Saisonstart mit viel Luft nach oben

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mo, 02. Dezember 2019

Biathlon

Biathlet Benedikt Doll kämpft beim Weltcupstart mit dem böigen Wind, Janina Hettich und Romas Rees ergeht es im IBU-Cup ebenso.

ÖSTERSUND. Fehlschüsse gehören zum Biathlon wie das Gewehr und die Ski. Beim Weltcupauftakt in Östersund (Schweden) trieb der tückische Wind seine kuriosen Spielchen, ebenso beim ersten IBU-Cup-Rennen in Sjusjoen (Norwegen). Benedikt Doll war als Schlussläufer der deutschen Mixedstaffel mit seiner Schießleistung in Mittelschweden ebenso wenig zufrieden wie mit seiner Trefferausbeute im ersten Sprint der Weltcupsaison. Im Staffelwettkampf musste Doll als Schlussläufer nach dem Liegendschießen in die Strafrunde und im Sprint verfehlte er jeweils liegend und stehend zwei Scheiben. Besonders hart erwischte es Janina Hettich (SC Schönwald) im ersten IBU-Sprintrennen von Sjusjoen: Sie visierte das Ziel zehnmal an und verfehlte es zehnmal. Kein Treffer. Höchststrafe.

Der Wind bläst kurios, aber noch kurioser hören sich die Aussagen der Biathleten dazu an. "Eigentlich war nicht viel Wind, aber irgendwie doch", sagte Benedikt Doll (SZ Breitnau) nach seinen vier Fehlschüssen im Sprintrennen. "Liegend bin ich nicht damit zurechtgekommen. Die anderen kriegen es aber auch hin, also sollte ich es auch hinkriegen." Es kamen jedoch nur wenige Athleten fehlerfrei durch das Zehn-Kilometer-Sprintrennen, es wurden Strafrunden zuhauf geschossen. Beim Laufen zeigte Doll die bekannten Qualitäten: "Auf der Strecke ging’s eigentlich ganz gut, ich hatte auch einen richtig guten Ski."

Benedikt Doll: "Es war ein gebrauchtes Rennen"

Der Schwarzwälder lief die fünftbeste Skatingzeit, er heftete sich phasenweise an die Überflieger Johannes Thingnes Boe (Norwegen) und Martin Fourcade (Frankreich). Bitter war für den Biathleten der Ski-Zunft Breitnau, dass ihm die hohe Fehlschussquote ein gutes Gesamtergebnis verhagelte: Er belegte im 108er-Feld den 24. Platz. In der tags zuvor ausgetragenen Mixedstaffel war die Aufgabe, die Schlussläufer Benedikt Doll mit auf den Weg bekam, nahezu unlösbar. Vier Mannschaften lagen vor dem deutschen Quartett, der Rückstand auf die führenden Italiener betrug 2:01 Minuten. Nur durch die Fehler der ersten vier hätte noch ein Türchen aufgehen können, beim Liegendschießen von Doll war jedoch der Wurm drin: Mit acht Patronen konnte er nur vier Scheiben abräumen, zudem hatte er mit dem Nachladen Probleme. "Keine Ahnung, wo die Verlagerung war. Der Wind war eigentlich wie beim Anschießen, klappen wollte es dennoch nicht."

Beim Stehendschießen kam der 29-Jährige mit einem Nachlader durch, das nächste Malheur passierte allerdings auf der Schlussrunde: Doll stürzte. "Ich laufe ein neuen Skimodell, die Führung ist ein bisschen anders. Ich habe eingefädelt und bin gestürzt. Es war ein gebrauchtes Rennen, ich bin nie richtig reingekommen." Rang sieben in der Mixedstaffel war eine veritable Enttäuschung für die Deutschen, auch Simon Schempp (SZ Uhingen) als dritter Starter lieferte sich einen Fight mit dem Wind. Beim Liegendschießen musste er zweimal nachladen, stehend dreimal. "Ich bekam die Waffe einfach nicht ruhig und habe dann auch noch in den falschen Momenten abgedrückt. Die Bedingungen waren machbar, es war einfach ein schlechtes Schießen von mir."

Bei den IBU-Cup-Rennen in Sjusjoen waren aus dem Schwarzwald Janina Hettich und Roman Rees (SV Schauinsland) am Start. Nach ihren zehn Fehlern im ersten Sprint ("es hat stark gewindet, aber zehnmal hätte man trotzdem nicht vorbeischießen müssen") und Rang 52 steigerte sich die 23-Jährige im zweiten Sprintrennen: Im Feld der 81 Klassierten kam sie auf den 20. Platz. Liegend gelang ihr eine tadellose Schießserie, stehend erwischte sie es erneut: vier Fahrkarten. Im Verfolgungsrennen verbesserte sich Hettich auf den 13. Platz (vier Schießfehler).

Auch Roman Rees aus Hofsgrund blieb beim IBU-Cup in Norwegen hinter den Erwartungen zurück. Im ersten Sprint wurde der gute Schütze auch ein Opfer des böigen Windes, fünf Scheiben blieben stehen. Rang 32 für den 26-Jährigen. Im zweiten Zehn-Kilometer-Rennen wurde er nach zwei Fehlschüssen 26. und im Verfolgungsrennen verbesserte er sich nach vier Schießfehlern auf Rang 22.

Es sind die ersten internationalen Vergleiche, da wackelt noch einiges, besonders, wenn der Wind so kräftig an einem zerrt. Man sollte die Ergebnisse deshalb nicht zu hoch hängen.