Neustädter Firma Novila

Statt feiner Wäsche Schutzmasken

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Mi, 25. März 2020 um 16:10 Uhr

Titisee-Neustadt

Die Neustädter Wäschefabrik Novila fertigt ab sofort aus Stoff statt Hemden und Schlafanzügen textile Schutzmasken für Mund und Nase. Geschäftsführer Ralph Storz hofft, auf diese Weise Kurzarbeit zu vermeiden.

TITISEE-NEUSTADT. Die Schutzmasken sind zweilagig, außen Popeline (Hemdenstoff) aus reiner Baumwolle, innen Jersey aus reiner Baumwolle, alle wasch- und wiederverwendbar. Es gibt sie weiß und bunt, für die Einstellung der Kopfgröße mit Stoffbindeband oder Gummiband.

Die Masken sind nicht medizinisch geprüft und haben keinen resistenten Virenschutz, sind aber vergleichbar zu Masken aus Operationssälen, gibt Storz die Einschätzung einer Ärztin wider. Sie verringerten die Möglichkeit einer Tröpfcheninfektion durch Husten und Niesen im Eigen- und Fremdschutz.

Vor allem aber sieht Storz den Vorteil, dass das eigene Hygieneverhalten günstig beeinflusst wird, denn die Maske verhindere, dass man sich an Mund und Nase fasst, verringere also das Risiko einer Schmierinfektion.

Die derzeitige Produktion liegt bei 150 bis 200 Stück pro Tag, 5000 wären möglich. 2500 Exemplare sind bereits verkauft.

Der Grund für die Umstellung liegt auf der Hand: Für die Wäsche "geht der Umsatz gegen Null, der stationäre Handel ist tot, im Internet geht wenig", sagt Storz und spricht von einem "Versuchsballon". Mit den Firmen Mey und Trigema haben auch andere Hersteller von Textilien die neue Chance ergriffen, sie produzieren für Krankenhäuser und Private.

Novila hat in Neustadt 32 Beschäftigte, überwiegend Frauen, von denen die meisten nach einem auf sie zugeschnittenen Zeitmodell arbeiten, auf Vollzeit umgerechnet sind es 20 Kräfte. Kurzarbeit könnte hier notwendig werden, den April will man abwarten und dann überlegen, wie es weitergeht. Anders wäre es für die 34-köpfige (Vollzeit-)Belegschaft eines Werks nahe der tschechischen Stadt Pilsen. Dort werden im Krisenfall Lohnkosten vier Wochen lang übernommen, dann läuft Unterstützung aus, flexible Lösungen gibt es nicht.

Die beiden Betriebe produzieren Storz zufolge zu normalen Zeiten 100 000 Wäscheteile (Tag- und Nachtwäsche) pro Jahr. Hauptabsatzmarkt ist Deutschland.