Die Seele des Wintersports

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Di, 29. Oktober 2019

Skispringen

Die Schonacherin Heidi Spitz wird für ihre vielfältigen Verdienste mit dem Südbadischen Sportpreis ausgezeichnet.

SCHONACH. Ihr Organisationstalent ist unbestritten, ja fast legendär. Woher hat sie das? "Keine Ahnung", sagt Heidi Spitz und lacht. "Reingewachsen" sei sie in ihre diversen Aufgaben. Für ihr jahrzehntelanges und weit überdurchschnittliches Engagement vor allem im nordischen Skisport wurde die Schonacherin nun mit dem Südbadischen Sportpreis ausgezeichnet.

Die Ehrung am Olympiastützpunkt Freiburg traf die Schwarzwälderin nicht gänzlich unvorbereitet. Eine Einladung zur jährlichen Sportlerehrung von Badischem Sportbund Freiburg, Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald und Regierungspräsidium erhält Heidi Spitz zwar regelmäßig. Diesmal wurde ihr aber zusätzlich mitgeteilt, es wäre wichtig, dass sie kommt. Als später auch noch alte Fotos von ihr erbeten wurden, konnte sie eins und eins mühelos zusammenzählen.

Der Südbadische Sportpreis wird seit 2014 verliehen, Heidi Spitz ist die erste Frau, die damit geehrt wird. Was bedeutet ihr diese Auszeichnung? "Mir ist sie fast peinlich", bekennt die 64-Jährige nach kurzem Überlegen. Denn "ich bin es ja nicht allein, es geht immer nur im Team", erklärt die bescheidene Frau, die es nicht ins Rampenlicht drängt. "Ich mache das gern", sagt sie über ihre verantwortungsvollen und fordernden Aufgaben, und "wenn’s einem Spaß macht, ist es auch keine Mühe". Ihre Motivation jedenfalls hat Jahrzehnte überdauert.

Früher als aktive Langläuferin habe sie "immer Unterstützung gekriegt von meinem Verein", dem Skiclub Schonach. "Dafür will ich ’was zurückgeben", sagt Heidi Spitz. Der damalige Sportwart Winfried Hör "war immer da, hat nie nein gesagt", wenn der Nachwuchs etwa Fahrdienst zu Wettkämpfen brauchte. Diesem Vorbild eifert sie nach.

Im Skilanglauf wurde die junge Schonacherin mehrmals Schwarzwaldmeisterin und baden-württembergische Meisterin. Als Höhepunkt hat sie das olympische Jugendlager bei den Winterspielen 1972 in Sapporo (Japan) in Erinnerung, für das sie sich in Ausscheidungsrennen qualifiziert hatte. Der erste Flug, der vierwöchige Aufenthalt in Asien und die Wettkämpfe der Weltbesten vor Ort zu erleben – das alles war ein großes Abenteuer für die 16-jährige Bauerntochter.

Mit 18 machte sie Schluss mit dem Wettkampfsport und wechselte "vom Aktiven- ins Funktionärsdasein", wie sie sagt. Spitz ließ sich zur Übungsleiterin und staatlich geprüften Skilanglauflehrerin ausbilden und trainierte die Schülerklassen im Skiclub. "Sport war immer wichtig" in ihrem Leben. Bis heute ist sie mindestens dreimal pro Woche aktiv auf dem Mountainbike, beim Joggen und Nordic Walking oder Schwimmen im Schonacher Naturbad und im Winter natürlich auf den schmalen Latten.

Ihre erste große Herausforderung auf organisatorischem Gebiet erlebte Heidi Spitz 1981, als ihre Heimatgemeinde erstmals die nordische Juniorenweltmeisterschaft ausrichtete. Als Schriftführerin, dann umbenannt in OK-Sekretärin arbeitete sie dem Chef des Organisationskomitees zu. Sie war zuständig für den Schriftverkehr mit den internationalen Verbänden, Sponsorenanfragen, nahm an Mannschaftsführersitzungen teil und musste sich eigentlich "um alles kümmern". Einladungen wurden damals auf einem "Textautomaten" auf Endlospapier geschrieben, erinnert sie sich. Ihre Kenntnisse als Verwaltungsangestellte im Schonacher Rathaus kamen Heidi Spitz dabei zugute. Bei der zweiten JWM in Schonach 2002 war das Energiebündel "Dreh- und Angelpunkt" der Organisation.

Beim Schwarzwaldpokal der Nordischen Kombinierer stieg sie in der Saison 1981/82 ein, ebenfalls als OK-Sekretärin. Zwei Jahre später wurde der Weltcup eingeführt und längst hat die beruflich zur Leiterin des Schonacher Sport- und Kulturamts aufgestiegene Heidi Spitz mit ihrem Helferteam großen Anteil daran, dass das Schwarzwälder Skidorf zu den beliebtesten Weltcup-Stationen der Kombinierer zählt. "Auch so reingerutscht" ist Spitz in das Amt der Geschäftsführerin der Arge Fernskiwanderweg, die bei ausreichender Schneelage jährlich den Rucksacklauf über 100 Kilometer von Schonach zum Belchen ausrichtet. Außerdem ist sie seit 1982 beim Langlauf-Bundesfinale des Schulwettbewerbs "Jugend trainiert für Olympia" eingebunden, das alle zwei Jahre in Schonach ausgetragen wird. Zusätzlich richten die Schonacher jeden Winter im Wechsel Deutschlandpokal- oder internationale Alpencup-Wettbewerbe im Skispringen und in der Nordischen Kombination aus.

All das und die sich ständig verändernden Anforderungen meistert Heidi Spitz mit Nervenstärke und Gelassenheit. "Gute Leute drumrum, das ist das Geheimnis", sagt die Teamplayerin, die den offenen Umgang schätzt. Bei der Fülle der Termine müsse man die Helfer "pflegen".

Der neue Präsident des Skiverbands Schwarzwald (SVS), der Schonacher Manfred Kuner, würdigte Heidi Spitz als "herausragende Persönlichkeit im Schwarzwälder Skisport mit großer Reputation im gesamten deutschen Skisport". Die BZ nannte die Powerfrau einmal "die Seele des Schwarzwälder Wintersports".