Hexenschuss vor den DM-Rennen

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mi, 18. September 2019

Biathlon

Biathlet Roman Rees startet nach enttäuschenden Ergebnissen zunächst im IBU-Cup / Benedikt Doll für den Weltcup gesetzt.

TITISEE-NEUSTADT. Benedikt Doll ist in einer komfortablen Position. Der Biathlet der Ski-Zunft Breitnau hat sie sich mit viel Trainingsfleiß und Ehrgeiz erarbeitet und ist mittlerweile hochdekoriert: 2017 war er Sprint-Weltmeister, ein Jahr später bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang (Südkorea) gewann er Bronze in der Verfolgung und mit der Staffel und im vergangenen Winter brachte er zwei Staffel-Silbermedaillen mit zurück in den Schwarzwald. Der 29-Jährige war schon vor der zweigeteilten deutschen Meisterschaft im Bayerischen Wald und in Ruhpolding für das Weltcupteam gesetzt, während bei vielen anderen die DM-Ergebnisse zur Qualifikation für das Weltcup- und IBU-Cup-Team herangezogen wurden.

"Ich brauche die Berge. Ich mag kupierte Strecken."

Biathlet Benedikt Doll
Doll absolvierte die Meisterschaftsrennen dennoch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit, denn "es ist nach all dem Training schon gut, mal wieder schnell zu laufen, motorisch und muskulär an die Grenzen zu gehen", sagt er. Die Ergebnisse seien ihm nicht so wichtig gewesen, gleichwohl können sich einige Resultate sehen lassen: Doll wurde DM-Dritter im Sprint, Sechster in der Verfolgung und Siebter im Massenstartrennen. Der elfte Platz im Langlaufrennen überrascht deshalb ein bisschen, weil Doll in der Regel zu den Laufstärksten zählt. National und international. Er klärt auf: "Das ist eine flache Strecke in Ruhpolding, auf der viel in der Eins-Einser-Technik gelaufen wird. Ich brauche die Berge, ich mag kupierte Strecken." Das Staffelrennen mit Doll, Roman Rees vom SV Schauinsland und dem am Skiinternat in Furtwangen ausgebildeten Simon Schempp (SZ Uhingen), eigentlich ein superbes Trio, ging in die Hose. Der vierte Platz ist eine Enttäuschung. Rees und Schempp blieben fehlerfrei, aber Benni Doll musste nach beiden Schießeinlagen in die Strafrunde. "Ja, das war ärgerlich mit den zwei Runden. Vom Wind her war es schwierig, zudem hatte ich zuletzt beim Liegendschießen einige Probleme." Doll wird sich wie in den vergangenen Jahren mit dem A-Team in Sjusjoen (Norwegen) auf die ersten Weltcuprennen vorbereiten.

Die Einzelrennen der zweigeteilten deutschen Meisterschaft verliefen für Roman Rees "relativ enttäuschend" und deshalb wird der WM-Silbermedaillengewinner mit der Staffel zu Beginn des Winters im international zweitklassigen IBU-Cup starten. "Ich hätte mich schon gerne auf direktem Weg für das Weltcupteam qualifiziert. Aber so ist es jetzt nunmal", sagt der 26-Jährige. In den vergangenen Jahren hatte er zu Beginn des Winters auch stets den Umweg über den IBU-Cup nehmen müssen und dort mit guten Leistungen den Sprung ins Weltcupteam relativ schnell geschafft. "Same procedure as every year?" "Ich habe Vertrauen und mache mir noch nicht die allergrößten Sorgen", sagt Rees.

Er war gut durch den Sommer gekommen, immer gesund und die Leistungsüberprüfungen verliefen vielversprechend. Vor der deutschen Meisterschaft fuhr ihm jedoch ein Hexenschuss in den Rücken, "eine Woche ging gar nichts". Und als Rees wieder trainieren konnte, war die Zeit zu kurz, um das Versäumte aufzuholen. Am ersten DM-Wochenende im Bayerischen Wald beendete er den Sprint als 17. und den anschließenden Verfolger als 13. Die Laufform hatte durch die Zwangspause in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung etwas gelitten, beim Schießen demonstrierte er im Verfolgungsrennen seine Qualitäten und verfehlte nur eine von 20 Scheiben.

Beim zweiten Teil der DM in Ruhpolding belegte Rees im Speziallanglauf den 14. Platz, im Massenstart wurde er nach einem Fehler bei 20 Schüssen 13. "Das Männerfeld ist mittlerweile zu eng, um ganz vorne reinzukommen, wenn man nicht in Bestform ist", sagt Rees. Ist der Hofsgrunder in Bestform, kann er auch international vorne mithalten, das hat Rees in den vergangenen Wintern gezeigt.

Er wird im November mit dem IBU-Cup-Team nach Trysil in Norwegen reisen und sich dort in einem zehntägigen Trainingslager auf die ersten Wettkämpfe vorbereiten. Der erste IBU-Cup findet Ende November in Sjusjoen (Norwegen) statt.

Biathletin Janina Hettich (SC Schönwald), die zuletzt wie Rees mit der Lehrgangsgruppe 1A trainiert hat, zeigte mit den Rängen drei (Sprint), fünf (Massenstart) und sieben (Verfolgung) bei der deutschen Meisterschaft überzeugende Leistungen. Nur im Speziallanglauf war sie mit Rang zwölf nicht unter den ersten zehn zu finden. Sie verfehlte in der internen Qualifikation das Weltcupteam nur knapp und startet zunächst auch im IBU-Cup.

Christin Maier vom SC Urach erreichte mit Rang acht im Langlaufrennen ihr bestes DM-Resultat. Den Massenstart beendete sie als Elfte, im Sprint kam sie auf den 14. Platz und im anschließenden Verfolger verbesserte sie sich um einen Rang.