Bußgeld für längeren Urlaub

dpa

Von dpa

Mo, 22. Juli 2019

Südwest

Ein günstigerer Flug verleitet manche Eltern dazu, ihr Kind vor Ferienbeginn aus der Schule zu nehmen.

STUTTGART (dpa). Einen günstigeren Flug buchen, Staus umgehen – einige Eltern können diesen Versuchungen nicht widerstehen und nehmen ihre Kinder schon vor Ferienbeginn aus dem Unterricht oder kehren erst nach Schulanfang mit ihren Kindern aus dem Urlaub zurück. Am Ende könnten sie allerdings draufzahlen, denn es drohen Bußgelder.

Freiburg etwa will finanzielle Vorteile des Ferienverlängerns aufheben. Die Stadt hat dieses Frühjahr die Bußgelder verdoppelt: von 50 auf 100 Euro je versäumten Schultag. Es habe sich in der Vergangenheit um Einzelfälle gehandelt. Dieses Jahr liefen aber schon sieben Bußgeldverfahren gegen Ferienverlängerer, heißt es von der Stadt.

In anderen Städten ist die Entwicklung schwer zu beurteilen, da die Fälle nicht zentral erfasst werden. Die Bußgelder variieren. Heidelberg droht zwischen 100 und 150 Euro je Fall und im Wiederholungsfall 250 Euro an. Stuttgart veranschlagt im Schnitt 150 Euro je versäumten Schultag. Karlsruhe verlangt mindestens 200 Euro pro Fall – wenn Eltern ignorieren, dass eine Befreiung nicht genehmigt wurde, sogar mindestens 500 Euro. Hier sei aus den vergangenen Jahren allerdings nur ein Fall bekannt.

Gezielte Kontrollen müssen Eltern oder Schüler nicht befürchten. "Es läuft keiner der Beamten der Bundespolizei jetzt hier am Flughafen beispielsweise durchs Terminal und sucht nach möglichen Minderjährigen", sagt Saskia Bredewald von der Bundespolizei am Stuttgarter Flughafen. Das gilt laut der Behörde auch für die übrigen Flughäfen im Land. Dennoch würden hin und wieder Eltern erwischt, als "Beifang" wie Bredewald sagt. Man hake bei Grenzkontrollen ab und zu nach, wenn es sich um möglicherweise schulpflichtige Kinder handele.

"Wenn jeder seinen ganz persönlichen Ferienbeginn festlegen würde, dann wäre für unsere Schulen auch kein geregelter Unterricht mehr möglich", sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Außerdem sei es wichtig, dass Eltern ihren Kindern Wertschätzung gegenüber der Schule vorlebten.

Dass die Sommerferien im Land dieses Jahr an einem Montag anfangen, bleibt ein Sonderfall. Die Entscheidung dafür sei schon 2013 von den Kultusministern getroffen worden, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums. Angesichts der späten Osterferien hätten einige Bundesländer ihre Sommerferien vorverlegt. Baden-Württemberg habe seine deshalb nach hinten verlegt, damit die Ferienanfänge nicht zu dicht beieinander liegen. Künftig werden die Sommerferien wieder donnerstags beginnen.

Dass in den letzten Tagen vor den Ferien im Unterricht ohnehin nichts mehr passiere, lässt Matthias Schneider, Sprecher der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft im Südwesten, nicht gelten. Auch die Endphasen mit weniger Unterricht seien wichtig für den Klassenzusammenhalt. Ebenso zeigt Carsten Rees, Vorsitzender des Elternbeirats, kein Verständnis. Man wolle keine Schulgleitzeit.

Verstöße gegen die Schulpflicht gelten laut Schulgesetz als Ordnungswidrigkeiten. Beurlaubungen sind nur in Ausnahmefällen möglich, etwa bei Kuren, sportlichen oder wissenschaftlichen Wettbewerben, Hochzeiten oder Todesfällen in der Familie.