Fussball

WM in Frankreich mit drei Spielerinnen des SC Freiburg?

Frank Hellmann, Andreas Strepenick

Von Frank Hellmann & Andreas Strepenick

Mo, 13. Mai 2019 um 18:30 Uhr

SC Freiburg

Giulia Gwinn und Klara Bühl vom Frauen-Erstligisten SC Freiburg sind Kandidatinnen für die Fußball-WM in Frankreich. Aber auch Torhüterin Merle Frohms könnte noch eine Chance haben.

An diesem Dienstag nominiert Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg den Kader für die Weltmeisterschaft der Fußballerinnen vom 7. Juni bis 7. Juli in Frankreich. Im Aufgebot werden wohl mindestens zwei Frauen des Erstligisten SC Freiburg stehen: die 19-jährige Verteidigerin Giulia Gwinn und die 18-jährige Stürmerin Klara Bühl. Aber auch Torhüterin Merle Frohms, die seit 2018 im SC-Dress spielt, hat nach Informationen der Badischen Zeitung noch eine Chance, für Frankreich nominiert zu werden.

Nominierung im 49. Stock eines Bankentowers

Voss-Tecklenburg macht keinen Hehl daraus, mit einem Bauunternehmer verheiratet zu sein. Hermann Tecklenburg ist schließlich weit über ihre Heimat im niederrheinischen Straelen hinaus bekannt, und insofern war es nicht verwunderlich, dass die Bundestrainerin sich kürzlich beim Spatenstich zur neuen DFB-Akademie am Rande der Baugrube sichtlich wohl gefühlt hat. Umstehenden empfahl die Powerfrau, schnell noch einen Schnappschuss mit der Frankfurter Silhouette zu machen. Ein verbauter Anblick auf die Skyline ist nur noch halb so imposant.

Aus dem höchsten Bankentower der Mainmetropole wird an diesem Dienstag der deutsche Kader für die Frauen-WM verkündet. Zu den 23 Auserwählten kommen fünf Nachrücker. Die Bundestrainerin erläutert ihr Personalpuzzle aus dem 49. Stock mit Panorama-Rundblick. Und doch steht sie für eine gewisse Bodenhaftung beim zweifachen Weltmeister (2003 und 2007). Titelträume werden nicht hinausposaunt. "Wir sind in einem Prozess, befinden uns in einer Umbruchsituation und haben viele junge, talentierte Spielerinnen." Die 51-Jährige ist deshalb froh, "dass ich nicht ständig höre, dass wir Weltmeister werden müssen".

Babett Peter wird nicht mehr gebraucht

Wenn Voss-Tecklenburg vorab arrivierte Akteure aussortiert, geht das ihr bei ihr deutlich geräuschloser vonstatten, als wenn Joachim Löw seine Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng ausmustert. Dass die unter Steffi Jones noch als unverzichtbare Führungskraft geltende Babett Peter (31 Jahre/118 Länderspiele) nicht mehr gebraucht wird, weil die Bundestrainerin ihr Aufbauspiel als zu limitiert betrachtet, fiel erst richtig auf, als die Abwehrspielerin des VfL Wolfsburg kürzlich aus dem Nationalteam zurücktrat.

Giulia Gwinn und Klara Bühl sind junge Top-Talente

Ihre Klubkolleginnen Almuth Schult (28/58), Lena Goeßling (32/104) und Alexandra Popp (28/95) vom Doublegewinner zählen hingegen zum festen Gerüst. 16 bis 18 Kandidatinnen habe sie sicher im Kopf, sagte Voss-Tecklenburg kürzlich nach dem Länderspiel gegen Japan (2:2). Es könnten jene 17 Spielerinnen sein, die in den Sammeltüten fürs Panini-Album stecken, das bald auf dem Markt erscheint. In Produktion gingen die Klebebildchen bereits Mitte Februar.

Am Panini-Hauptsitz in Modena könnten sie eine optimale Trefferquote haben, denn aus der jungen Garde sind in Verteidigerin Giulia Gwinn (19/SC Freiburg) und Stürmerin Lea Schüller (21/SGS Essen) zwei Talente dabei, die auch bei der Trainerin für ihre "Tour de France" fest eingeplant sind. Klara Bühl (18/SC Freiburg) und Lena Oberdorf (17/SGS Essen) könnten die noch jüngeren Überraschungen heißen.

Merle Frohms konnte zuletzt wieder das Tor hüten

Offen blieb am Montagabend, ob auch die Freiburger Torhüterin Merle Frohms die Chance bekommt, nach Frankreich reisen zu dürfen. Sie ist die etatmäßige Nummer zwei und hatte zuletzt mit Top-Leistungen im Tor des Nationalteams überzeugt, sich dann aber am Finger verletzt. Im DFB-Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg (0:1) konnte Frohms nicht antreten, in den beiden letzten Saisonspielen hütete sie aber wieder das Tor des SCF.

Flexibilität und Teamfähigkeit sind wichtige Kriterien

Zusammen mit ihrer Co-Trainerin Britta Carlson hatte sich Voss-Tecklenburg zuletzt vor Ort in der Frauen-Bundesliga, beim Pokalfinale und beim Champions-League-Halbfinale des FC Bayern von der Form der Nationalspielerinnen überzeugt. Auf der Kippe steht die oft verletzte Leonie Maier (26), die genau wie Sara Däbritz (24) den Vizemeister aus München wohl in Richtung Ausland verlässt. Neben der Flexibilität sind die Charaktereigenschaften – Stichwort Teamfähigkeit – ein wichtiges Kriterium.

Krasse Härtefälle wie vor der WM 2011, als die langjährige Bundestrainerin Silvia Neid einfach mal auf die damalige Bundesliga-Torschützenkönigin Conny Pohlers verzichtete, sind diesmal nicht zu erwarten. Ein öffentlicher Aufschrei blieb selbst vor dem Heimturnier jedoch aus. Der ertönte erst, als der Traum vom dritten WM-Titel jäh im Viertelfinale platzte.