Das Traum-Comeback

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Von dpa

Mo, 02. Dezember 2019

Ski Alpin

Skirennfahrer Thomas Dreßen gewinnt das erste Rennen nach einem Jahr Verletzungspause.

LAKE LOUISE (dpa). Als wäre er nie weg gewesen, stand Thomas Dreßen nach seinem Comeback ganz oben auf dem Podium. Dabei konnte er das, was da in Kanada gerade passiert war und die Ski-Welt verblüffte, selbst nicht fassen. "Wahnsinn", stammelte der Abfahrer nach seinem Sieg von Lake Louise nach einem Jahr Verletzungspause wegen eines Sturzes samt Totalschaden im Knie.

Dreßen war überwältigt, dieses Wintersport-Märchen kam in der ersten Euphorie gar an seinen Coup auf der Streif 2018 heran. "Kitzbühel ist einzigartig", sagte er zwar am ARD-Mikrofon. "Aber ich würde trotzdem sagen, dass dieser Sieg eigentlich fast der schönste ist."

Schon nach dem Zieleinlauf hatte er gejubelt wie damals in Kitzbühel, mit beiden Fäusten in der Luft und laut schreiend. Danach hieß es, diese unfassbaren gut 24 Monate seines Lebens zu verarbeiten, die den deutschen Alpinchef Wolfgang Maier zu großen Worten verführten.

"Man muss ihn als den herausragenden Abfahrer der Historie bezeichnen. Obwohl er noch so jung ist", sagte Maier über den 26-Jährigen. "Der Thomas ist in der Abfahrt sicher das Beste, was wir in Deutschland bislang zu bieten hatten." Denn auf den Tag genau ein Jahr nach seinem folgenschweren Unfall in Beaver Creek gewann Dreßen am Samstag nicht nur das Rennen in Lake Louise, sondern machte sich auch zum besten deutschen Abfahrer der Weltcup-Geschichte. Drei Siege in der Königsdisziplin, das hatte weder Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier geschafft noch der zweimalige Kitzbühel-Sieger Josef Ferstl senior.

Auch der geschlagenen Konkurrenz nötigte das Comeback großen Respekt ab. "Da muss man schon einen Hut ziehen. Kommt nach einem Jahr zurück und gewinnt das Rennen. Gewaltig", sagte Super-G-Weltmeister Dominik Paris. Er war um 0,02 Sekunden von Dreßen geschlagen worden. Dass Dreßen für die Besten seines Fachs eine ernstzunehmende Gefahr ist, hatte er zum ersten Mal vor ziemlich genau zwei Jahren bewiesen. Da holte er auf der Raubvogel-Piste in Beaver Creek, die nicht wenige für mindestens so schwer halten wie die Streif in Kitzbühel, den dritten Platz und sein erstes Podest. Es folgten: der Sieg auf der legendären Hahnenkamm-Abfahrt im Januar 2018 und sein zweiter Weltcup-Sieg in Kvitfjell im März 2018. Dann aber passierte der folgenschwere Sturz im November 2018, ausgerechnet bei der Rückkehr nach Beaver Creek rauschte er mit hoher Geschwindigkeit ins Fangnetz.