Deutsche Meisterschaft in Offenburg

Frauen beim Unterwasser-Rugby: "Die Herren dürfen uns nicht schonen"

Cornelia Weizenecker

Von Cornelia Weizenecker

Di, 21. Mai 2019 um 10:29 Uhr

Offenburg

Treten, schlagen oder boxen? Alles nicht erlaubt. Sonst geht es aber doch recht rau zu beim Unterwasser-Rugby. Ein Besuch bei der Deutschen Meisterschaft im Offenburger Freizeitbad.

Unterwasser-Rugby ist kein Sport wie jeder andere. Und wenn dann noch die Deutschen Meisterschaften in Offenburg ausgetragen werden, stellt sich selbst der Oberbürgermeister am Samstagmorgen den Wecker und eröffnet kurz nach 8 Uhr die Sportveranstaltung. "Die Stadt Offenburg hat eine Jahrzehnte währende Unterwasser-Rugby-Tradition, zeitweise auf Bundesliga-Niveau", betont Marco Steffens und ist auf das erste Spiel neugierig.

"Die Stadt Offenburg hat eine Jahrzehnte währende Unterwasser-Rugby-Tradition." Marco Steffens
Offenburgs neuer OB hat diese Sportart noch nie selbst erlebt. Eine Offenburger Mannschaft nimmt allerdings nicht an den Meisterschaften teil. Nur die acht besten Teams der 1. Bundesliga dürfen dabei sein. Es ist Punkt 8 Uhr – die Mannschaften aus Rheine, Malsch, Bamberg, Krefeld, Göttingen, Darmstadt, Bielefeld und Duisburg, sowie zwölf Schiedsrichter ziehen ins Hallenbad ein. Aus den Lautsprechern ertönt die Nationalhymne. Spieler und Ehrenamtliche haben sich um den Beckenrand formiert und singen mit. Ein emotionaler Moment. Dass Offenburg bei der Planung des neuen Bades zunächst nicht an Unterwasser-Rugby gedacht hat, verrät Steffens zur Begrüßung. Doch gerade noch rechtzeitig habe man ein Becken mit den entsprechenden Maßen bei der Planung und Umsetzung berücksichtigt. Sogar eine Unterwasser-Rugby Spielabgrenzung auf den Boden des Beckens wurde eingebracht. "Ich habe mir sagen lassen, das sei einzigartig in Deutschland", so der OB.

40 Männer und Frauen spielen Unterwasser-Rugby

Am Beckenrand steht auch Georg. Der Spieler aus Rheine hat die Bademütze mit den typischen Polstern, die seine Trommelfelle schützen sollen, bereits über den Kopf gezogen. Sexy geht anders. Aber Sicherheit geht vor. "Treten, schlagen oder boxen sind nicht erlaubt", erklärt Rüdiger Hüls vom Verband. Der Fachbereichsleiter Leistungssport im Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) betont, dass ansonsten alles erlaubt sei. Georg ist inzwischen 46 Jahre alt und spielt noch immer auf diesem Niveau mit. "Der Altersdurchschnitt in den Mannschaften ist relativ hoch", sagt er. Eigentlich wollte er damals nur den Tauchschein machen, dabei sei er zufällig beim Unterwasser-Rugby gelandet. So lange man ihn braucht, macht er gern weiter. In ganz Deutschland soll es gerade mal 1500 aktive Unterwasser-Rugby Spieler geben.

Warum sich der Offenburger Tauch-Club für die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft beworben hat? "Wir wollen so auf die Sportart aufmerksam machen", betont der Vorstand des Offenburger Tauch-Clubs. 180 Mitglieder hat der Verein, 40 davon spielen Unterwasser-Rugby, 12 bis 18 davon regelmäßig. An Schulen wurden Handzettel zum Event verteilt. Über eine riesige Leinwand können die 2 mal 15 Minuten dauernden Begegnungen verfolgt werden. Georg trägt zwischenzeitlich auch seine Schwimmflossen an den Füßen.

Die Frauen in den Teams werden nicht geschont

Den Schnorchel hat er zusätzlich mit einem Einmachgummi an der Taucherbrille befestigt. Gleich geht es los. Schiedsrichter mit Tauchflaschen steigen ins Wasser. Der erste Eindruck? Von oben sieht das aus wie ein wildes Rudel aus Seehunden auf Tauchgang. Es spritzt und sprudelt, Flossen wedeln. Vom Beckenrand aus erkennt man so gut wie nichts vom Spiel. Deshalb sind die drei Schiedsrichter mit Sauerstofffasche und elektronischer Hupe im Wasser. Die Zuschauer werden per Unterwasserkameras informiert. Die Tore, Metallpapierkörbe, stehen in fünf Metern Tiefe auf dem Beckenboden. Da muss der Ball rein! Der ist aus Gummi, etwa so groß wie ein Handball und mit Kochsalzlösung gefüllt. Dadurch ist er schwerer als Süßwasser und sinkt zu Boden. Auf Kommando stürzen sich die beiden Mannschaften von den gegenüberliegenden Beckenrändern auf den Ball und in die Tiefe. Die dreidimensionale Sportart scheint sehr anstrengend. Die Spieler wechseln fliegend. In den Herren-Mannschaften dürfen auch Frauen mitspielen. Vroni und Carina spielen bei den Duisburgern mit. "Die Herren dürfen uns nicht schonen", schmunzelt Vroni.

"Es ist ihre dritte Deutsche Meisterschaft", lächelt Denis mit Blick auf das gemeinsame vierjährige Töchterchen. Der Spieler bei Duisburg ist seit fünf Jahren mit Vroni verheiratet. Kennengelernt haben sich die beiden 2008 bei einer Deutschen Unterwasser-Rugby-Meisterschaft in Funkstadt. Man gewinnt den Eindruck die Spieler sind – bei allem sportlichen Ehrgeiz – eine große Familie. Und welche Mannschaft wird siegen? Georg aus Rheine liebäugelt mit Platz drei. "Seit Jahren belegt der TC Bamberg vor dem TSV Malsch nämlich stets die beiden vorderen Plätze", sagt Georg. Doch in diesem Jahr soll sich etwas ändern. Die Malscher holen sich nach zwölf Jahren endlich den Titel und besiegen den ewigen Ersten. Bamberg wird Zweiter, Krefeld Dritter.