Skilanglauf

Janosch Brugger erhält den Goldenen Ski

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Di, 22. Oktober 2019 um 20:39 Uhr

Skilanglauf

Der Deutsche Skiverband zeichnet den 22-jährigen Lenzkircher Janosch Brugger, der für die WSG Schluchsee startet, mit dem Goldenen Ski als besten deutschen Langläufer des Winters 2018/19 aus

Janosch Brugger wurde reich beschenkt bei der Einkleidung der Kaderathleten des Deutschen Skiverbands. Im oberschwäbischen Laupheim, dem Firmensitz eines Pistenraupen-Herstellers und Sponsors des Verbands, gab’s nicht nur die Sportklamotten für die kommende Saison, sondern auch noch eine faustdicke Überraschung für ihn: Der Topathlet der WSG Schluchsee wurde mit dem Goldenen Ski 2019 ausgezeichnet. Damit hat der DSV den 22-jährigen Schwarzwälder zum besten deutschen Skilangläufer der vergangenen Saison gekürt.

"Das war eine schöne Überraschung, es hat mich brutal gefreut", sagte Janosch Brugger auf Nachfrage der BZ. Und was bedeutet ihm diese Ehrung? "Es ist schon ziemlich cool, zu diesem erlauchten Kreis zu gehören", sagt der junge Profi über die höchste Auszeichnung, die der DSV an seine Aktiven vergibt. Brugger ist indes nicht der erste Langläufer des Skiverbands Schwarzwald, dem diese Ehre widerfuhr: 2016 und 2018 gewann Sandra Ringwald (ST Schonach-Rohrhardsberg) den Goldenen Ski.

Was den Ausschlag zu seinen Gunsten gab, steht für den Lenzkircher außer Frage: sein sensationeller, weil nicht zu erwartender erster Weltcup-Sieg. Am 2. Dezember 2018 war er zum Abschluss des Lillehammer-Triples in der Verfolgung über 15 Kilometer im klassischen Stil vom 45. auf den 17. Platz nach vorne gestürmt – mit der besten Laufzeit des Tages, was in der separaten Wertung des Jagdrennens den Gewinn eines Weltcup-Wettbewerbs bedeutete. Und den damals 21-Jährigen zum neuen Hoffnungsträger im deutschen Männer-Langlauf machte. Zuletzt hatte der Thüringer Tim Tscharnke im Januar 2015 ein Weltcup-Rennen gewonnen.

An jenem Tag passte in dem norwegischen Olympiastädtchen alles bei Janosch Brugger: das Material, seine körperliche und auch mentale Verfassung bei einem Sauwetter, dem viele Konkurrenten nichts Positives abgewinnen konnten. Anders als der zähe Hochschwarzwälder. Auf schnellen Ski, die dennoch an den Anstiegen den nötigen Grip hatten, überholte er unterwegs immer mehr vor ihm gestartete Konkurrenten, darunter drei deutsche Teamkollegen. Auf der letzten der drei Runden erfuhr er von Betreuern, dass der Tagessieg möglich sei, falls er sein Tempo durchhalten würde. Und Brugger hielt durch, auch am finalen langen Anstieg. Als er im Ziel hörte, dass es gereicht hatte, er also schneller gewesen war als die versammelte Weltspitze, fand er das "schon e weng surreal".

Doch der gänzlich unerwartete Erfolg war real und der Goldene Ski für die herausragende Leistung in der vergangenen Saison ist es auch. Diese Auszeichnung bedeutet schon eine zusätzliche Motivation für den kommenden Winter, sagt der Schwarzwälder, der beim Zoll-Skiteam in Sonthofen trainiert. "Das macht schon noch mal Lust auf mehr", so Brugger. "Aber unser ganzes Team ist sowieso heiß auf die Saison." Das sogenannte "Zwischenjahr" ohne Weltmeisterschaft oder Olympische Spiele beschert ihm dennoch einen Höhepunkt: seine letzte U-23-WM im sächsischen Oberwiesenthal im März. Dort möchte der Lenzkircher diese Phase seiner Karriere gerne mit einer Medaille krönen. Die beste Aussicht darauf dürfte seine Paradedisziplin bieten: 15 Kilometer im klassischen Stil. Bei seiner ersten Weltmeisterschafts-Teilnahme bei den "Großen" im vergangenen Winter in Seefeld (Österreich) schaffte Janosch Brugger über diese Distanz mit Rang 18 einen Achtungserfolg.

Im Weltcup will sich der Youngster im deutschen Team stabilisieren und in der Zukunft einmal in den Top 15 etablieren. Abgesehen von einer Achillessehnenreizung verlief seine Vorbereitung störungsfrei. Bei der Zentralen Leistungskontrolle (ZLK) der Langläufer im September in Oberhof mit drei Wettkämpfen war der 22-Jährige nach eigener Einschätzung "solide dabei" und im international besetzten Crosslauf als Dritter von 53 Männern "top". Bis zum Wochenende trainieren die besten deutschen Langläufer noch in der Höhe von Livigno (Italien), zuletzt bei Regenwetter, dann geht’s nach Davos. Am 29. November ist Weltcup-Auftakt in Finnland, Janosch Brugger ist dabei.