Studenten machen sich auf den Wiesen schlau

Wilfried Dieckmann

Von Wilfried Dieckmann

Do, 27. Juni 2019

Grafenhausen

Eine Gruppe aus Hannover erkundet auf botanischer und ökologischer Exkursion die Grafenhausener Gemarkung.

GRAFENHAUSEN. Es war nicht die Wandergruppe "Immerfroh", die mit einem Lied auf den Lippen die Ferienregion rund um Grafenhausen zu Fuß erkundete. Es waren vielmehr Studierende aus Hannover auf botanischer und ökologischer Exkursion in Grafenhausen, die im Feriendorf wohnten und nur zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln per Konus-Karte unterwegs waren.

Lernen in den Ferien
In den Pfingstferien kamen 31 Studierende der Leibniz Universität Hannover in den Schwarzwald zu einer botanischen und ökologischen Exkursion, die von Professor Dr. Hansjörg Küster, der in Grafenhausen beheimatet ist, geleitet wurde. Ein Teil der Studierenden möchte Lehrer an Gymnasien im Fach Biologie werden, andere studieren Landschaftswissenschaften, ein neues Fach, in dem man Landschaften zu beurteilen lernt.

"In Grafenhausen bestehen hervorragende Voraussetzungen für die Durchführung einer solchen Exkursion", informierte Hansjörg Küster im Gespräch mit der Badischen Zeitung. Als Übernachtungsquartier dienten fünf Häuser im Ferienhof. Sämtliche Exkursionsziele waren zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, außerdem gab es eine große Fülle an blühenden Pflanzen zu sehen: Am Schlüchtsee, auf dem Feldberg, bei Birkendorf, im Erlenbachtal, auf der Oberen Alp und auf dem Lindenberg, wo die letzten blühenden Orchideen-Exemplare des Frauenschuhs zu finden waren. Auf ihren Wanderungen erfanden die Studierenden einen Sprechgesang in der Art eines "Rap", um sich die vielen Pflanzennamen einzuprägen: Esparsette, Akelei, Borstgras, Pippau, Fettkraut, Steinbrech.

Biber verändert Landschaft
In Grafenhausen informierte sich die Gruppe auch über moderne Landwirtschaft auf dem Bläselehof: Daniel Stritt führte seinen modernen Kuhstall mit Melkroboter vor. Für Diskussionsstoff sorgten die Landschaftsveränderungen durch den Biber an der Schlücht, der nach den Worten des Professors in wenigen Jahren aus einem Erlen-Eschen-Wald ein neues Biotop mit See geschaffen hat, an dem nun auch Wasservögel wie Enten und Graureiher leben. Als problematisch bezeichnete Hansjörg Küster die Tatsache, dass angesichts fehlender Baumstämme rund um den Biberteich die Tiere ihren Radius erweitern und somit auch den Schlüchtsee erreichen. Wenn genügend Nahrung nachwachsen würde, dann beschränkten sich die Tiere auch wieder auf das von ihnen geschaffene Biotopumfeld. So werde schlussendlich Baum für Baum fallen.

Wie der Professor den Studierenden genau erläuterte, frisst der Biber die Äste im Wasser. Er kann nämlich mit seinen eigenen Verdauungsorganen die Nahrung nicht zerlegen und ist auf Bakterien angewiesen, die aber viel Wasser benötigen. Bei diesem Fressvorgang entstünden Schmatzgeräusche, die ziemlich unangenehm seien. "Mit einem Freund habe ich diesem Vorgang einmal eine halbe Stunde lang zuhören müssen, wobei wir erst gedacht haben, wir hätten ein Menschenpärchen in Flagranti erwischt", erzählte Hansjörg Küster schmunzelnd und trug mit dieser Äußerung zur allgemeinen Erheiterung aller Studierenden bei. Er sei sich auch sicher, so Hansjörg Küster weiter, dass der Biber den Badegästen im Schlüchtsee keinerlei Schäden zufügt. Weiterhin geht er davon aus, dass die Teichrosen nicht komplett abgefressen werden.

Und immer wieder tauchte über den Köpfen der Exkursionsgruppe der vom Aussterben bedrohte Rotmilan auf: Die Hälfte der noch auf der Welt vorkommenden Tiere dieser Art brütet in Deutschland, einige Brutpaare leben auch in Grafenhausen und Umgebung. Ein beeindruckendes Erlebnis war dies für die Studierenden.

Für die Teilnehmer dieser doch kurzweiligen und lehrreichen Exkursion mit Hansjörg Küster war der Hörsaal also kurzerhand ins Freie verlegt worden: "Zwischen Feldberg und Klettgau kann man eine Menge lernen über Zusammenhänge zwischen Landschaft, geologischem Untergrund, Nutzung des Landes und einer reichhaltigen Vegetation", meinte Professor Hansjörg Küster abschließend. Der Erfolg gab ihm einmal mehr recht.