Heimspiel

"Nicht abkochen lassen": Der SC Freiburg empfängt am Samstag RB Leipzig

David Weigend und dpa

Von David Weigend & dpa

Fr, 25. Oktober 2019 um 18:31 Uhr

SC Freiburg

RB Leipzig hat sich zu einer großen Nummer entwickelt – doch die jüngsten Auswärtsspiele im Schwarzwaldstadion haben die Sachsen verloren. Nun kommt es zum Duell zweier Tabellennachbarn.

Anfang Oktober gab Wolfgang Niedecken, Sänger der Kölner Rockband BAP, der Rheinischen Post ein Interview. Darin sprach der 68-Jährige auch über seiner Freundschaft zu Ewald Lienen, der zwischen 1999 und 2002 Trainer war von Niedeckens Herzensverein 1. FC Köln: "Ich erinnere mich an eine Autofahrt nach einem Spiel. Schweigend. Irgendwann sagte Ewald, Trainer ist eigentlich ein ganz toller Beruf. Dann sagte er lange nichts. Und dann: Wenn man gewinnt. Hat sich eingeprägt bei mir."

Streich hat Niederlage bei Union sehr geärgert

Was das Ganze mit Christian Streich zu tun hat? Einiges. Bei ihm kann es schon mal vorkommen, dass er nach einer Niederlage zwei, drei Tage kaum ansprechbar ist. Und auch in der Pressekonferenz am Donnerstag, fünf Tage nach dem schwachen 0:2 bei Union Berlin, wirkte der Cheftrainer des SC Freiburg noch etwas angefressen. Die Haltung seiner Mannschaft habe ihn "sehr geärgert", sagte er. Die Spieler seien gewarnt gewesen, was auf sie zukommt in Berlin. Doch offensichtlich, besonders in den ersten Szenen des Spiels, waren sie nicht imstande, der aggressiven Herangehensweise der Berliner Paroli zu bieten.


Gerade die erfahrenen Spieler in seinem Kader hätten seine Erwartungen nicht erfüllt. Und: "Wir haben als Gruppe in Berlin nicht gut verteidigt, waren im Zweikampf nicht gut genug." Die Fallhöhe im Vergleich zum Spiel gegen Dortmund in der Vorwoche (2:2) war aus SC-Sicht beträchtlich. "Wir haben gegen Dortmund so gut gespielt, weil wir über 20 Balleroberungen hatten und dann weiterspielen konnten. Gegen Union Berlin hatten wir keine zehn."

Video: Christian Streich über Union, Leipzig und Offensiv-Hurrikans

Man habe die Fehler registriert, und das bezog Streich auch auf sich selbst. "Ich hätte taktischer vorgehen müssen, pragmatischer und analytischer." Dass Union viel über lange Bälle agierte und die Freiburger trotzdem pressten, anstatt abzuwarten, nahm der Trainer auch auf seine Kappe: "Vorne draufgehen ist nicht immer richtig. Den Schuh muss ich mir anziehen." Und er betonte, dass es jetzt, nach diesem einen schlechten Spiel, keine Generalabrechnung mit der Mannschaft geben dürfe – denn bisher habe sie sehr gut gespielt. Die schwache Partie sei abgehakt. Die schon am Dienstag anstehende Revanche gegen Berlin "interessiere ihn nicht". Es geht jetzt zunächst nur um Leipzig.
SC kompakt: Lukas Kübler (Knie-OP) fällt längerfristig aus; Torwart Alexander Schwolow (Muskelfaserriss) wird frühestens in drei Wochen wieder einsatzbereit sein; für ihn spielt Ersatzkeeper Mark Flekken.

Eine Mannschaft, die sogar Volker Finke Respekt abnötigt, wie der Freiburger Ex-Trainer am Freitag in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur betonte. Der 71-Jährige lobte die "sinnvollen Strukturen", die Ex-Coach Ralf Rangnick in Leipzig aufgebaut habe und sagte: "Sie machen mit dem vielen Geld keinen Unsinn. Sie holen fast nur noch junge Spieler, die sie in kurzer Zeit so weiter entwickeln, dass sie viele Millionen für sie bekommen wie bei Naby Keita." Finke ergänzte: "Und sie spielen einen attraktiven und modernen Fußball." Das würde Streich wohl auch so unterschreiben. Er sagte, etwas konkreter: "Sie haben es gern, wenn der Gegner den Ball hat, sie ihn erobern können und mit ihren schnellen Spielern in die Tiefe gehen. Sie sind extrem gut im Tempo und im Umschaltspiel." Was seine Startelf betrifft, deutete Streich an: "Es ist wahrscheinlicher, dass es Veränderungen gibt, als dass es keine gibt."

Grifo wäre ein Kandidat für die Startelf

Denkbar wäre zum Beispiel, dass Streich den zuletzt unter seinen Möglichkeiten gebliebenen Amir Abrashi aus der Anfangsformation nimmt. Für ihn würde Janik Haberer auf die Sechserposition rücken. So wäre auf dem offensiven Flügel Platz für Vincenzo Grifo, der nach seiner Einwechslung an der Alten Försterei keinen schlechten Eindruck hinterließ. Und für Lucas Höler, der bei Union nicht seinen besten Tag erwischte, könnte Nils Petersen von Beginn an spielen.

"Entscheidend wird sein, dass wir uns nicht abkochen lassen." Christian Streich
RB Leipzig indes muss voraussichtlich auf Nationalstürmer Timo Werner verzichten. Der Angreifer hat Hüftprobleme, RB-Trainer Julian Nagelsmann hat die Hoffnung für Werners Einsatz aber noch nicht ganz aufgegeben. "Er sagte, er wird nicht spielen können, mal sehen über Nacht, ob er doch noch zur Verfügung steht", meinte Nagelsmann am Freitag. Werner hat gegen Freiburg bislang sieben Mal getroffen.

Insgesamt muss Nagelsmann damit wahrscheinlich auf sechs Stammspieler verzichten. Neben Werner stehen Kevin Kampl (Mandelentzündung), Diego Demme (Wadenprobleme), Konrad Laimer (Nackenprobleme), Lukas Klostermann (Hämatome) und Nordi Mukiele (Wadenmuskulatur) nicht zur Verfügung.

Dafür könnte Nationalspieler Marcel Halstenberg wieder zum Einsatz kommen. Der Außenverteidiger hat keine Rückenprobleme mehr und ist einsatzbereit. Nagelsmann zeigte sich beeindruckt vom SC mit Trainer Streich. "Sie nutzen jede Großchance, die Gegner versemmeln gegen Freiburg fast jede Großchance. Die Freiburger haben in ihrer Effizienz enorm zugelegt", sagte er. Die letzten beiden Auswärtsspiele im Schwarzwaldstadion hat RB Leipzig – beide 2018 – verloren. Im Januar mit 1:2, im Dezember nach einer hervorragenden Freiburger Leistung mit 0:3. Nagelsmann dazu: "Ich will vom schweren Pflaster in Freiburg nichts mehr hören. Die Vergangenheit ist im Fußball völlig unerheblich." Mit 2:1 gewannen die Leipziger am Mittwoch in der Champions League gegen Zenit St. Petersburg. Nach diesem Erfolgserlebnis will RB auch in der Bundesliga nach drei sieglosen Partien wieder punkten. Streich dazu: "Entscheidend wird sein, dass wir uns nicht abkochen lassen."

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