Stuttgart

Ausstellung: Die Schwaben zwischen Mythos und Marke

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Sa, 22. Oktober 2016 um 00:00 Uhr

Südwest

Die Schwaben – warum man sie belacht, aber auch bewundert. Im Alten Schloss Stuttgart beginnt nun die Ausstellung "Die Schwaben – zwischen Mythos und Marke".

Woran erkennt man ein Kreuzfahrtschiff voller Schwaben schon auf zehn Seemeilen Entfernung? – Daran, dass keine Möwen darüber kreisen. Oder dieser hier: Kommt ein Freiburger ins "Deutsche Haus" an der Schusterstraße, und Platz ist nur noch am Tisch eines einsamen Schwaben. Der Badener grüßt, setzt sich, wünscht guten Appetit, der Schwabe schweigt grimmig und kaut sein Mahl. Da betritt eine Frau vom Badischen Roten Kreuz mit Sammelbüchse den Raum, der Einheimische lässt spendabel zwei Münzen springen. Der Schwabe dagegen wehrt ab und brummt: "Mir g’höret z’amme."

Armer Schwabe. Die Welt lacht über ihn. Oder mokiert sich. Oder hasst ihn sogar. Wie die anonymen Berliner, die das Denkmal der Käthe Kollwitz (einer Ostpreußin!) nachts mit Kässpätzle bewarfen – im Viertel Prenzlauer Berg, wo Schwaben es gewagt haben, sich in größerer Zahl niederzulassen. "Wir sind ein Volk – Ihr seid ein anderes", sprühte man an ihre Häuser, mit Wegweiser: nach Stuttgart 605 km. Und wenn in Zürich an der Ampel einer aus, sagen wir, Ulm bei Grün nicht gleich vom Fleck kommt, hört er etwas, das er auch in Emmendingen zu hören bekommen könnte: Sauschwob.

Womit haben die Schwaben das verdient, was haben sie den Leuten getan? Und – wer sind sie überhaupt: "Die Schwaben"? Solche Fragen martern keinen so sehr wie die Schwaben vom Dienst – die Württemberger. Weshalb mitten in der Landeshauptstadt, die immer noch mehrheitlich die ihre ist, im Alten Schloss am Samstag eine Große Landesausstellung öffnet, die endlich einmal all das klären soll und will: Wer sind wir und wenn ja, wie viele? Wo kommen wir her, was denken die Leute über uns, und muss uns das eigentlich kümmern, oder kann es uns egal sein?

Denn, bitte, man könnte ja auch stolz sein. Daimler, Bosch, Porsche, Kärcher, Würth, Trumpf und Stihl halten die Exportwirtschaft nicht nur des Bundeslandes, sondern der ganzen Republik mit auf Trab. Wüstenrot und Schwäbisch Hall leihen dir das nötige Geld fürs Häuschen. Märklin und Steiff kennt jedes Kind; Hegel und Schiller, Einstein und ...

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