Unter Druck geraten

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Mo, 21. Oktober 2019

Schießen

Weiler Luftpistolenschützen verlieren gegen Fürth und somit Boden im Kampf um die Bundesliga-Endrunde / Tabellenführer Waldkirch für den ESV eine Nummer zu groß.

WEIL. Die Hoffnungen des ESV Weil, in die Bundesliga-Endrunde einzuziehen, haben einen Dämpfer erhalten: Die Weiler Luftpistolenschützen verloren zuhause gegen die SSG Dynamit Fürth und den favorisierten SV Waldkirch.

Nein, der Geräuschpegel ließ am Samstag weniger auf Leistungssport in einer von Konzentration geprägten Disziplin schließen. Mitunter eher auf ein kleines Dorffest. Da waren die Fürther Anhänger, die mit ihren Ratschen die Ötlinger Mehrzweckhalle füllten, sobald ein SSG-Schütze eine Zehn schoss. Da war der Applaus, der die Weiler begleitete. Dazu Fachsimpeln, Ansagen der Kommentatorin, lebhafte Diskussionen, Trubel rund ums gastronomische Angebot. Kurzum: ein steter, hoher Geräuschpegel.

In den letzten Minuten aber, da hätte man die berühmte Nadel fallen hören können. Die Anspannung war spür- und nun auch hörbar. Lag Weil gegen Fürth nach drei Serien rechnerisch auf 4:1-Siegkurs, stand das Duell in der finalen vierten Serie auf des Messers Schneide. Die Punkte von Michael Schwald und Pavel Svetlik waren dem ESV sicher. Während Sylvain Garconnot seinen Rückstand verkürzte, schmolz wiederum der Vorsprung von Luca Schröder und Nathalie Schelken. Das ESV-Duo geriet unter Druck – und hielt dem letztlich nicht stand.

"Wir sind alle Sadomasochisten", witzelte Schelken eine Viertelstunde nach Wettkampfende, als der Ärger über die 2:3-Niederlage verraucht war. Als wäre der Kampf mit der Zielscheibe nicht schon knifflig genug, stellen sich die Bundesliga-Schützen noch dem Lärm und dem Druck der Konkurrenz, der "nicht von schlechten Eltern ist". Die Taktik klingt simpel: "Bei sich bleiben", wie Schelken und ESV-Trainerin Helga Knopp unisono sagen. Heißt: den Gegner und dessen Leistung ignorieren. Doch "man hört natürlich die Reaktionen", so Kopp, "komplett ignorieren kann man es nicht", weiß Schelken. "Der Kopf entwickelt ein Eigenleben", mit der Folge, "dass man ein bisschen verkrampft".

Auf das Ergebnis gegen Fürth wirkte sich der Druck negativ aus. Garconnot verfehlte das Stechen um einen Ring, der Vorsprung von Schelken und Schröder war in der Prognose aufgebraucht. Deren Gegner hatten ihre 40 Schuss schneller abgefeuert, das ESV-Duo musste fast durchweg Zehner nachlegen. Was Schröder in den letzten Versuchen nicht gelang. Insgesamt war "das Trefferbild in Ordnung", resümierte er. Doch waren es "recht viele nervige 9.9". Das wiederum "macht dich irgendwann mürbe", sagte Kopp. Virtuell stand es nun 2:2, der Fokus lag nun auf Schelken. Nach drei stabilen Runden (96, 95, 96) zeigte ihre Kurve nach unten, und als sie beim vorletzten Versuch eine 8.9 traf, war klar: Im finalen Schuss brauchte sie eine Zehn, um noch das Stechen zu erreichen. Kurz nachdem der Knall der Luftpistole ertönte, leuchtete das Ergebnis auf: 8.2 – Schelken verlor, der Fürther Jubel beendete die Stille.

Es war eine bittere Niederlage für den ESV, dessen Erfolgsaussichten am Sonntag gegen Tabellenführer Waldkirch geringer waren. Der Club aus dem bayerischen Schwaben demonstrierte beim 4:1-Sieg seine Stärke: Alle fünf SVW-Schützen knackten die 380er Marke, was in dieser Runde noch keinem Erstligisten gelang. Während Svetlik auch sein viertes Saisonduell gewann, verlor Schwald erstmals, und zwar knapp gegen die griechische Olympiasiegerin Anna Korakaki. Schwald fehlte es wie Garconnot nicht an Konstanz, aber an einer höheren Ausbeute in den Serien. Zudem erwischten Schelken und Schröder nicht ihren besten Tag. Mit einem Sieg aus vier Wettkämpfen steht der ESV unter Druck, will man noch unter die Top Vier und somit in die Endrunde.

ESV Weil – SSG Dynamit Fürth 2:3 (1888:1875 Ringe). Schwald – Pfundstein 386:375; Svetlik – Walser 380:373; Garconnot – Czapla 376:377; Schröder – Meixner 373:375; Schelken – Heyer 375:377.

ESV Weil – SV Waldkirch 1:4 (1882:1911). Schwald – Korakaki 384:386; Svetlik – Kindig 384:380; Garconnot – Holderried 377:381; Schröder – Kugelmann 365:380; Schelken – Kleesattel 372:384.