40 000 Kubikmeter Schnee für die Boarder

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Do, 07. Februar 2019

Snowboard

Die weltbesten Snowboardcrosser rasen an diesem Wochenende wieder am Feldberg zu Tal / Der Wettkampf im Mixed-Team wird eine Weltcup-Premiere sein.

FELDBERG. In der Ferne die Alpen, eine Silhouette, die sich klar abzeichnet am Horizont. Am Seebuck eine Cross-Piste, so lang wie noch nie. Und über allem ein blauer Himmel, eine starke Wintersonne, wahre Schneeberge am Höchsten: Sie können beginnen, die Weltcups der Snowboardcrosser und der Skicrosser am Feldberg.

Sie sind schon zur kleinen Tradition geworden, die Heim-Wettbewerbe in den beiden modernen olympischen Disziplinen. Erst kommen die Snowboardcrosser und eine Woche später die Skicrosser zum Feldberg, um unterhalb des Bismarckdenkmals in pfeilschnellen Heats zu Tal zu rasen. Ein Heat, das ist ein Lauf mit jeweils vier Startern. Die Crosser stürzen sich aus einem Freefall-Starthäuschen, gehen also im freien Fall auf die Piste. "Wir haben den Kurs gegenüber dem Vorjahr noch einmal modifiziert", sagt Thorsten Rudolph, der Chef des Organisationskomitees und Geschäftsführer des Ausrichters Hochschwarzwald Tourismus. "Die Strecke wird diesmal knapp 900 Meter lang sein, länger denn je, und ohne Quertraverse." Dreimal schon gingen die Snowboardcrosser am Seebuck an den Start, zum zweiten Mal starten eine Woche später die Skicrosser. Beim ersten Weltcup vor vier Jahren war die Strecke rund 540 Meter lang, vor einem Jahr waren es dann schon 700 Meter.

"Wir haben etwa 40 000 Kubikmeter Schnee für die Strecke gebraucht", erklärt Cathrin Wasmer, die sportliche Leiterin des Weltcup-Veranstalters, am Mittwoch bei der Auftakt-Pressekonferenz zu den beiden Top-Veranstaltungen im Hochschwarzwald. "Die fünf Steilwandkurven, sogenannte Banks, bauten wir dieses Jahr so in den Hang ein, dass wir die natürlichen Gegebenheiten des Seebucks nutzen konnten. Dazu kommen sogenannte Roller, also Wellen, und zwei spektakuläre Flugpassagen." Die Feldberger nutzten natürlichen und auch technischen, also künstlich geschossenen Schnee, um die Strecke zu modellieren. Zwei Tunnels gibt’s unter dem Kurs. Skifahrer können die Strecke also auch während der Weltcups kreuzen und das Geschehen überall hautnah verfolgen. Der Zielhang mit der Besuchertribüne wird diesmal quer von Osten her angesteuert – und nicht frontal vom Berg her.

ARD und ZDF wollen umfangreich übertragen, 19 Kameras werden dazu entlang der Strecke aufgebaut. "Der Feldberg wird im besten Licht gezeigt, wir bekommen fantastische Bilder", sagt OK-Chef Rudolph. Punkt 12 Uhr am Mittwoch gingen sechs Snowboarderinnen und Snowboarder, jeweils drei deutsche und drei ausländische Athleten, zu Testfahrten auf die Piste. Ihre Rückmeldungen werden darüber entscheiden, wo die Streckenbauer noch einmal letzte Hand anlegen und einzelne Passagen neu modellieren. Auch für die Skicrosser, die nächste Woche Dienstag anreisen, wird es einige Modifikationen geben.

Schon am Mittwoch besuchten Tausende von Skifahrern den Feldberg, um bei strahlendem Sonnenschein ihrem ganz privaten Sport nachzugehen. Für das Wochenende rechnet Rudolph mit bis zu 10 000 Freizeitsportlern. "Sie werden direkt an der Strecke sein, können Skifahren und bei den Wettkämpfen zuschauen, wann immer sie wollen", so der OK-Chef.

Rudolph will am Wochenende noch mehr Helfer und Sicherheitsleute einsetzen als ohnehin schon, damit der Verkehr bestmöglich fließen kann. Aber es wird voll werden am Seebuck, das steht fest. "Engpässe werden wir nie vermeiden können", sagt er. Zusatzbusse werden eingesetzt – zusätzlich zu den normalen Shuttles. Rudolph legt allen Besucherinnen und Besuchern der Feldbergregion dringend ans Herz, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.

Benedikt Wirbser, der Vizepräsident des Organisationskomitees und Sohn des im vergangenen Herbst gestorbenen Skiverbands-Präsidenten Stefan Wirbser, erklärt: "Ich freue mich auf zwei supersonnige und sportlich faire Veranstaltungen." Stefan Knirsch, der Geschäftsführer des Verbandes Snowboard Germany, bedankt sich bei allen Helferinnen und Helfern sowie beim Veranstalter Hochschwarzwald Tourismus. "Die Herausforderung ist immer groß, und es ist toll, dass sie nun schon zum vierten Mal gemeistert wird."
Die sportlichen Ergebnisse der Snowboardcrosser bei der Weltmeisterschaft am vergangenen Wochenende in Utah, USA, seien einigermaßen positiv gewesen, so Knirsch. "Die Bronzemedaille mit Paul Berg und Hanna Ihedioha im Mixed-Team war natürlich klasse." Vor allem Paul Berg vom SC Konstanz, der einzige Starter des Skiverbands Schwarzwald bei den Männern, ist im Augenblick in Weltklasse-Form. Der Mixed-Team-Wettkampf wird 2022 bei den Winterspielen in Peking erstmals Teil des olympischen Kanons sein. Hier am Feldberg findet die internationale Weltcup-Premiere statt.

Jana Fischer, die zweite Starterin des Skiverbands Schwarzwald vom SC Löffingen, wurde während der Pressekonferenz per Videobotschaft eingespielt: "Die WM war für mich durchwachsen", sagt sie. "Im Einzel verpasste ich ganz knapp die Qualifikation. Im Team-Event hat es im Großen und Ganzen gepasst, es wäre vielleicht noch ein bisschen mehr drin gewesen." Der Heim-Weltcup am Feldberg sei immer etwas Schönes, so Fischer: "Ich war schon zweimal dabei, meine Familie und meine Freunde kommen natürlich auch, ich freue mich sehr."
Heli Herdt, der sportliche Leiter Skicross im Deutschen Ski-Verband, blickt bereits auf die kommende Woche und den Weltcup der Skicrosser vom 15. bis 17. Februar: "Die Mannschaft bekommt nach der WM eine kleine Erholungspause und wird nächsten Dienstag anreisen", sagt er. "Ich bin froh, dass wir eine solche Strecke hier hingebaut bekommen haben. Der Verlauf ist, finde ich, hervorragend." Die Zuschauer bekommen Herdt zufolge diesmal noch mehr zu sehen als in den vergangenen Jahren. "Natürlich sind wir heiß auf den Heimweltcup. Das ist unsere Plattform einmal im Jahr."

Zeitplan zum Weltcup der Snowboardcrosser am Feldberg, Freitag, 8. Februar: 10.30 Uhr Qualifikation Männer, 13.15 Uhr Qualifikation Frauen. Samstag, 9. Februar, 10 Uhr: Finale Frauen und Männer. Sonntag, 9.45 Uhr: Mixed-Team-Event.

Alle Weltcup-Informationen auf http://www.hochschwarzwald.de/ Weltcup-Feldberg


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