Mit vielseitiger Begabung

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Di, 21. Mai 2019

Tennis

Der TC Wehr stellt einen interessanten Kader und hat reelle Chancen, die Badenliga 30 zu halten.

TENNIS. Die Aufsteigerinnen des TC Wehr sind mit zwei Niederlagen in die Badenliga 30 gestartet. Aus dem Kader sticht die jüngste Spielerin hervor: In der 30-jährigen Nathalie Vogel steht eine dreifache Racketlon-Weltmeisterin in den Reihen des Tennisclubs.

Sorgen zu Wochenbeginn: Ein wenig Kummer bereitet Sabine Fritsch der dünne Kader schon. Am Montagmorgen kann die Kapitänin des TC Wehr ein erstes Resümee wagen: Zwei Spiele haben die Aufsteigerinnen in der Badenliga absolviert, zweimal ging es gegen Teams aus Pforzheim, und zweimal hieß das Ergebnis 4:5. Die erste Niederlage gegen die PSG Pforzheim war eingerechnet: "Da haben wir uns sehr gut geschlagen", findet die 43-jährige Coaching-Beraterin einer Bank. Am Sonntag aber gegen Mitaufsteiger TC Wolfsberg Pforzheim, da hatten sie sich mehr ausgerechnet. Zumal die Gäste lediglich zu fünft angereist waren und die Gastgeberinnen somit von vornherein ein Spiel im Vorteil waren. "Das haben wir aber nicht durchgekriegt", gesteht Fritsch. Allerdings sind die Mannschaftssiege seit dieser Saison, nachdem das Schweizer Modell eingeführt wurde und die Einzel-Matches für die Tabelle zählen, ein zu vernachlässigender statistischer Wert: So ist der TC Wehr sogar vor der TSG Karlsruhe platziert, obwohl die schon einen Teamerfolg verbucht hat. Mit acht Match-Erfolgen für Wehr steht eine ordentliche Bilanz zu Buche.

Dennoch fällt das Fazit bisher gemischt aus. Die Ergebnisse sind Rechtshänderin Fritsch gar nicht mal so wichtig: Schwerer wiegt in ihrem Rückblick die Aussicht auf eine Saison mit gerade mal sechs Spielerinnen. "Personell treten wir ja unverändert an", sagt sie. Durch die Knieverletzung von Gabriele Zeoli ist der Kader auf Kante genäht. "Jetzt darf keine mehr ausfallen", weiß die Mannschaftsführerin. Zumal die Tennisfrauen mit einem Kader angetreten sind, der bis auf Nathalie Vogel – Tochter der schmerzlich vermissten Gabriele Zeoli – bereits bei den Frauen 40 antreten dürfte.

Womit zwei der zentralen Stützen der Mannschaft bereits vorgestellt sind. Zeoli, die als 58-Jährige letzte Saison kein Spiel verlor, und Vogel haben das Team im Aufstiegsjahr entscheidend getragen. Die Tochter nun auch in der Badenliga. "Wobei das nur eingeschränkt geht", wie sie verrät. Vogel hat zwei kleine Kinder, ist als Grundschullehrerin in der Schweiz voll eingespannt, trainieren kann sie derzeit nicht. Ihrem Können hat das aber bisher wenig geschadet. Am Sonntag gab sie im Einzel gerade zwei Spiele ab, ist weiter ohne Satzverlust. Familie Zeoli prägt das Badenliga-30-Team des TCW: Bruder Joshua Zeoli hat als Trainer das Sagen. "Sie sind sehr wichtig für uns", sagt Fritsch.

Nathalie Vogel indes hat trotz ihrer 30 Lenze bereits eine bewegte Sportvergangenheit. Sie ist dreifache Weltmeisterin im Racketlon: Der Sportart, die Anfang der 2000er kurzzeitig durch die Decke zu gehen schien, als überall Turnierserien aus dem Boden sprießten. Der Turniersport aus Tischtennis, Badminton, Tennis und Squash fand überall Anhänger. Gespielt wird in vier Sätzen, je ein Satz pro Sportart – im Running-Score-System, bei dem jeder Punkt zählt. "Die Herausforderung ist es, den Untergrund, Schläger und die Taktiken immer wieder an die neue Sportart anzupassen", beschreibt Vogel. 2011 holte sie mit der deutschen Nationalmannschaft den WM-Titel, 2012 und 2013 im Einzel. Drei Jahre lang führte sie die Weltrangliste an: im Einzel, Doppel und im Mixed.

Woher das breite Talent? "Unsere Eltern haben uns immer mitgenommen", erzählt Vogel. "Unser Steckenpferd war immer Sport", ergänzt die Mutter, die ihren Mann einst beim Tischtennis kennenlernte. Und später mit ihm zum Tennis, Squash und Badminton wechselte. Vogels breite Ausbildung war ein Familienprojekt. Wobei sie sich lange auf Tennis konzentrierte. In Tiengen spielte sie Oberliga. Nach drei langwierigen Rückenverletzungen aber ging der Spaß verloren. "Dann habe ich von Racketlon gehört." Im Internet suchte sie sich in der Schweiz eine Trainingsmöglichkeit. Auf Anhieb schlug sie im Training die Nummer eins der Schweizer Rangliste – die damals siebtbeste Spielerin der Welt. Die Lust war geweckt. Und die Familie, Feuer und Flamme. "Die sind immer zu allen Turnieren mitgereist", sagt Vogel.

Auch Bruder Markus schaffte den Sprung in die Top Zehn. Bruder Joshua konzentrierte sich auf Tennis und spielte mit Stipendium in den USA. In Europa tourte die Familie gleichzeitig zu Turnieren über den ganzen Kontinent. Unter der Woche riss die Tochter zwei Einheiten pro Tag, nahm Privatunterricht und stieg zur weltbesten Spielerin auf. Sponsoren halfen bei der Finanzierung der Ausrüstung und der Reisen. "Reich wird man nicht", sagt Vogel.

Turniere spielt sie keine mehr. Ihr breites Talent aber setzt sie immer noch ein. Wenn auch sporadischer als früher: Tischtennis spielt sie immer wieder mal bei Novartis Stein in der Schweiz. Mit ihrem Mann Jan ist sie jüngst in die Badminton-Badenliga mit dem TV Bad Säckingen II aufgestiegen – die Brüder schlagen mit der ersten Mannschaft in der Baden-Württemberg-Liga auf. Und in Frick war Vogel im Squash jahrelang in der Schweizer Nationalliga A aktiv. Und trotzdem findet sie immer wieder Zeit, um dem TC Wehr in der Badenliga 30 zu helfen. Was Kapitänin Fritsch freut. "Mit ihrer Power ist sie eine große Unterstützung." Was im derzeit dünnen Kader des Aufsteigers umso wertvoller erscheint.