Kunst im Dreiländereck

Rehberger-Weg zwischen Vitra Campus und Fondation Beyeler

Stefan Tolksdorf

Von Stefan Tolksdorf

Sa, 11. Juni 2016 um 00:00 Uhr

Südwest

Dem Multikünstler Tobias Rehberger geht es weniger um das Aufdecken von Verborgenem, sondern um das Sichtbarwerden neuer Realitäten. So auch auf seinem Weg "24 Stops".

Man sieht die Welt etwas anders, wenn man sich ganz auf den Weg konzentriert. Kunst öffnet die Augen, lehrt Vertrautes neu und anders sehen, schärft den Blick – für die Gestalt der Dinge, für Farben und Formen – auch für die Weise unsere Wahrnehmung. Nicht zuletzt für die Frage, ob nicht alles auch ganz anders sein könnte.
"Gehören Sie vielleicht auch zum Rehberger-Weg?" Der Mann mit dem Baseballkäppi, der mit einem auffällig blauen, futuristisch anmutenden Gefährt durch den Rebhügel pflügt, hält kurz an. Was denn das bitte sei, fragt er bei laufendem Motor. Von einem Rehberger-Weg hat er noch nie gehört. Wie auch die beiden jungen Wanderer, die ihn mit ihren – wiederum in die Augen stechenden – leuchtend roten Rucksäcken den Weg herunter kommen. "Ah, das bunte Zeug da – lässig!"
Eine besondere Absicht hätten sie darin indes nicht erkennen können – nicht die Handschrift eines der international gefragtesten deutschen Künstler. Dass eine Kunst mitunter leicht zu übersehen ist, die sich, wie die Tobias Rehbergers, an der immer neu zu definierenden, für ihn sehr durchlässigen Grenze zur Alltagswelt orientiert, kann durchaus auch Programm sein: "Es hat mich immer schon interessiert, wie sichtbar etwas ist", sagt der Künstler aus Frankfurt: "Es geht darum, dass man eine gewisse Lebensrealität herstellt und nicht nur, dass man vor einem Kunstwerk steht und es anschaut".
Als er 1997 den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig bespielte, war darin nichts zu sehen als ein Schild, das auf das Wesentliche hinwies: die ...

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