Mäßige Sprünge, rasante Sprints

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Mi, 04. September 2019

Nordische Kombination

Kombinierer Fabian Rießle bester Roller des Sommer-Grandprix.

TITISEE-NEUSTADT. Die Sieger des Winters werden im Sommer gemacht. Das gilt für die Skispringer und auch für die Nordischen Kombinierer, die Anfang Juli bei einem mehrtägigen Trainingslager auf der sanierungsbedürftigen Hinterzartener Rothaus-Schanze auf der Suche nach dem perfekten Sprung waren. Teamsprint-Weltmeister Fabian Rießle von der SZ Breitnau und der Baiersbronner Manuel Faißt mühten sich redlich. Doch Defizite auf der Schanze gibt es noch immer, wie die jüngsten Ergebnisse des Sommer-Grandprix zeigen.

Sechs Wettkämpfe binnen einer Woche, aus dem Training heraus, ohne die Chance zu regenerieren, das schlaucht. Wenn der Kopf schwer und der Körper müde ist, leidet die Feinabstimmung bei der Luftfahrt. Auf den Schanzen in Oberwiesenthal, Klingenthal und Oberhof sprangen die erfolgsverwöhnten Nordischen Kombinierer des Deutschen Skiverbands hinterher. Die teilweise deutlichen Rückstände ließen sich bei den zehn Kilometer langen Skiroller-Rennen nicht mehr aufholen – die Podestplätze waren für die Athleten von Bundestrainer Hermann Weinbuch außer Reichweite. Es ist ein Fingerzeig zur rechten Zeit. Die Lufthoheit hatten bei den Sommer-Grandprix’ in Deutschland der Österreicher Franz-Josef Rehrl und der Japaner Akito Watabe. Sie bestimmten mit ihrem Können die Anlauflänge auf der Schanze mit und offenbarten damit die Defizite der DSV-Kombinierer.

Zum Auftakt des Sommer-Grandprix in Oberwiesenthal gab es eine Premiere mit überraschenden Siegern. Das italienische Mixed-Team gewann nach Rang zwei auf der Schanze und drittbester Laufzeit vor Norwegen und Russland. Terence Weber (SSV Geyer), Emily Schneider (Rückershausen), Cindy Haasch (Ruhla) und Schlussläufer Fabian Rießle von der SZ Breitnau landeten mit 45,3 Sekunden Rückstand auf Rang fünf. Im Massenstart-Rennen in Klingenthal gab es dann erst einmal Grund zum Jubel: Fabian Rießle (28) lief auf dem Asphaltkurs wie entfesselt und sicherte sich in 21:30,6 Minuten den Sieg im Skirollerrennen über zehn Kilometer. Doch auf der Schanze gelang Rießle wenig: 127 Meter waren nur Zwischenrang 20 wert, hinter Sprunglaufsieger Franz Josef Rehrl (Österreich) und dem Japaner Akito Watabe blieb Rießle in der Gesamtwertung nur Rang 15, einen Platz hinter seinem langjährigen Trainingspartner Manuel Faißt, der in Oberried lebt. "Es läuft noch nicht rund auf der Schanze", weiß Rießle. Auf Skirollern ist er dafür aktuell eine Klasse für sich und trug beim Grandprix in Oberhof das rote Trikot des besten Skiroller-Rennfahrers. Seine läuferische Klasse bescherte Rießle nach einem ordentlichen Sprung und wilder Hatz über Asphalt Rang zehn, Manuel Faißt wurde als 21. gewertet. Tags darauf landete der St. Märgener auf Rang acht.