Düngen als Belästigung

(ST)EINWURF: Schokohasen müffeln nicht

Robert Bergmann

Von Robert Bergmann

Sa, 15. Juni 2019

Steinen

Die geplante neue Düngeverordnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums wie auch die schon immer strengen Regeln im Wasserschutzgebiet zwingen Landwirte allerorten zur Kreativität in Sachen Turbowachstum auf den Feldern. Ziel der staatlichen Regelwut ist es bekanntlich, die Bauern zum Umdenken zu bringen: Das was hinten bei der Kuh herauskommt, soll nicht länger derart reichlich auf den Feldern ausgebracht werden, dass die Kacke in Sachen Gewässerschutz am Dampfen ist. Insofern ist der kürzlich von einem Landwirt geübte Gülle-Verzicht zugunsten eines Vitaminpräparats nach bewährter Basler Chemie-Rezeptur natürlich vorbildlich. Dass die Sache dann leider ziemlich zum Himmel stank und sich überempfindliche Nasenträger gleich reihenweise im Rathaus beschwert haben, war ja nicht zu erahnen. Anstrengende Öko-Rechercheure haben dann auch noch laut Klage erhoben von wegen Umweltsauerei, fehlender Aufklärung über den wahren Sachverhalt und so – das Übliche halt. Insofern ist das Ding bedauerlicherweise ein wenig nach hinten los gegangen.Trotzdem war die anrüchige Sache natürlich den Versuch wert. Und Landwirte sollten weiter Kreativität beim Düngen ihrer Felder beweisen: Warum nichteinfach mal wahlweise die garantiert fleischlosen Reste der letzten Schokoladen-Osterhasen oder Weihnachtsmänner-Produktion unterpflügen? Das Alupapier und die kleinen Glöckchen werden natürlich zuvor händisch entfernt. Schoko-Dünger ist garantiert nitratfrei, riecht lecker und erfreut die Kinder der Fröbelkita beim Vormittags-Ausflug. Man könnte es natürlich auch mal mit ökologischer Humusdüngung, biologischer Stickstofffixierung durch Hülsenfrüchte oder den Böden angepassten Pflanzen versuchen, so wie die Langweiler vom Biobauernhof. Aber das wäre ja wirklich einfallslos und außerdem viel zu kompliziert.