenstand immer wieder durchgegeben hat, dachte ich, okay, vielleicht geht ja doch was. Aber irgendwie haben wir wohl alle damit gerechnet, dass Hofweier noch am Ende mit einem Tor gewinnt. Jetzt ist es umso schöner – was gibt es Geileres als am letzten Spieltag Meister zu werden?"

Die Partie gegen den TuS Altenheim war schnell vergessen, zumal jene zwar Platz drei verloren, ansonsten jedoch nicht schwer an der Niederlage trugen. So schienen sie Spaß an den Meisterfeierlichkeiten zu haben, gratulierten herzlich und genehmigten sich ebenfalls das eine oder andere Meisterbierchen. Über 0:4, 4:9 und 7:15 sorgten die Gäste schnell für klare Verhältnisse. Die Altenheimer waren schlichtweg überfordert und luden den Gegner mit etlichen Fehlern zum Torewerfen ein. Diese standen oft genug erschreckend frei vor den Torhütern Philipp Grangé und Sascha Rauer, die etliche Schutterwälder Chancen vereitelten. So sorgte lediglich der abwesende HGW für Spannung. Siehe oben.

Am Ende feiert der TuS Schutterwald eine Meisterschaft, die nach drei Vizemeisterschaften überfällig war, mit der jedoch niemand mehr gerechnet hat – die Schutterwälder selbst am Wenigsten. Doch sie ist folgerichtig. Beide Derbys gegen den HGW hat der TuS sicher gewonnen und nicht zuletzt hiermit gezeigt, dass er den erfolgreichsten Handball in der Südbadenliga zu spielen versteht. Die einst junge Mannschaft, bestückt mit Eigengewächsen, ist gereift. Zum Saisonende zeigten sich die Roten Teufel in bestechender Form, gewannen die letzten neun Begegnungen und präsentierten sich dabei auf dem Niveau, auf das der ehrgeizige Trainer Nico Baumann die ganze Saison über hingearbeitet hat.

TuS Altenheim: Grangé, Rauer; Reuter 1/1, Sutter 6/1, Teufel 3, Heini, Bachmann 2, Rudolf 2, Farrenkopf 2, Schilling, Beiser 1, Kugler 4/1, Sester 3/1, Gavancz 1. TuS Schutterwald: Herrmann, F. Heuberger; Wöhrle 6, T. Heuberger 1, Bachmann 3, Hug 1/1, Huck 1, Erlenwein 1/1, Möschle 4, Harter 6, Zipf 7, C. Baumann 5/1, Seigel 3, Heintz 2. Spiel-Film: 0:4, 1:5 (10.) 4:7, 6:10, 6:13 (20.), 7:16, 9:18 – 10:22, 13:24 (40.), 14: 28, 16:30, 19:35 (52.), 22:37, 25:40. Zuschauer: 600.