Kunst

Das Wasserhüsli in Steinen-Hägelberg startet in seine neue Saison

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 18. Juni 2019 um 09:00 Uhr

Steinen

Das Wasserhüsli in Hägelberg, bespielt von Bildhauer Tilo Tscheulin und Figurenmacher Johannn, ist einer der schönsten und speziellsten Orte für Kunst in der Region.

Zur Sommersonnenwende geht es wieder los auf dem Gelände rund um das Wasserhüsli in Hägelberg, wo der Bildhauer Tilo Tscheulin und der Figurenmacher Johannn seit sieben Jahren einen Kunst-Ort der ganz speziellen Art eingerichtet haben. Am kommenden Freitag, 21. Juni, dem längsten Tag des Jahres, starten die beiden Kunstmacher mit allerlei Neuheiten, brandaktuellen Skulpturen, Bildern und Figuren, und spektakulären Klang-Performances auf dem Skulptophon in die Saison.

Dass es auf diesem Platz zur Schönen Aussicht rund um und im ehemaligen Hochbehälter der Gemeinde, umgeben von idyllischer Natur, ein sehr unkonventionelles Kunstprojekt zu entdecken gibt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Von Waldshut bis Freiburg kamen im vergangenen Jahr die Besucher, die sich von diesen außergewöhnlichen Skulpturen und Objekten mitten im Grünen inspirieren lassen. Tilo Tscheulin und Johannn hegen und pflegen die ganze Anlage, haben sie wieder wunderschön hergerichtet mit neuen Bepflanzungen. Auch im Wasserhüsli selbst, dem unterirdischen Kunstkabinett, das gern mal liebevoll "Gruselkammer" genannt wird, wurden Wände neu gestrichen. Der kellerartige Innenraum strahlt durch die Beleuchtung und die illuminierte Vitrinenwand mit den skurril-bizarren, gespenstischen Figuren, Gestalten und Objekten von Johannn eine besondere surreale und geheimnisvolle Atmosphäre aus.

Tscheulin macht, was der Stein ihm sagt

Drinnen und draußen bieten die beiden Künstler allerhand Neues für die kommende Saison. Tilo Tscheulin baut im Freien mehrere neue Skulpturen auf, in denen er sich mit dem Thema Spirale beschäftigt. "Galaktische Spirale" heißt eine Skulptur aus Wiesentäler Sandstein, den der Hägelberger Bildhauer aus einem Abbruch geholt hat. Ein wunderschöner Stein in weißen und rötlichen Farben, aus dem Tscheulin zwei Spiralen geschaffen hat, die sich um ein Loch herum schlängeln und nach oben verbunden sind. Eine weitere große Sandsteinskulptur, 1,90 Meter hoch, wird neben der Bar platziert. Sie trägt den Titel "Out of Control", denn der Abbruchstein hat schon viel erlebt, und diese Spuren und Strukturen hat Tscheulin bewusst so belassen: "Ich habe das gemacht, was mir der Stein gesagt hat."

Neben dieser monumentalen Skulptur zeigt er eine kleine Serie aus Findlingen und Natursteinen auf Sockeln. Nicht nur die vieldeutige Form der Spirale spielt in den neuesten Arbeiten Tscheulins eine Rolle, sondern auch das Herz. Aus dem hohlen Stamm eines Apfelbaums, der auf dem Feld seiner Familie stand und einem Sturm zum Opfer fiel, hat er die durchlöcherte Mitte des Baums zu einer Skulptur gestaltet und diese in Blautönen angemalt. "Das phtaloblaue Herz des ältesten Apfelbaums von Hägelberg" nennt er diese leuchtend blaue Holzskulptur.

Aber auch als Maler war Tilo Tscheulin in jüngster Zeit sehr produktiv. So präsentiert er in der Kunstkatakombe im Wasserhüsli brandneue Bilder, in denen er das Motto "Panta Rhei", Alles fließt", aufgreift. Surreal, abstrakt und sehr dynamisch wirkt das Bild "Waves and Dolphins" mit fließenden Wasser- und Wellenbewegungen und gestischen Pinselschwüngen. Blickfang ist auch eine neue Trilogie in organisch-expressiver Bildsprache und leuchtkräftigen Farben."Geburt der Venus" heißt eines, das eine mystische Frauengestalt verbunden mit abstrakten Formen zeigt, "Horizont der Fantasie" ein anderes, das Horizont, Himmel, und geschwungene organische Formen zu einem vieldeutigen Bildkosmos verbindet.

Johannn ist nicht mehr so düster

Tilo Tscheulin ist gespannt, wie seine neuesten Bilder ankommen, nachdem er mit seinen verfremdeten Selbstbildnissen großen Erfolg hatte. Auch Figurenmacher Johannn aus Lörrach verspricht neue Arbeiten und macht es noch ein bisschen spannend. Die neuen Figuren und Objekte sollen "nicht mehr so düster" sein und auch etwas Farbe soll ins Spiel kommen.

Im kellerartigen Ambiente des zur Kunstgalerie umgewandelten Wasserhüslis und besonders in den beleuchteten Vitrinen kommen die bizarren, eigentümlichen Gestalten von Johannn effektvoll zur Wirkung.

Aus Metall, Fundstücken, Knochen und verschiedensten Materialien gestaltet Johannn mythisch-skurrile Wesen zwischen Mensch und Tier, oft mit vogelartigen Köpfen. Auch im Skulpturenpark auf dem Außengelände ziehen die Arbeiten der beiden Kunstmacher die Leute in Bann. Johannns fantastische Vogelwesen und baumartigen Gebilde und Tscheulins monumentaler Brunnen "Equilibrium", der gewaltige viergesichtige "Quadroklop", der hoch aufragende Obelisk aus Mammutbaumholz mit Stahlspitze oder die mächtige stählerne "Welle" sind immer wieder einen Besuch wert. Zur Eröffnung und Vernissage am Freitagabend wird Tscheulins stählernes "Skulptophon" von einem Perkussionstrio um den Lörracher Jazzschlagzeuger Andy Möhring zum Klingen gebracht. Möhring bespielt die Skulptur zusammen mit Jan Stegelmann und dem Musiker und Artisten Christian Rabe, der auch Jonglagen einbringt. Im Wasserhüsli spielt der Rheinfelder Posaunist Dirk Amrein, der ein Stück des Lörracher Komponisten Thomas Lauck und ein Stück der Jazzikone Albert Mangelsdorff aufführt. Draußen bei der Sandsteinbar sorgt die Band Blue Seven für mitreißenden Sound und gute Stimmung.
Vernissage am Wasserhüsli Hägelberg, Waldfestplatz "Schöne Aussicht", am Freitag, 21. Juni, ab 20 Uhr. Geöffnet ist bis 1. Dezember immer am ersten und letzten Sonntag des Monats, 14 bis 18 Uhr.