WM-Silber in dramatischem Herzschlagfinale

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Mo, 04. März 2019

Nordische Kombination

Fabian Rießle von der SZ Breitnau ist nach Teamsprint-Gold in der Viererstaffel der Kombinierer die treibende Kraft und sichert dem DSV-Quartett Rang zwei.

SKI NORDISCH. Mehr Dramatik geht nicht. Fabian Rießle (28) von der SZ Breitnau war zum Ende der Ski-WM in Seefeld sowohl auf der Schanze als auch auf der Skatingpiste die treibende Kraft der DSV-Kombinierer und hatte in der Staffelentscheidung über 4x5 Kilometer als Läufer Nummer drei mit einer furiosen Aufholjagd maßgeblichen Anteil am Gewinn der Silbermedaille hinter Norwegen. "Wir waren schon tot", so Bundestrainer Hermann Weinbuch. Das DSV-Quartett wuchs trotz des Einbruchs von Johannes Rydzek über sich hinaus.

"Einfach fantastisch. Aufregender, verrückter und wechselhafter geht’s nicht", fasste Albert Wursthorn von der SZ Breitnau, seit mehr als einem Jahrzehnt Fabian Rießles Sprunglauf-Heimtrainer, die finale Vorstellung der DSV-Kombinierer zusammen und toppt damit noch die Euphorie des Bundestrainers. "Das war beste Werbung für unsere Sportart", so Hermann Weinbuch, "wir waren ein Team, es ist immer einer in die Bresche gesprungen".

"Der Fabian

ist einfach

Weltklasse. Punkt."

Trainer Wursthorn über Rießle
Nach dem Springen hatte das DSV-Quartett nur auf Rang vier gelegen, trotz des soliden Sprungs von Fabian Rießle, der auf der Schanze mit einem 103,5 Meter weiten Satz bester DSV-Kombinierer war. Auf der Skatingpiste wirbelte Startläufer Johannes Rydzek im Rennen über 4x5- Kilometer zwar wie ein Berserker, um zu den nach dem Springen führenden Norwegern aufzuschließen, brach dann aber am letzten Berg vor der Zieleinfahrt völlig ein ("mir war schwarz vor Augen, ich weiß nichts mehr ") und kassierte einen Riesenrückstand. Doch Großschanzen-Einzelweltmeister Eric Frenzel stürmte auf Rang zwei nach vorn. Fabian Rießle lief auf seinen 2x2,5 Kilometern wie entfesselt, übernahm als dritter DSV-Läufer sogar zeitweise die Führung. Doch der ausgebuffte Norweger Joergen Graabak, mit dem sich Rießle in den vergangenen Jahren immer wieder beinharte, von Graabak auch jenseits der Fairnessgrenze geführte Duelle geliefert hatte, ließ sich ebenso wenig abschütteln wie der Österreicher Franz-Josef Rehrl. Rießle fightete, doch die Norweger und Österreicher hatten im Frühjahrssulz erkennbar die besseren, weil schnelleren Ski.

Schlussläufer Vinzenz Geiger, der nach einer erst vor wenigen Tagen überwundenen Grippe nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, hielt auf den finalen fünf Kilometern den Österreicher Lukas Klapfer auf Distanz, hatte dem fulminanten Endspurt des Norwegers Jarl-Magnus Riiber, der nach Einzel-Gold im Normalschanzenwettbewerb seinen zweiten WM-Titel gewann, nichts entgegenzusetzen.

"Der Vinz’ konnte nur reagieren, nicht agieren", so Albert Wursthorn, "aber er hat Silber gewonnen und das einfach toll gemacht". Für Fabian Rießle, aufgewachsen in St. Märgen, entdeckt und gefördert bei der Skizunft Breitnau und jetzt mit seiner Freundin, der Weltklasse-Langläuferin Sandra Ringwald, daheim in Kirchzarten, hat Wursthorn nur Lob übrig. "Der Fabian kehrt als Teamsprint-Weltmeister und mit Silber in der Viererstaffel heim in den Schwarzwald", so der Sprunglauftrainer, "das ist einfach herausragend".

Dass Rießle bei seiner nun schon vierten Weltmeisterschaft erneut ohne die ersehnte Einzelmedaille blieb, sei kein Makel. "Das zu kritisieren, wäre jammern auf hohem Niveau", so Wursthorn, "der Fabian hat ohne Wenn und Aber eine klasse Weltmeisterschaft abgeliefert". Die kleinen Defizite auf der Schanze gelte es intern aufzuarbeiten, allerdings wohl erst nach dem Winter. Am Können des St. Märgeners gibt es nichts zu deuteln. "Fabian ist einfach Weltklasse, Punkt", sagt Wursthorn.

Dass der Trainer, der sich verschmitzt "Sportschreiner" nennt, wie schon bei Rießles vier olympischen Medaillengewinnen einmal mehr maßgeblichen Anteil an der herausragenden WM-Bilanz des 28-Jährigen hat, lässt sich Wursthorn nur auf insistierende Nachfrage entlocken. "Als Heimtrainer bin ich da, wenn der Fabian mich braucht."