Keine Vorfahrt für Vettel

dpa

Von dpa

Do, 13. Februar 2020

Motorsport

Der viermalige Weltmeister aus Deutschland startet ohne Nummer-eins-Status / Rennen in China wegen Coronavirus verschoben.

REGGIO EMILIA (dpa). Sebastian Vettels Vertrag bei Ferrari läuft Ende dieses Jahres aus. Die Scuderia sieht ihn 2021 zwar als erste Präferenz für das Cockpit neben Charles Leclerc. Die teaminterne Vorfahrt ist Vettel aber erst einmal los. Derweil wurde am Mittwoch der Große Preis von China wegen des Coronavirus’ verschoben. Eine Rennabsage in der Formel 1 gab es zuletzt im Jahr 2011.

Ferrari-Pilot Sebastian Vettel startet ohne Nummer-eins-Status in die neue Formel-1-Saison. In der Diskussion um seine Zukunft bei den Italienern hat der viermalige Weltmeister aber Rückhalt von Teamchef Mattia Binotto erhalten. "Sebastian ist im Moment unsere erste Wahl", sagte der Ferrari-Boss englischen Medien zufolge nach der Vorstellung des neuen Rennwagens SF 1000 am Dienstagabend in Reggio Emilia. "Wir diskutieren das mit ihm und werden die Diskussionen auch fortsetzen. Er ist sicher unsere erste Option, unsere erste Präferenz." Der 32-jährige Vettel bestreitet 2020 bereits seine sechste Saison mit Ferrari. Mit den Italienern hat er aber noch keine Weltmeisterschaft gewinnen können. Während Vettels Vertrag Ende dieses Jahres ausläuft, unterschrieb sein monegassischer Stallrivale Charles Leclerc (22) im Dezember 2019 einen langfristigen Kontrakt bis zum Ende der Saison 2024. Vettel zeigte sich angesichts der anhaltenden Debatten um seine Rolle bei der Scuderia gelassen. "Ich mache mir in dieser Hinsicht keine Sorgen. Ich muss mich nicht verstecken", sagte er dem TV-Sender RTL in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. In der Vorsaison sei es für ihn oft nicht rund gelaufen. Eine veränderte Lage im Zweikampf mit Leclerc sieht Vettel aber nicht. "Wir haben beide das gleiche Auto und die gleichen Voraussetzungen. Der Rest wird sich auf der Strecke klären", sagte Vettel.

Zu Beginn der vergangenen Saison hatte noch Vettel den Status als Nummer eins zugesprochen bekommen. Der damalige Ferrari-Neuling Leclerc ließ den viermaligen Weltmeister dann aber mehrere Male hinter sich und landete auch in der WM-Wertung als Vierter direkt vor dem Deutschen. In Brasilien 2019 krachten beide Piloten aber erstmals sogar auf dem Asphalt ineinander.

Bei seinem geplanten Angriff auf Mercedes 2020 bekommt Vettel nun erstmal keine Vorfahrt mehr von Ferrari vor Leclerc. "Charles hat ein Jahr Erfahrung mit uns hinter sich. Sie werden auf demselben Level sein, sie können beide darum kämpfen, vorne zu sein", sagte Binotto. Beide Piloten sollen demnach erstmal frei fahren dürfen.

Zuletzt waren auch Spekulationen aufgekommen, dass Titelverteidiger Lewis Hamilton (35) künftig das zweite Cockpit neben Leclerc bekommen könnte. "Wir ziehen das momentan nicht in Erwägung. Wir sind nur auf unsere Fahrer fokussiert", sagte Binotto über Hamilton als mögliche Alternative zu Vettel. Auch der Vertrag des englischen Mercedes-Piloten läuft Ende dieses Jahres aus. Von 2021 gilt ein neues Formel-1-Reglement.

Am Mittwoch gab der Weltverband FIA bekannt, dass der eigentlich für den 19. April geplante Große Preis von China wegen des Coronavirus verschoben wird. Der Grand Prix in Schanghai soll nun zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr nachgeholt werden, "wenn die Situation sich verbessert". Der Veranstalter des Rennens habe nach längeren Gesprächen mit der FIA, dem chinesischen Motorsportverband und der Sportbehörde von Schanghai um die Verlegung gebeten, hieß es in der Mitteilung. Die Formel-1-Saison startet am 15. März im australischen Melbourne, eine Woche später geht es in der Wüste von Sakhir in Bahrain weiter. Am 5. April soll erstmals in Vietnam auf einem Stadtkurs in Hanoi gefahren werden. Zuvor hatte die vollelektrische Rennserie Formel E schon ihr Gastspiel im chinesischen Sanya abgesagt, das für den 21. März geplant war.

Eine Rennabsage in der Formel 1 gab es zuletzt 2011. Damals wurde der Große Preis von Bahrain wegen politischer Unruhen in dem Land nicht ausgetragen.