SC Freiburg

Für Lucas Höler ist das Freiburger Spiel bei Werder Bremen sehr speziell

David Weigend  und Falko Wehr

Von David Weigend (Text) und Falko Wehr (Videos)

Fr, 01. November 2019 um 17:17 Uhr

SC Freiburg

Favorit oder nicht? Mit 17 Punkten fährt der SC Freiburg nach Bremen – und der Coach sagt: "Wir haben nichts gestohlen." Was meint Streich damit? Und was hat Lucas Höler mit Werder zu tun?

Die Pressekonferenz vor dem Spiel in Bremen begann mit leichter Verzögerung: Die Kamera eines Video-Redakteurs funktionierte nicht. Christian Streich, den offensichtlich ein Schnupfen plagte, musste fünf Minuten warten – bevor er dann gleich zu einer körperlichen Malaise Stellung nehmen sollte. Nicht zu seiner eigenen, sondern zum Fuß von Luca Waldschmidt.

An dem zur Zeit einiges hängt beim SC Freiburg. Waldschmidts individuelle Klasse wurde am Dienstag im Pokal gegen Union Berlin (1:3) vermisst, denn der A-Nationalspieler ist in der Lage, in den gegnerischen Reihen "zu schwimmen", wie es Streich ausdrückt, dort Lücken zu finden und effektiv abzuschließen. Die Diagnose beim 23-Jährigen ist nicht ganz eindeutig: "Er hat am Fuß schon eine ältere Verletzung gehabt", so Streich. "Dort hat er offenbar seinen körperlichen Schwachpunkt nach den hohen Belastungen der letzten Monate. Es tut ihm richtig weh." Gleichwohl wollte Streich nicht ganz ausschließen, dass Waldschmidt heute zumindest zu einem Teileinsatz kommt.

Drei grobe, individuelle Fehler gegen Union

Streichs Resümee zur erneuten Niederlage gegen Union fiel dann so aus: "Es war ein schwieriges Spiel, viel eins gegen eins. In manchen Phasen gelang es uns, Druck zu erzeugen, wir konnten aber keine Torchance herausspielen. Entscheidend war: Wir machen drei Mal grobe, individuelle Fehler, die zu drei Gegentoren führen." Den ersten Gegentreffer verantworteten vor allem Roland Sallai und Jonathan Schmid, da sie Joshua Mees nicht richtig aufgenommen hatten. Die anderen beiden Tore beruhten auf Ballverlusten, im einen Fall wieder durch Schmid, im anderen durch Nico Schlotterbeck. "Der Bülter war frisch im Spiel und hat ihm den Ball abgeluchst. Passiert halt. Aber das ist kein Problem. Er lernt daraus. Wir wollen aus ihm einen richtig guten Innen- und Außenverteidiger machen."

Video: Emotionen, Emotionen – Werder Bremen erinnert Streich an Freiburg

Neben den punktuellen, defensiven Schwachstellen war selbst für den Laien augenscheinlich, dass der SC Schwierigkeiten hat gegen Teams, die so hart am Mann verteidigen wie Union. Trotz vieler Tempoläufe und Sprints, wie etwa bei Grifo und Sallai, gelang kaum ein Durchbruch mit spielerischen Mitteln. Das werden die Beobachter von Werder Bremen registriert haben. Auf ein entsprechend unbequemes Spiel stellt Streich seine Mannschaft ein. "Bei der Aufstellung sollten wir vor allem berücksichtigen, wer von uns von Kraft und Tempo her am besten mithalten kann", so Streich. Auch, weil Werder nach dem mühelosen 4:1 im Pokal gegen Heidenheim am Mittwoch die zweite Halbzeit ziemlich entspannt angehen konnte.

Dazu kommt, dass Werder-Trainer Florian Kohfeldt die Taktik gern und oft variiert, auch innerhalb einer Begegnung: "Sie spielen mit dem Ball auf eine bestimmte Art, gegen den Ball stellen sie dann wieder um." Da müsse man sich auf einige Szenarien einstellen und viel Zeit habe man dafür nicht.

Allerdings unterstrich Streich, dass man die Reise gen Norden auch selbstbewusst antrete. Als Favorit (was der dritte Tabellenplatz nahelegen würde) oder nicht, spielt für den Trainer keine Rolle. Stattdessen sagte er merkwürdigerweise: "Wir haben nichts gestohlen." Philipp Lienhart oder Nils Petersen als Dieb? Unwahrscheinlich. Streich meinte ja auch etwas anderes, nämlich die 17 Punkte auf dem SC-Konto: "Wir stehen gut da und die Mannschaft hat sich das mit sehr harter Arbeit verdient. Und wenn wir Fehler machen, kriegen wir richtig eine verpasst – wie gegen Köln und Union."

Vertrag mit Lino Tempelmann verlängert

Einer, der zukünftig verstärkt mithelfen soll, solche Fehler zu vermeiden, ist Mittelfeldspieler Lino Tempelmann. Der SC hat den Vertrag mit ihm verlängert. Der 20-Jährige kam 2017 vom TSV 1860 München in die Freiburger Fußballschule. In der aktuellen Saison stand er in sechs Spielen im Kader der Bundesliga-Mannschaft und im Spiel gegen Leipzig in der Startelf. "Das hätte aber auch schon vor vier Wochen der Fall sein können, wegen seiner guten Leistungen im Training", so Streich. Tempelmann spielt für die deutsche U-20-Nationalmannschaft, SC-Sportdirektor Klemens Hartenbach schätzt an ihm die Mischung aus technischen Fähigkeiten und körperlicher Präsenz.

Video: Christian Streich ist mit seinen Torhütern zufrieden



Es werden am Samstag voraussichtlich vier Spieler in den Kadern stehen, die einen Bezug haben zu beiden Mannschaften. Auf Seiten der Bremer natürlich Ömer Toprak, ein Zögling der Freiburger Fußballschule. Streich kennt ihn seit seinem 15. Lebensjahr und holte Toprak 2005 nach einem Probetraining im Möslestadion direkt ins Freiburger Jugend-Internat. Auf der anderen Seite haben Nils Petersen (von 2012 bis 2014 bei Werder) sowie Jerome Gondorf (2017 bis 2018) Erfahrungen im Weserstadion gesammelt. Außerdem ist da noch Lucas Höler. Der 25-jährige SC-Stürmer stammt aus dem Bremer Vorort Achim und träumte als Jugendlicher davon, eines Tages das grün-weiße Trikot zu tragen. Doch die Werderaner wollten ihn nicht. Mehrmals präsentierte er sich im Probetraining, stets bekam er eine Abfuhr. Zu schwach, hieß es. In Bremen zu treffen, wäre für Höler sicherlich ein spezielles Erlebnis. Aber es "würde keinen Grund geben, nicht zu jubeln, weil ich ja nicht für den Verein gespielt habe." Streich sagte über Höler, der vergangenen Samstag gegen Leipzig eines seiner besten Spiele absolviert hatte: "Er ist enorm lernfähig und hat über die vielen Einsätze mehr Ruhe am Ball und Selbstsicherheit bekommen."
SC kompakt: Der Einsatz von Torwart Alexander Schwolow (Muskelfaserriss), Nicolas Höfler (Gehirnerschütterung) und Luca Waldschmidt (Fußbeschwerden) ist unwahrscheinlich.