Ganz locker über Stock und Stein

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Di, 01. Oktober 2019

Mountainbike

Der Trail-Hype lockt 450 Starter zu einem Rennen ohne Bierernst.

TITISEE-NEUSTADT. Mit 431 Teilnehmern hat der Trail-Hype-Mountainbike-Marathohn an der Hochfirst-Weltcupschanze am Sonntag die Marke der Premiere (323) aus dem vergangenen Jahr deutlich übertroffen. Das Konzept der Veranstalter Simon Stiebjahn und Markus Bauer scheint aufzugehen, die Reaktionen der Biker waren euphorisch.

"Spaß" und "Genuss" waren die Schlagworte, die in den Statements der Teilnehmer am häufigsten vorkamen. Den sprichwörtlichen "Bierernst" will die Crew des RSV Hochschwarzwald am Hochfirst am liebsten nicht sehen, auch wenn unübersehbar eine Brauerei aus Grafenhausen als Sponsor an Bord ist. Dass man anders sein will als die üblichen Marathon-Veranstaltungen, sieht man schon am paradiesischen Foto-Hotspot am Hochfirst mit atemberaubender Aussicht über den Titisee. Stiebjahn und Bauer setzen auf den hohen Singletrail-Anteil, der Fahrspaß verspricht. Und der wurde dann auch mit vielstimmigen Lobeshymnen besungen. "Ich habe viel Gutes über den Trail-Hype gehört und muss sagen, es hat sich alles bestätigt", sagte etwa Straßenprofi Johannes Fröhlinger, der mit seinem Kumpel, dem ehemaligen MTB-Europameister Moritz Milatz, zwei gemütliche Runden drehte. Klar, wenn eine Startnummer am Lenker hängt, dann wird auch ein Rennen gefahren. Im Neustädter Schmiedsbachtal waren einige arrivierte Marathon-Cracks am Start. Der Schweizer Lukas Flückiger gewann das Rennen auf der 60-Kilometer-Distanz nach energischem Endspurt um zwei Sekunden vor Simon Schneller (Oberlengenhardt) und seinem Landsmann Urs Huber, nachdem sich das Trio aus einer Fünfer-Gruppe in der zweiten 30-Kilometer-Runde gelöst hatte.

Schneller leistete sehr viel Führungsarbeit, Flückiger machte den Rest und Huber hielt sich vornehm zurück. Am Ende war der alte Hase Flückiger (35) dann ein wenig ausgebuffter und kurbelte kurz vor dem Ziel am deutschen U-23-Meister vorbei. "Ich kannte die Gegend nicht, aber es ist richtig cool hier", befand der Schweizer, der für die zwei Runden rund um den Hochfirst 2:44:26 Stunden benötigte. Der Breitnauer Matthias Bettinger wurde Achter (+17:25). "Einfach mega super, zu Hause Rennen zu fahren", befand Bettinger mit einem Grinsen im Gesicht. Bei den Frauen gewann die deutsche Marathonmeisterin Janine Schneider (Lottstetten) das Rennen in 3:22:09 Stunden. Schneider war in der ersten Runde mit Ronja Eibl unterwegs, die am Samstag das Bundesliga-Rennen in Neustadt gewonnen hatte. Doch die Schwäbin hatte nach dem ersten Schluck ihre mit isotonischem Durstlöscher befüllte Flasche verloren. "Mir ist dann immer mehr schlecht geworden", erklärte Eibl, warum sie das Rennen, das als Training gedacht war, schließlich aufgab. Ex-Weltmeisterin Esther Süss aus der Schweiz hatte sie da schon überholt. Die 45-Jährige wurde mit 6:08 Minuten Rückstand Zweite vor Katrin Schwing aus Mosbach (+25:37). Für Janine Schneider war die Runde auch Techniktraining. "Da habe ich immer noch meine Defizite", bekannte die Mountainbike-Späteinsteigerin. "Es war mega, die Trails sind wirklich klasse. Ich bin froh, dass ich gefahren bin, obwohl es mir nicht gut ging."

Auf der 30-Kilometer-Runde konnte sich der Kirchzartener Vinzent Dorn rasch von der Konkurrenz absetzen und souverän vor Dennis Kürner und dem Breitnauer Heiko Hog gewinnen. "Ein geiler Abschluss", befand Dorn. Bei den Frauen siegte die Freiburgerin Claire Fiebig 33 Sekunden vor der Breitnauerin Lina Riesterer. Die Veranstalter-Crew zog zufrieden Bilanz. "Wir haben die Zahl der Meldungen um über 100 gesteigert", freute sich Markus Bauer. "Mehr als 600 Starter wollen wir nicht", sagt Simon Stiebjahn, "sonst gibt es Staus in den Trails." Im Jahr 2020 werden das MTB-Bundesliga-Rennen und die der Trail-Hype am 25./26. Juli ausgetragen.