In Gelb in den Schwarzwald

dpa

Von dpa

Mo, 13. Januar 2020

Wintersport

Karl Geiger siegt zweimal in Val di Fiemme – und führt jetzt im Weltcup der Skispringer.

VAL DI FIEMME (dpa). In seinem frisch eroberten Gelben Trikot des Gesamtführenden verspürte Karl Geiger kindliche Freude – und veredelte prompt ein perfektes Wochenende. "Ein Traum wird wahr. Mein erstes Mal im Gelben Trikot", schrieb der beste deutsche Skispringer in den sozialen Netzwerken.

Mit weit aufgerissenem Mund posierte Geiger samt seinem glänzenden Souvenir für die Fotografen, die Tage in Val di Fiemme in Italien liefen für den 26 Jahre alten Allgäuer ideal: Geiger gewann erst am Samstag und dann auch noch am Sonntag und distanzierte den Japaner Ryoyu Kobayashi um weitere 94 Weltcup-Punkte. "Das war richtig geil", jubelte Geiger.

Der Vierschanzentournee-Dritte wird das wertvolle Führungstrikot mit zum Weltcup-Heimspiel in Titisee-Neustadt am kommenden Wochenende nehmen. "Steht dir gut!", hatten ihm schon die Teamkollegen am Samstagabend zugeraunt, als sich für Geiger nach zwei exzellenten Flügen auf 104,5 und 103,5 Meter ein Traum erfüllt hatte. "Mehr geht eh nicht. Das ist etwas Besonderes. Das freut mich unglaublich", hatte Geiger betont. Das Gelbe Trikot habe zwar "identisches Material" wie sein übliches Leibchen, "aber ich fühle mich sehr wohl darin".

Und auch der erste Auftritt in Gelb gelang "Karle", der in diesem Winter erstmals so richtig aus dem Schatten seiner Teamkollegen Markus Eisenbichler und Co. springt, vollends. Nach seinem Sieg in der Quali sprang Geiger, der über einen Urgroßvater mit dem ebenfalls aus Oberstdorf stammenden Nordischen Kombinierer Vinzenz Geiger verwandt ist, im Wettbewerb auf 107 und 103,5 Meter. Das reichte erneut deutlich zu Platz eins.

Für den neuen Chefcoach Stefan Horngacher (Titisee-Neustadt) sind die Erfolge Geigers eine große Erleichterung. Der 50-Jährige hatte einen schweren Start in den Winter und freut sich sehr, dass die Konstanz seines Ausnahmeathleten nun mehr und mehr belohnt wird. "Das fühlt sich natürlich super an. Es war an der Zeit, dass der Karl jetzt endlich mal gewinnt. Er war wirklich sehr gut", so Horngacher.

Zum Gelben Trikot sagte der Springer voller Freude: "Ich glaube schon, dass man das einrahmen kann. Das kriegt einen Spezialplatz, das ist genial." Umgemünzt auf andere Sportarten ist der bescheidene und ruhige Allgäuer nun die Nummer eins der Weltrangliste – und das möchte er im Kampf mit Kobayashi, Tournee-Sieger Dawid Kubacki und Stefan Kraft, der nach Rang zwei am Sonntag mit 120 Punkten Rückstand erster Verfolger im Gesamtweltcup ist, möglichst auch bis zum Saisonende im März bleiben. "Es wäre schön, aber es sind noch sehr, sehr viele Wettkämpfe", relativierte Geiger.

Constantin Schmid überzeugte im Fleimstal mit einem fünften Platz, Stephan Leyhe belegte die Ränge 6 und 14. Der wie Leyhe in Hinterzarten lebende Luca Roth wurde 28. und 30.

Mit Freude werden auch die Organisatoren des Weltcups in Titisee-Neustadt die Ergebnisse aufgenommen haben. Schließlich dürfte die Zahl der Zuschauer am nächsten Wochenende größer sein, wenn ein deutscher Athlet im Gelben Trikot auftaucht. Am Samstag, 18. Januar, gehen die Springer von 16 Uhr an vom Bakken im Schmiedsbachtal. Am Sonntag, 19. Januar, starten sie um 15.15 Uhr.

Mehr zu Titisee-Neustadt auf http://www.weltcupskispringen.com