Der kleine deutsch-französische Dienstweg

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Fr, 15. März 2019

Südwest

In ihrem gemeinsamen Zentrum in Kehl pflegt die Polizei beider Länder eine Kooperation, die Vorbild für Europa geworden ist.

Enge grenzüberschreitende Kooperation am Oberrhein – für die Polizeibehörden steht das seit 20 Jahren auf der Tagesordnung. Denn so lange gibt es schon das gemeinsame Zentrum der deutsch-französischen Polizei- und Zollzusammenarbeit in Kehl. Beim Jubiläumsfestakt am Donnerstag lobte es Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl als "unverzichtbare Drehscheibe des polizeilichen Informationsaustausches zwischen Deutschland und Frankreich" und als "Kernelement der Sicherheitspartnerschaft". Möglich ist die unkomplizierte Kooperation, weil das Zentrum Beamte aus sechs verschiedenen Behörden – der deutschen und französischen Zollverwaltung, der Landes- wie der Bundespolizei und auf französischer Seite der Police und Gendarmerie Nationale – unter einem Dach zusammenbringt. "Durch die versammelte Kompetenz", sagt der deutsche Koordinator der Dienststelle, Dirk Herzbach, "gewinnen wir einen Mehrwert, von dem alle, die uns anfragen, profitieren." Und deren Zahl steigt kontinuierlich an, um zehn Prozent jedes Jahr. Inzwischen ist die Zahl der bearbeiteten Vorgänge auf zuletzt mehr als 20 000 Vorgänge pro Jahr angewachsen.

Es ist also keineswegs übertrieben, von der Erfolgsgeschichte einer ungewöhnlichen Dienststelle zu sprechen, die nicht nur im alltäglichen Polizeigeschäft für einfache Datenabfragen Hilfe leistet, sondern auch in akuten Sicherheitslagen für den Informationsfluss hinter den Kulissen sorgt – etwa beim Straßburger Anschlag im Dezember 2018. Herzbach nennt als weiteres Beispiel die Suchaktionen nach dem Absturz eines Gleitschirmfliegers im Grenzgebiet oder den Informationsaustausch wegen einer Kurdendemonstration vor wenigen Wochen.

Aber auch wenn eine Polizeistreife in Hamburg einen Verdächtigen festnehme und wissen wolle, ob die betreffende Person in Frankreich gesucht werde, sagt Herzbach, sei das gemeinsame Zentrum in Kehl der Ansprechpartner der Wahl. Denn die Beamten dort haben direkten Zugriff auf die Datenspeicher beider Länder und können dadurch ganz pragmatisch den Kollegen mit Auskünften weiterhelfen. "Bei uns ruft ein deutscher Polizist auf Deutsch an, ein Franzose auf Französisch", so beschreibt Herzbach den einfachen Dienstweg. Das deutsch-französische Team stehe rund um die Uhr zur Verfügung und kenne sich mit den Rechtsbegriffen beider Länder und ebenfalls bestens in beiden Sprachen aus.

Mit dieser Struktur war das gemeinsame Zentrum seit seiner Gründung Vorbild. In der Folge entstanden 60 weitere solche Polizeizentren in europäischen Grenzregionen. Auch Innenminister Strobl zeigte sich beeindruckt: "Schön, dass wir Avantgarde sein durften!"