Gerhard Zickenheiner

Südbaden im Bundestag bald nur noch mit einem Grünen vertreten

Bernhard Walker

Von Bernhard Walker

Di, 06. August 2019 um 18:37 Uhr

Südwest

Wer in der Bundestagsfraktion der Grünen auf Kerstin Andreae folgt, ist noch offen. Der Lörracher Gerhard Zickenheiner bleibt bis zur nächsten Wahl aber wohl der einzige Grüne aus der Region.

Südbaden ist eine Hochburg der Grünen. Aber das dankt die Partei ihren Wählern in Südbaden nicht so richtig: Bis zur nächsten Bundestagswahl ist der Lörracher Gerhard Zickenheiner wohl der einzige Grünen-Bundestagsabgeordnete aus der Region.

Zickenheiner war zum Jahreswechsel selbst nachgerückt

Als die baden-württembergischen Grünen im November 2016 ihre Kandidatenliste für die Bundestagswahl 2017 aufstellten, setzten sich nur zwei südbadische Bewerber auf vorderen Plätzen durch. Die Freiburgerin Kerstin Andreae kam zwar auf den ersten Platz und zog somit ins Parlament ein. Nun wechselt Andreae aber voraussichtlich zum 1. November auf den Posten der Hauptgeschäftsführerin beim Bundesverband Energie und Wasserwirtschaft. Ihr Kreisverband bezeichnete das vorzeitige Ende ihres Mandats als "einen herben Verlust für die Grünen in Freiburg und für den gesamten Wahlkreis". Andreae werde "über Parteigrenzen hinweg für Ihre Arbeit sehr geschätzt".

Da sie den Bundestag verlässt, ist Zickenheiner einziger Grünen-Vertreter aus der Region. Sein Listenplatz 14 reichte 2017 nicht unmittelbar für den Sprung in den Bundestag. Erst als der Mannheimer Abgeordnete Gerhard Schick im September 2018 seinen Rückzug aus dem Parlament zum Jahreswechsel ankündigte, war für Zickenheiner der Weg nach Berlin frei.

Sieben Politiker rangieren auf Kandidatenliste vor dem nächsten Südbadener

Wer auf Andreae folgt, ist noch offen. Eine Politikerin oder ein Politiker aus Südbaden wird es aber höchstwahrscheinlich nicht sein. Denn auf der Kandidatenliste für die Wahl 2017 folgen auf Zickenheiner Bewerber aus dem Kreis Neckar-Odenwald, aus Ulm, Waiblingen, Böblingen, aus dem Kreis Neckar-Zaber, aus Göppingen und Backnang. Erst dann kommt mit Markus Rasp aus Emmendingen der nächste Südbadener. Er könnte somit nur dann für Andreae nachrücken, wenn alle sieben Grünen-Politiker, die vor ihm auf der Liste standen, nicht nach Berlin wechseln wollen. Das ist extrem unwahrscheinlich.

Also wird Südbaden bis zur nächsten Bundestagswahl erneut wie bis Dezember vorigen Jahres mit nur einem Abgeordneten in der Grünen-Fraktion vertreten sein. SPD und FDP dagegen können je zwei über die Landesliste gewählte südbadische Bundestagsabgeordnete aufweisen, die AfD und die Linkspartei je einen. Die CDU ist mit den acht Abgeordneten präsent, die in ihren Wahlkreisen das Direktmandat gewannen.

Bei der Wahl 2017 bekamen die Grünen im Wahlkreis Freiburg mit 21,2 Prozent der Stimmen ihr bundesweit bestes Zweitstimmen-Ergebnis. In ganz Südbaden erreichten sie 15,6 Prozent und damit gut zwei Prozentpunkte mehr als in Baden-Württemberg. Bundesweit kam die Partei 2017 auf 8,9 Prozent der Zweitstimmen. In der Grünen-Fraktion im Bundestag sind 13 Abgeordnete aus dem Südwesten vertreten. Allein fünf von ihnen kommen aus dem Großraum Stuttgart.