REINLESEN

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Sa, 09. November 2019

Sportpolitik

Die dunklen Seiten des Weltsports

Die meisten Menschen sehen im Sport eine schöne Nebensache und wollen sich an ihm erfreuen. Hajo Seppelt kann das nachvollziehen. Aber der Journalist will den Sport nicht so unkritisch bejubeln und feiern wie manche seiner Berufskollegen. Er schaut auf das große Geschäft, das man mittlerweile mit dem Sport machen kann, auf Verstrickungen zwischen Sport, Politik und Sponsoren. Vor allem aber schaut er auf das große alte Kernproblem, das die Funktionäre und Protagonisten des Sports doch angeblich längst im Griff haben und das sie ebenso angeblich unerbittlich bekämpfen: Doping. Der Missbrauch von Medikamenten und der Einsatz von verbotenen Methoden zur Steigerung der Leistung blüht und gedeiht im Weltsport. Er scheint nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel zu sein. Zu diesem Eindruck muss gelangen, wer Seppelts Autobiografie liest. Der ARD-Reporter wurde weltberühmt, als er das vom Staat gedeckte Doping in Russland enthüllte. Was immer er auch sendete: Es erwies sich als wahr. Seppelt ist nun in der ganzen Welt unterwegs, spürt Betrügern und ihren zahlreichen Helfern in Spanien, Großbritannien, Österreich und Afrika nach. Er spricht nicht über die individuelle Schuld des Athleten, sondern enthüllt Netzwerke – häufig solche, die von Sportfachverbänden und interessierten Funktionären gedeckt werden. Seppelt ist ein Sportjournalist im besten Sinne des Wortes, denn er ist eben zuallererst Journalist: einzig und allein der Wahrheit verpflichtet, so dreckig und so schmerzhaft sie auch sein mag. Sein Arbeitgeber laviert zwischen zwei Polen. Die ARD berichtet über Ereignisse des Spitzensports wie all die anderen TV-Sender auch mit glühender Begeisterung und schildert sie gern in leuchtenden Farben. Aber sie lässt eben auch zu, dass Seppelt und sein Team frei und unabhängig arbeiten und den Dingen über alle Widerstände hinweg auf den Grund gehen können. Die kleine Dopingredaktion leistet Großes.

Hajo Seppelt: Feinde des Sports. Undercover in der Unterwelt des Spitzensports. Ullstein Berlin, 384 Seiten, 20 Euro.