Landwirtschaft

Wie Südbadens Bauern versuchen, Nachfolger für ihre Höfe zu finden

Mathias Heybrock

Von Mathias Heybrock

Sa, 15. September 2018 um 18:31 Uhr

Südwest

BZ-Plus Wenn Landwirte nach arbeitsreichem Leben keine Nachfolger finden, ist guter Rat teuer. Aber es gibt auch Erfolgsgeschichten. Wie die von Elvira Horn, die erst um die Welt reiste und sich dann im Hotzenwald niederließ.

Als Elvira Horn den Bauernhof in der Hotzenwald-Gemeinde Rickenbach übernimmt, geben die Landwirte im Ort ihr kein ganzes Jahr. Was soll das schon werden? Eine Frau aus Freiburg, Lehrerin, ohne jede landwirtschaftliche Kenntnis; eine Weltenbummlerin, die in Mexiko, Syrien, Australien und London arbeitete, ehe sie wieder nach Freiburg kam – die will hier sesshaft werden, langen Atem beweisen? Nie im Leben!

Sechs Jahre später ist Horn immer noch da. "Ich will hier nie mehr weg, will hier alt werden", bekräftigt sie. Ihre Weltenbummelei vermisst sie nicht: "Das war gut, ist aber vorbei. Das muss ich nicht mehr haben."

Die Umgewöhnung von der Stadt aufs Land fällt schwer
Die 41-Jährige gibt eine kleine Führung über ihren Giegelhof, den sie zusammen mit ihrem Partner und anderen Landwirtschaftsbegeisterten betreibt. Es ist der älteste Hof im Ortsteil Hottingen, vor etwa 250 Jahren erbaut. Um die Hofstelle herum befinden sich Gemüsebeete und Gewächshäuser, auch die Tiere weiden dort – fünf Kühe, 20 Hühner und vier Laufenten, dazu kommen noch drei Katzen und zwei Hunde. Drumherum, etwas verstreut, liegen zwölf Hektar Nutzfläche, darunter auch Wald. Vier Quellen befinden sich ebenfalls auf dem Besitz.

Wer vors Haus tritt, blickt auf die Ausläufer des Südschwarzwalds, der sanft zum Hochrhein hin abfällt, nach Basel sind es 50 Minuten mit dem Auto. Bei klarrem Wetter zeichnen die Alpen sich so klar ab, dass man nach ihnen greifen will. Oben auf dem Balkon ist die Aussicht noch besser. "Ein Paradies", schwärmt Horn. Man kann nur ergriffen zustimmen.

"In Freiburg kriegst du dafür mit Glück 70 Quadratmeter in einer eher nicht so prickelnder Lage"Elvira Horn Horns Paradies kennt allerdings jede Menge Ärger: Die Arbeit war ungewohnt und schwer, etwa der Umgang mit Tieren. Es braucht da eine Autorität, die Städtern aus dem linksliberalen Milieu eher schwerfällt. Elvira erlebte eine schlimme Nacht, in der sie allein auf dem Hof war und sich um eine Kuh außer Rand und Band kümmern musste. Heute weiß das Vieh, wer der Chef ist, auch das Federvieh: Wie selbstverständlich greift sich Horn einen Hahn aus der Hühnerschar, der sofort ...

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