Opfer

"Ich bin von einem Geistlichen missbraucht worden"

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Fr, 10. April 2015 um 14:55 Uhr

Südwest

Als junges Mädchen wurde sie jahrelang missbraucht. 2014 entschloss sie sich, für die Anerkennung ihres Leids zu kämpfen – und fühlt sich heute mehr denn je von der Kirche allein gelassen.

Sabine Meier [Name von der Redaktion geändert] ist aufgeregt, als sie das Freiburger Friedrichsbau-Kino betritt. Sie hat ein mulmiges Gefühl, sich extra ein paar Freunde mitgenommen, um "Verfehlung" anzuschauen. Der Film, Ende März angelaufen, handelt von einem Pfarrer, der Jugendliche missbraucht, und von der Frage, wie katholische Kirchenvertreter damit umgehen. Der Täter leugnet lange und beharrlich. Es geht ums Vertuschen, um interne Lösungen und verlorene Glaubwürdigkeit. Um Sätze wie "Die Kirche ist eine Mutter, und eine Mutter schlägt man nicht". Manches kommt Sabine Meier bekannt vor. Sie ist aufgewühlt, nimmt regen Anteil an der anschließenden Publikumsdiskussion. Dann sagt sie zum ersten Mal öffentlich: "Ich bin missbraucht worden."

Szenenwechsel: Meiers Wohnküche in einer Gemeinde in der Nähe von Freiburg. Wochenlang hat die 48-Jährige überlegt, ob und was sie der Öffentlichkeit über sich erzählen will. Bis heute wird sie von Erinnerungen an einen katholischen Geistlichen heimgesucht, der sie schon als Mädchen missbrauchte – über viele Jahre hinweg. Der Mann sei "ein richtig guter Freund der Familie" gewesen. "Noch heute habe ich Flashbacks", sagt sie. "Das hat mich geprägt, und es prägt mich noch immer."

Dass sie jetzt mit einem Journalisten redet, hat mit dem Frust der vergangenen Monate zu tun. Damit, dass sie sich im Sommer 2014 entschloss, für die Anerkennung ihres Leids zu kämpfen. Damit, dass sie weitere Opfer verhindern wollte. Dass das ein derart schmerzvoller Prozess werden würde, hätte sie allerdings nicht gedacht.

Der Beschuldigte ist Pfarrer in Nordrhein-Westfalen
Als sich Sabine Meier am 23. Juli 2014 an Rechtsanwältin Angelika Musella, die Missbrauchsbeauftragte der Erzdiözese Freiburg, wendet, will sie nicht Gerechtigkeit im juristischen Sinne – die Taten sind ohnehin verjährt –, sondern Anerkennung von der katholischen Kirche. Dass die Opfer Geld bekommen können, habe sie nicht gewusst, sagt sie. Der ...

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