Kein Raufen um die Nachfolge

Uwe Rogowski

Von Uwe Rogowski

Fr, 12. Juli 2019

Regio-Fußball

Viele Wechsel beim Fußball-Bezirkstag am Samstag in Jestetten.

FUSSBALL. Man muss vermutlich tief im Archiv wühlen, um im Fußball-Bezirk auf so viel Veränderung zu stoßen. Es stehen Personal-Updates im größeren Ausmaß bevor. Beim Bezirkstag am Samstag wird das neue Organigramm besprochen und wohl auch verabschiedet werden. Mit dem bisherigen Vize-Boss Ralf Brombacher und Sportrichter Rainer Koller verliert der Bezirk an Charisma, Format und Arbeitseifer. Viel zu tun für den Vorsitzenden.

Gemütlich ausschlafen ist morgen nicht. 186 Kilometer muss Uwe Sütterlin, 59, zurücklegen. Das spuckt Google Maps hin und zurück von seinem Wohnort Eimeldingen nach Jestetten aus, wo ab 10.30 Uhr die Fußball-Vereine von Weil bis Weizen tagen werden. "Wir haben halt einen großen Bezirk, Jestetten gehört dazu", sagt Sütterlin und kommt gleich ungefragt zum Punkt: Es seien zwar "keine Turbulenzen zu erwarten", es werde aber dennoch ein außergewöhnlicher Bezirkstag.

Es ist ja seit längerem bekannt, dass der Fußball am Hochrhein mit dem neuen südbadischen Schiedsrichter-Obmann Ralf Brombacher (Kandern) seinen zweiten Vorsitzenden verliert. "Er ist ein echter Freund, ich konnte mich immer auf ihn verlassen", sagt Sütterlin, was zweideutig verstanden werden kann. Denn verlassen konnte sich Sütterlin neben dessen Loyalität auf Brombachers Arbeitseifer, auf einen dynamischen Funktionär mit Durchsetzungskraft und Lösungsansätzen. Dahinter konnte sich Sütterlin mit seinem moderaten Führungsstil im Windschatten bewegen. Brombacher war als zweiter Mann der gefühlte Bezirkschef. Schon morgen in Jestetten, so wird getuschelt, könnte es ohne den früheren Vize am Rednerpult recht langatmig werden.

"Er ist eine starke Persönlichkeit. Meist war er es, der angerufen wurde, da war ich gar nicht böse drüber", sagt Sütterlin, der nun präsenter sein muss, mehr abarbeiten müsse, sich aber auch künftig nicht verbiegen will. "Ich werde nie ein Lautsprecher sein. Ich bin keiner, der poltert, ich mache es auf meine Art." Seit 2011 ist er als Nachfolger von Klaus Denzinger (Wehr) im Amt. Sütterlin kann auf eine breite Beliebtheit zählen, seine vierte Wiederwahl für die nächsten zwei Jahre ist eine reine Formalie. Doch er sei auch zu zaghaft und harmoniebedürftig, um mal dazwischenzuhauen, heißt es.

Koller geht nach 28 Jahren – auch Bastian gibt Ämter ab

Von einem krachigen Duo wird der Bezirk künftig also nicht geführt. Denn für die Position des Stellvertreters hat Sütterlin Gerd Eiletz auserkoren. Oder ihn bestimmt? Wie zu vernehmen ist, war es keine Schar an Kandidaten, die sich um den Posten raufte. Sütterlin musste Überredungskünste anwenden, um den Rheinfelder zu überzeugen, der als Pressebeauftragter des Bezirks tätig ist und wie sein künftiger Chef ein überschaubares Temperament mitbringt. "Er wird sich ein wenig reinarbeiten müssen", sagt Sütterlin.

Kein guter Zeitpunkt scheint da, dass mit Rainer Koller (Bad Säckingen) ein weiterer Macher seinen Hut nimmt. Ein Funktionär, der den Bezirk als Sportrichter und Vorsitzender des Bezirkssportgerichts auf seinem Gebiet geprägt hat. Sütterlin wirkt angefasst, als er Kollers Abschied nach 28 Jahren im Bezirk, seit 2005 im Vorsitz, ankündigt. Koller, der stellvertretende Leiter des Bad Säckinger Baurechtsamts, sei ein Mann seines Fachs und "immer korrekt. Es schmerzt sehr, dass er geht". Die Gründe seien im Beruflichen und Persönlichen zu finden.

Nachrücken wird Andreas Hiemann, 27 (SV Herten). Der Berufssoldat war sieben Jahre in Chemnitz und Zwickau Beisitzer mit Einzelrichterbefugnis. Jugendrichter Werner Bolte (Lörrach), der den Vorsitz übernimmt und bei der Bezirksliga unterstütze, "soll ihn anlernen". Der stellvertretende Vorsitzende des Sportgerichts Karl-Heinz Vögtle (Rümmingen) verantwortet die Kreisliga.

Ohne Zündpotenzial diskutiert werden in Jestetten einige wenige Tagesordnungspunkte. So liegt ein Antrag vor, die Abgabe der Mannschafts-Meldekarten bis zum 30. Juni (statt 15.) zu ermöglichen. Vorab könnte zudem über den möglichen Beschluss auf dem Verbandstag (27. Juli) debattiert werden, wonach Sperren künftig nach Spieltagen statt Wochen bemessen werden sollen. Angekündigt ist die Mannschaft des FC Schönau, die in der Bezirksliga gegen den VfB Waldshut ihr großes Fußballherz zeigte: Als der VfB bei einer Verletzung schon das Wechselkontingent ausgeschöpft hatte, nahmen sie einen Spieler vom Platz. Das ist, wie zwei weitere Fälle, eine Auszeichnung wert.

Zudem stehen weitere Wechsel an, unter anderem Verena Bastian (Rümmingen/FC Wittlingen) und Sonja Schöpflin (Schallbach) betreffend: Schöpflin bleibt Staffelleiterin, übergibt die Funktion als Frauenbeauftragte aber an Polizeikommissarin Katharina Keßler (FC Hauingen). Bastian (Jugend) hat Staffelleitungen abgegeben, neu ist Hanspeter Stein (Weil), der drei C-Staffeln leitet. "Jetzt bekommen andere eine Chance, sie müssen sich freischwimmen", sagt Sütterlin. Was auch für ihn selbst gilt.