Freiburg

Wie war’s beim... Talk zwischen Christian Streich und Matthias Brandt?

Bettina Schulte

Von Bettina Schulte

Mi, 13. November 2019 um 10:11 Uhr

SC Freiburg

Da haben sich zwei gefunden: Der SC-Trainer Christian Streich und der Schauspieler Matthias Brandt entdeckten bei einem Gespräch viele Gemeinsamkeiten. Es war keine typische Talkrunde.

Die Veranstaltung: Der große Saal im E-Werk schien trotz enger Bestuhlung zu klein zu sein. Die "90 Minuten mit Matthais Brandt und Christian Streich" waren schon lange ausverkauft, so viele Journalisten und TV-Kameras hat das Alternative Freiburger Kulturzentrum noch nie gesehen. Und auch noch nicht diesen Gastgeber: Es war die Kulturstiftung des DFB, die weltweit ihresgleichen sucht, und am Ende einen Scheck über die Höhe der Eintrittsgelder an die Freiburger Fußballschule übergibt.

Die Gesprächsteilnehmer: Sie erwiesen sich schnell als Traumduo, der Fußballtrainer und der als Kommissar Hans von Meuffels bekannte TV-Star. Christian Streich hatte sich Matthias Brandt als Gesprächspartner gewünscht. Und es war drei Tage nach dem jetzt schon legendären Sturz von Streich nach dem Rempler eines Spielers der Frankfurter Eintracht nicht der falsche Tag für ein solches Treffen. Streich zeigte sich zwar immer noch "wahnsinnig" genervt vom medialen Auflauf um das Thema, hakte es aber schnell ab. Matthias Brandt, der schon mehrfach als Rezitator im Freiburger Theater aufgetreten ist, outete sich als Fan von Werder Bremen und als schlechter Fußballspieler. Als er das erkannte, als Kind, sei er sehr enttäuscht gewesen.

Der Moderator: Christoph Biermann ist ein Profi. Der Sportjournalist und Autor mehrerer Bücher gehört unter anderem zur Chefredaktion des Monatsmagazins "11 Freunde". Er moderierte das Gespräch absolut souverän und stellte die richtigen Fragen. Nur am Ende ging es dann doch zu viel über Fußball. Kein Wunder allerdings, denn als Fußballexperte kann Biermann nicht gleichzeitig Kulturspezialist sein. Kein Wunder auch, dass diese Veranstaltung der Gendergerechtigkeit nicht genügte.

Die Themen: Lesen, na klar. Nicht umsonst ist Streich vor zwei Jahren im Freiburger Literaturhaus als "Bücherfreund des Jahres" ausgezeichnet worden. Als ihn Biermann als "großen Leser" vorstellt, kontert Streich auf seine unnachahmliche Weise: "Ich lies' halt." Für dieses Understatement wird er auch hier im Saal geliebt. Dabei ist Streich dafür bekannt, auch vor schweren Wälzern wie dem "Unendlichen Spaß" von David Foster Wallace oder Dostojewskis "Die Brüder Karamasow" nicht zurückzuschrecken. Und es geht ums Schreiben: Matthias Brandt hat mit "Blackbird" im Frühjahr seinen ersten Roman veröffentlicht. Den Streich natürlich gelesen hat und großartig findet – auch weil er und Willy Brandts jüngster Sohn derselben Generation angehören, die paar Jahre zwischen ihnen – Jahrgang 1965 und 1961 – "machen nichts". Und es geht um die Ähnlichkeiten zwischen Rasen und Bühne. Beides ist Spiel. Beides ist eine Inszenierung. Aber, so Streich: "Fußball ist keine Kunst." Allerdings sei auf dem Platz die Fähigkeit gefragt, die Sprache des anderen Spielers zu dekodieren, ihm dabei mit Empathie und nicht mit Angst zu begegnen. Worauf Brandt entgegnet: Das sei nicht nur im Fußball so.

Die besten Sprüche: Ja, da gibt es viele. Beide Promis können ihre Meinung auf den Punkt bringen. Man merkt, dass ihnen der öffentliche Auftritt nicht unbekannt ist. Es ist wie ein verbales Pingpong-Spiel. Und es macht großen Spaß, dabei zuzuhören. Spontaner Applaus kommt auf, als Brandt sagt: "Die größten Feinde des Historikers sind die Zeitzeugen." Und Streich weist einmal den Moderator zu Recht: "Ich verkauf’ nix. Ich bin kein Verkäufer. Wir stellen uns dar."

Der Fußball: Am Ende kommt der SC-Trainer doch noch mal auf den Aufreger des Wochenendes zu sprechen. Regt sich ein bisschen über das BZ-Titelfoto auf, wo er doch höchstens zwei Sekunden am Boden gelegen habe. "Ein Spiel ist auch ein Kampf", sagt er. Und wenn es eng und heiß wird, mögen das die Leute. Fußball hat etwas Archaisches. Es soll bis an die Grenze gehen, aber nicht darüber hinaus. Es ist ein Spiel, aber das Adrenalin ist echt, sagt Brandt. Das zu handhaben, sei eine Riesenaufgabe. Und dann kommt Streichs Lieblingswort: Das alles sei "sehr komplex".

Das Fazit: Es war keine Talkrunde mit zwei Prominenten, sondern ein echtes Gespräch. Der Sportler Christian Streich und der Künstler Matthias Brandt: Sie haben sich auf Augenhöhe getroffen. Und man hat einiges erfahren über die "Selbstergriffenheit": Wenn man seine Eitelkeit nicht mehr im Zaum hat, kann es für das Ego gefährlich werden. Diese beiden wissen darum. Immerhin.