Ein wenig Licht am Polarkreis

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Von dpa

Mo, 25. November 2019

Ski Alpin

Skirennfahrer Linus Straßer Achter beim Weltcup-Slalom im finnischen Levi / Henrik Kristoffersen bekommt für den Sieg ein Rentier.

LEVI (dpa). Das Lächeln unter dem Schnurrbart von Linus Straßer wurde mit jeder Minute größer. Im dichten Schneetreiben von Levi stand der 27 Jahre alte Skirennfahrer vom TSV 1860 München im Ziel und beobachtete, wie immer mehr Konkurrenten seine Zeit im zweiten Durchgang nicht mehr unterbieten konnten – und er am Ende in Finnland starker Achter war. Besser war er in seiner Karriere nur einmal in einem Slalom gewesen.

"Cooler, guter Saisonstart", kommentierte Straßer am Sonntag, noch bevor der Norweger Henrik Kristoffersen nördlich des Polarkreises ein Rentier für den Sieg übergeben bekam. Weil zudem Lena Dürr tags zuvor mit Rang zehn ebenfalls ein Spitzenergebnis eingefahren hatte, war die Ausbeute des Deutschen Ski-Verbands (DSV) am ersten Slalom-Wochenende nach dem Rücktritt von Felix Neureuther besser als befürchtet. Eine ehrliche Bestandsaufnahme nach dem Karriereende des bislang erfolgreichsten deutschen Skirennfahrers im Weltcup war der Trip nach Levi für den DSV allerdings auch. Denn außer mit Dürr war Frauen-Cheftrainer Jürgen Graller mit seinen Fahrerinnen nicht zufrieden. Und außer Straßer hatte es keiner der fünf weiteren DSV-Starter ins Finale geschafft.

"Der einzige, der die Fahne hochgehalten hat in den letzten Jahren, war der Felix. Jetzt ist er nicht mehr da. Jetzt muss das Team Charakter zeigen", sagte Alpinchef Wolfgang Maier dem ZDF. "Es gilt auf jeden Fall zu attackieren. Das Ergebnis von Linus ist ein klarer Lichtblick." Besser war Straßer nur im Januar 2015 mit einem fünften Platz in Schladming. Seither waren die (eigenen) Erwartungen immer wieder groß – erfüllen aber konnte er sie nur äußerst selten. Der Tiefpunkt war dann die vergangene Saison, als er es in nur einem einzigen Slalom im Weltcup überhaupt in den zweiten Durchgang schaffte. Die Quittung: In Levi musste er mit der hohen Startnummer 47 antreten.

"Für mich war es erst mal wichtig, irgendwo mal wieder ein Ergebnis stehen zu haben", sagte Straßer. "Dass ich nicht schlechter Ski fahre als andere, die hier ganz vorne mitfahren, das weiß ich. Aber das hilft mir nichts, wenn die Ergebnisse nicht stimmen." Nach einem klugen ersten Lauf lieferte Straßer im Finale dann seit langem mal wieder eine engagierte, aggressive und leidenschaftliche Fahrt ab. "Der zweite Lauf war das, was man sich auch schon in den letzten Jahren vom Linus erwartet hat. Er ist oft unter seinem Wert geschlagen worden. Heute hat er mal gezeigt, was in ihm steckt. Ich denke, da geht aber noch was", sagte Maier. Straßer hatte die zweitbeste Laufzeit.

Den Sieg zum Auftakt holten sich Kristoffersen aus Norwegen bei den Männern und Mikaela Shiffrin bei den Frauen. Die US-Fahrerin hat nun 41 Slalom-Siege im Weltcup – mehr als jeder andere vor ihr.