Schienenverkehr wird attraktiver

Gerald Edinger

Von Gerald Edinger

Fr, 11. Oktober 2019

Stühlingen

Wutachtalbahn soll mittelfristig für noch mehr Berufspendler eine Alternative zu anderen Verkehrsmitteln werden / Güterverkehr im Blick der Kommunalpolitik.

WUTACHTAL. Die Wiederbelebung der Wutachtalbahn ist für die drei Kommunen entlang der Strecke von großer Bedeutung. Die Bürgermeister von Wutöschingen, Eggingen und Stühlingen sehen sogar Chancen, dass diese Zugverbindung an Bedeutung gewinnen könnte.

Die Aufnahme der Strecke in das Sonderförderprogramm des Landes zur Belebung bisher stillgelegter oder in Vergessenheit geratener Zugverbindungen ist für Georg Eble (Wutöschingen) ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Sein Stühlinger Amtskollege Joachim Burger sieht Potenzial, vom Wutachtal aus auf der Schiene Verbindungen nicht nur nach Basel, sondern auch nach Stuttgart zu schaffen. Eggingens Bürgermeister Karlheinz Gantert betont: "Die Reaktivierung der Wutachtalbahn ist für das ganze Wutachtal Gold wert."

Wie attraktiv ist die Wutachtalbahn?
"Mittelfristig möchten wir die Wutachtalbahn auch für Berufspendler attraktiv machen. Es gibt bei uns immer mehr Nachfragen", sagt Georg Eble. Für ihn ist es ein Glücksfall, dass diese Strecke wiederbelebt wurde. Er freut sich, dass mit dem Fahrplanwechsel (siehe Infobox) nun auch Schüler mit dem Zug bis nach Stühlingen fahren können. "Damit können die völlig überfüllten Busse entlastet werden", sagt Karlheinz Gantert. Im Juli hatte es eine Informationsfahrt mit der Wutachtalbahn von Waldshut nach Stühlingen gegeben, das Interesse daran war riesig. Landrat Martin Kistler zeigte sich damals erfreut: "Es wird zu erheblich attraktiveren Zugverbindungen kommen." Christian Brinkmann, Geschäftsführer der Bahnbetriebe Blumberg, gibt zu bedenken: "Zusätzlicher Zugverkehr ist nur dann möglich, wenn dadurch die SBG-Busse nicht leerer werden. Das heißt, dass der Zugverkehr in den Schritten zunehmen kann, wie das Fahrgastaufkommen im Wutachtal insgesamt steigt."
Wie wird die Strecke ausgebaut?
Um die Verbindung noch attraktiver zu machen, wird die Strecke mit ihren 17 Bahnübergängen derzeit ertüchtigt, auch, um wenigstens auf Teilabschnitten mit Tempo 80 Stundenkilometer fahren zu können. Und noch fehlt in Stühlingen ein Bahnsteig. Das Regierungspräsidium Freiburg habe aber in Aussicht gestellt, dass die Plangenehmigung bald erteilt wird, berichtet Christian Brinkmann: "Deshalb gehen wir von einem baldigen Baubeginn aus, so dass der Bahnsteig auch rechtzeitig fertig wird."

Joachim Burger hofft: "Wir haben die Chance, den Bahnverkehr auf dieser Strecke zu realisieren und die Angebote weiter zu entwickeln." Der Bürgermeister sieht Alternativen für Touristen, die bald mit der Bahn nach Stühlingen kommen könnten. Ein Anfang sei mit dem Schülerzug gemacht, nun gelte es die Strecke weiter zu beleben.

Ist auch Güterverkehr vorgesehen?
Joachim Burger trat kürzlich mit der Idee an die Bahnbetriebe Blumberg heran, auszuloten, das derzeit massenhaft anfallende Käferholz auf der Schiene Richtung Immendingen zu transportieren. Christian Brinkmann erklärt auf BZ-Anfrage: "Die Drähte laufen derzeit heiß, und die Chancen stehen nicht schlecht. Dafür ist jedoch unabdingbar, dass die Sauschwänzlebahnstrecke auch im Winter durch Güterzüge befahren werden darf. Das Holz muss nach Immendingen, von wo aus der Hauptlauf zu den Großabnehmern in die ganze Republik geht." Generell sieht Christian Brinkmann durchaus Möglichkeiten für Güterverkehr auf der Schiene im Wutachtal.

Neben dem Holztransport könnten das Unternehmen Sto in Weizen und die Aluminiumindustrie rund um Wutöschingen Potenzial bieten. "Anwohner an der Bahn brauchen dennoch keine Sorge haben, der Güterverkehr wird auch im besten Fall nicht so stark werden, dass die hohe Wohnqualität im Wutachtal verloren geht", erklärt Christian Brinkmann.